Luftlecks auf der ISS: Astronauten suchen kurzzeitig Schutz im Crew Dragon
Houston, 05. Juni 2026
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Kurzfassung
Wegen zunehmender Luftlecks im russischen Zvezda-Modul der Internationalen Raumstation ISS haben fünf Astronauten am Freitag für rund zwei Stunden Schutz im angedockten SpaceX-Raumschiff Crew Dragon gesucht. Die NASA hob den Evakuierungsalarm anschließend wieder auf, Roscosmos sprach von keiner akuten Gefahr für die Besatzung.
Fünf Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS haben am Freitag auf Anweisung der NASA-Missionskontrolle für rund zwei Stunden im angedockten SpaceX-Raumschiff Crew Dragon Zuflucht gesucht, nachdem sich Luftlecks im russischen Zvezda-Modul verschärft hatten.
Hintergrund: Lecks im Zvezda-Modul
Der Vorfall ereignete sich am Freitag, als die NASA-Missionskontrolle um 9:04 Uhr Ortszeit die Anordnung gab, die angedockte Crew Dragon zu betreten. Hintergrund war eine Eskalation der Leckrate im Zvezda-Servicemodul, die nach Angaben eines namentlich nicht genannten hochrangigen NASA-Vertreters von rund 450 Gramm Luft pro Tag auf etwa 900 Gramm pro Tag anstieg. Etwa zwei Stunden nach dem Shelter-Befehl hob die NASA die Anweisung wieder auf und erlaubte der Besatzung die Rückkehr zur Station.
An Bord der ISS befanden sich nach NASA-Angaben zum Zeitpunkt des Vorfalls sieben Raumfahrer aus zwei Missionen. Drei US-Astronauten, ein russischer Kosmonaut und die französische Astronautin Sophie Adenot waren nach der Anweisung zunächst in der Crew Dragon untergebracht, die übrigen Besatzungsmitglieder hielten sich in anderen sicheren Bereichen der Station auf. Sophie Adenot ist nach Angaben der ESA gegenwärtig die einzige Europäerin an Bord der ISS.
Die Crew-12-Mannschaft war im Februar an der ISS eingetroffen. Sie besteht aus den NASA-Astronauten Jessica Meir und Jack Hathaway, der ESA-Astronautin Sophie Adenot sowie dem Roscosmos-Kosmonauten Andrei Fedyaev. Eine zweite Crew war bereits im November an der Station angekommen, darunter der US-Astronaut Christopher Williams sowie die Kosmonauten Sergei Kud-Sverchkov und Sergei Mikayev. Damit befanden sich insgesamt fünf US-Amerikaner, ein Russe und eine Französin an Bord.
Besatzung an Bord
Roscosmos erklärte am Freitag, die eigenen Experten hätten zwei potenzielle Leckstellen im Zvezda-Modul identifiziert. Die erste Stelle sei demnach sofort abgedichtet worden, an der zweiten laufen nach Agenturangaben Vorbereitungen für die Reparatur. Die russische Weltraumbehörde betonte zugleich, es bestehe keine unmittelbare Gefahr für die Besatzung und die Bordsysteme. Roscosmos wörtlich: "Die Sicherheit der Besatzung und der Bordsysteme ist nicht gefährdet, der Druck an Bord der ISS ist stabil und wird auf dem vorgesehenen Niveau gehalten."
Die Reparaturarbeiten sollten den Angaben zufolge von Kud-Sverchkov und Mikayev durchgeführt werden. Roscosmos erklärte jedoch am Freitag, die Maßnahmen seien vorerst unterbrochen worden, um weitere Messungen und Datenerhebungen vorzunehmen. Ein NASA-Sprecher teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass Luftlecks im Zvezda-Modul in der Vergangenheit bereits mehrfach aufgetreten seien und die Vorfälle in der Regel unter Kontrolle gebracht worden seien.
Reparaturen und Streit zwischen den Agenturen
Das Zvezda-Servicemodul ist ein von Russland gebautes Schlüsselelement der Internationalen Raumstation, die als rund fußballfeldgroßes orbitales Forschungslabor beschrieben wird. Risse und Lecks in diesem Modul sind nach Angaben aus der NASA schon seit Längerem ein Problem und haben sich im Laufe der Zeit verschärft. Die NASA plante nach eigenen Angaben umfangreichere Reparaturen am Zvezda-Modul.
Hinter den Kulissen schwelt seit Monaten ein Streit zwischen NASA und Roscosmos über die Ursache der Lecks und die Art der Reparaturmaßnahmen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters hegte die NASA Bedenken hinsichtlich der Vorgehensweise bei den laufenden Arbeiten. Die NASA erklärte laut AFP, sie arbeite eng mit Roscosmos zusammen, um das Leckproblem nachhaltig zu lösen.
