Lilli Tagger gewinnt in Prag ihr erstes WTA-Turnier und springt in die Top 50
Prag, 27. Juli 2026
Karney Hatch / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Die 18-jährige Osttirolerin Lilli Tagger hat am Sonntag das Endspiel des WTA-250-Turniers in Prag gegen Daria Snigur mit 7:6(3), 6:2 gewonnen und damit ihren ersten Titel auf der WTA-Tour geholt. Durch den Erfolg steigt sie am Montag erstmals in die Top 50 der Weltrangliste ein und ist die zehnte österreichische Turniersiegerin im Profitennis.
Die 18 Jahre alte Osttirolerin Lilli Tagger hat am Sonntag das Finale des WTA-250-Turniers in Prag gegen die ukrainische Spielerin Daria Snigur mit 7:6(3), 6:2 gewonnen und damit ihren ersten Titel auf der WTA-Tour gefeiert.
Der sportliche Weg zur Trophäe verlief für die ungesetzte Österreicherin alles andere als geradlinig. Im ersten Satz lag Tagger früh mit 2:5 zurück, kämpfte sich jedoch zurück und wehrte beim Stand von 4:5 einen Satzball ab, als ihre Gegnerin zum Satzgewinn aufschlug. Den ersten Satzball ihrer eigenen Seite verwertete sie nach 58 Minuten mit einem Aufschlagass. Der zweite Satz schien bereits früh entschieden, als Tagger Snigur zum 3:1 breakte und das Ergebnis schließlich nach 1:28 Stunden zum 6:2 nach Hause fuhr.
Der erste Satz als Kraftakt
Snigur, die als Nummer acht gesetzt war und von ihrem Vater betreut wird, leistete sich im Verlauf des Endspiels sechs Doppelfehler, die ihr das Leben zusätzlich schwer machten. Die Ukrainerin gratulierte der Siegerin nach dem Match: „Du verdienst es, herzliche Gratulation.“ Tagger revanchierte sich mit sportlichen Worten und bedankte sich beim Prager Publikum, das ihr „unglaublich viel Energie“ gegeben habe.
Der Erfolg in der tschechischen Hauptstadt brachte Tagger neben dem Sieger-Preisgeld von 37.390 Dollar, knapp 33.000 Euro, auch 250 Weltranglistenpunkte ein. Mit dieser Ausbeute wird sie am Montag erstmals in den Top 50 der WTA geführt – aktuell als 45. der Welt. Damit klettert die Lienzerin, die bisher als Nummer zwei Österreichs geführt wurde, deutlich nach oben.
Prämien, Punkte und historische Liste
„An den 26. Juli 2026 wird sich Lilli Tagger ihr Leben lang erinnern. Denn erscheint zum ersten Mal ihr Name in der Siegerliste eines Turniers auf der WTA-Tour auf“, heißt es im APA-Bericht. Die Partie wurde auf dem Hartplatz der Prager LiveSport Arena ausgetragen, das Endspiel war das erste Aufeinandertrotten der beiden Spielerinnen.
Mit dem Sieg avancierte Tagger zur zehnten österreichischen Frau, die einen WTA-Titel gewinnen konnte. In der Liste zuvor schafften dies Petra Huber (1 Titel), Barbara Paulus (6), Judith Wiesner (5), Barbara Schett (3), Marion Maruska (1), Patricia Wartusch (2), Sybille Bammer (2), Tamira Paszek (3) und zuletzt Yvonne Meusburger, die 2013 in Bad Gastein triumphiert hatte. Der Titel in Prag ist zugleich der 25. österreichische WTA-Titel im Dameneinzel.
Im ersten Aufschlag erreichte Tagger eine beeindruckende Quote: 82 Prozent der möglichen Punkte holte sie mit ihrem ersten Service, dazu gelangen ihr neun Asse. Auch mit ihrer einhändigen Rückhand sorgte sie mehrfach für Staunen bei den Zuschauern und Entsetzen bei ihrer Gegnerin – ein Schlag, der seit jeher als Prädikat der österreichischen Tenniskultur gilt, nicht zuletzt dank Dominic Thiem.