Shelter als Vorsichtsmaßnahme
Shelter-Anweisungen auf der ISS sind selten, wurden in den vergangenen Jahren jedoch mehrfach ausgelöst – unter anderem durch Weltraummüll und kleinere Luftlecks. Eine vollständige Evakuierung der Station hat es in der mehr als 25-jährigen Geschichte der ISS bislang nicht gegeben. Die Astronauten leben und forschen in dieser Zeit ununterbrochen an Bord.
Die ISS gilt als eines der wenigen Gebiete, in denen westliche Nationen und Russland während des Krieges in der Ukraine weiterhin zusammenarbeiten. Vor diesem Hintergrund gewinnt die technische Kooperation zwischen NASA und Roscosmos zusätzliche politische Bedeutung. Die beteiligten Raumfahrtbehörden betonen, dass die Sicherheit der Besatzung oberste Priorität habe.
Nach Aufhebung des Evakuierungsalarms bereitete sich die Besatzung nach Angaben einer NASA-Sprecherin darauf vor, die Crew Dragon wieder zu verlassen und in die ISS zurückzukehren. Die genaue Ursache der jüngsten Leckverschärfung war zunächst noch unklar, ebenso der Zeitpunkt für die nächsten Reparaturversuche. NASA und Roscosmos kündigten an, den Zustand des Moduls weiter zu überwachen und bei Bedarf weitere Maßnahmen einzuleiten.
Die Nachricht über den Vorfall wurde am 05.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Meldung verbreitete sich rasch über internationale Nachrichtenagenturen und löste bei Beobachtern Fragen zur langfristigen Sicherheit des in die Jahre gekommenen Außenpostens im Erdorbit aus. Die ISS ist seit mehr als 25 Jahren dauerhaft bemannt und gilt als Symbol internationaler wissenschaftlicher Kooperation.
Politische Dimension der ISS-Kooperation
Roscosmos hatte den Shelter-Befehl nach eigenen Angaben nicht angeordnet, sondern die NASA handelte nach Darstellung des Sprecherkreises aus eigener Vorsicht. Die zuständigen Flugdirektoren am Johnson Space Center in Houston wogen demnach die verfügbaren Messdaten ab und entschieden sich für eine konservative Vorgehensweise, bei der die Crew Dragon als sichere Rückzugsoption diente.
Das angedockte Crew-Raumschiff bleibt nach Angaben der NASA ohnehin in ständiger Startbereitschaft und kann im Notfall innerhalb weniger Stunden von der ISS abdocken und zur Erde zurückkehren. Diese Fähigkeit macht die Crew Dragon zur bevorzugten Schutzoption bei sicherheitsrelevanten Vorfällen an Bord der Station.
Insgesamt verdeutlicht der Vorfall, dass selbst kleine technische Probleme an Bord der Internationalen Raumstation schnelle Entscheidungen und eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Raumfahrtagenturen erfordern. Die betroffenen Astronauten blieben nach offiziellen Angaben unverletzt.
Langfristig stellt sich für NASA und Roscosmos die Frage, wie sich die alternde Struktur des Zvezda-Moduls dauerhaft sichern lässt. Die geplanten umfangreicheren Reparaturen sollen nach Angaben der NASA in den kommenden Monaten vorbereitet werden, vorbehaltlich der Ergebnisse weiterer Messungen und der Verfügbarkeit geeigneter Wartungsfenster.
Bis dahin gilt: Die Astronauten an Bord setzen ihre Forschungsarbeit fort, während Bodenteams die Lage genau beobachten. Weitere Shelter-Anordnungen seien nach Darstellung der Beteiligten jederzeit möglich, falls die Leckrate erneut ansteigen sollte.
Fragen & Antworten
Welche Astronauten waren von dem Shelter-Befehl betroffen?
Betroffen waren fünf Besatzungsmitglieder der ISS, darunter die drei US-Astronauten, ein russischer Kosmonaut und die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot, die in die angedockte Crew Dragon umzogen. Insgesamt befanden sich zum Zeitpunkt des Vorfalls sieben Raumfahrer aus den Crews 12 und einer weiteren Mission an Bord.
Wie schlimm waren die Luftlecks am 5. Juni 2026?
Die Leckrate im Zvezda-Modul stieg nach Angaben eines hochrangigen NASA-Vertreters von rund 450 Gramm auf etwa 900 Gramm Luft pro Tag. Roscosmos erklärte, der Druck an Bord sei stabil und es bestehe keine unmittelbare Gefahr für die Besatzung.
Wer repariert die Lecks im Zvezda-Modul?
Roscosmos hat die Kosmonauten Sergei Kud-Sverchkov und Sergei Mikayev mit den Reparaturarbeiten beauftragt. Am Freitag wurden die Arbeiten jedoch unterbrochen, um weitere Messungen und Datenerhebungen vorzunehmen.
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