Stimmen nach dem Finale
„Einige sind dafür gemacht, in so großen Stadien zu spielen, und genießen es einfach. Deswegen habe ich mir gesagt: Ok, ich bin nervös, aber es ist einfach etwas Spezielles“, erklärte Tagger rückblickend auf den Finalsonntag. Sie räumte ein, zu Beginn „schon ein bisschen, wenn nicht zu sagen: ziemlich nervös“ gewesen zu sein: „Ich war am Anfang schon ein bisschen, wenn nicht zu sagen: ziemlich nervös.“ Mit Blick auf den Halbfinaltag fügte sie hinzu: „Wenn man in ein so großes Stadion geht mit so viel Energie, da merkst du gar nichts mehr.“
„Ich kann nicht glauben, dass ich es am Schluss dann wirklich gewonnen habe. Ein Finale spielt man nicht jeden Tag, es ist mir sehr viel daran gelegen, dass ich das Match und das Turnier gewinne“, sagte sie unmittelbar nach dem Matchball. Im Siegerinnen-Interview sprach sie von einer „unglaublichen Woche mit einer tollen Atmosphäre in Prag“ und unterstrich die Bedeutung ihrer Familie, die am Samstag kurzfristig nach Prag gereist war: „Wir haben so hart für diesen Moment gearbeitet. Mein Team unterstützt mich so sehr. Meine Familie hat sich am Samstag entschieden, nach Prag zu kommen. Das macht es speziell.“
Bei der Pokalübergabe wandte sich Tagger direkt an ihr Team und ihre Familie, die auf der Tribüne saßen. An Schiavone und Co. gerichtet sagte sie: „Ihr macht unglaubliche Arbeit, damit ich meine Ziele erreichen kann.“ An die Familie gewandt: „Danke, ohne euch wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Eltern, Geschwister und auch Trainerin Francesca Schiavone, selbst ehemalige Spitzenspielerin, waren am Finaltag in der Arena.
Verbandsstimme aus Wien
Sportdirektor Jürgen Melzer, der die Entwicklung Taggers aus der Verbandszentrale in Niederösterreich verfolgt, zeigte sich am Sonntag angetan, gab aber auch eine Einschätzung in Richtung Zukunft: „Das ist ein unglaublicher Erfolg und zeigt, was sie für ein großes Talent ist.“ Er mahnte zugleich, die Erwartungen nicht überzustrapazieren: „Sie steht trotzdem erst am Anfang ihrer Reise.“ Die Rolle als zweitbeste österreichische Spielerin wird Tagger mit dem Sprung auf Position 45 vorerst hinter sich lassen.
Vorausgegangen war am Samstagabend ein Halbfinalsieg über die tschechische Lokalmatadorin Barbora Krejčíková, der Tagger den Weg ins Endspiel ebnete. Das Turnier in Prag war nach dem WTA-Endspiel von Jiujiang im Vorjahr – dort hatte sie gegen die Russin Anna Blinkova 3:6, 3:6 verloren – ihr zweites Endspiel auf der Tour. Tagger gehört als „ÖTV-Asse“ dem österreichischen Verband an und besitzt zudem den Juniorinnentitel der French Open 2025.
Blick nach vorn: Warschau und Cincinnati
Nach einer Woche Pause steht für Tagger das WTA-125-Turnier in Warschau auf dem Programm, ehe es zur Qualifikation für das Masters-Turnier in Cincinnati in die USA geht. „Tagger plant nach einer Woche Pause ein Antreten beim WTA-125-Turnier in Warschau, ehe es in den USA in die Cincinnati-Quali geht“, heißt es im Bericht. Damit beginnt für die Osttirolerin unmittelbar die Härtephase der Nordamerika-Sommersaison.
In Wien und Lienz wurde der Titel am Sonntagabend bereits enthusiastisch aufgenommen. Tagger selbst betonte die Ruhe, mit der sie künftige Aufgaben angehen will: „Du verdienst es“ – diese Worte Snigurs hätten sie tief berührt, sagte sie lächelnd. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Premieren-Coup der Auftakt zu einer längeren Erfolgsserie ist.
Das Turnier in Prag, offiziell LiveSport Prague Open, gehört zur Kategorie WTA 250 und wurde auf Hartplatz ausgetragen. Taggers erster Aufschlag war über das gesamte Match hinweg ein entscheidender Faktor, was sich in der 82-Prozent-Quote widerspiegelt. Im Gesamtbild ergibt sich das Profil einer Spielerin, die trotz ihres jungen Alters bereits erste Erfahrungen auf Endspielniveau gesammelt hat und diese Erfahrung nun in einen Titel ummünzen konnte.
Fragen & Antworten
Wer ist Lilli Tagger?
Lilli Tagger ist eine 18-jährige Tennisspielerin aus Lienz in Osttirol, die als Mitglied des österreichischen Verbands (ÖTV) aktiv ist und 2025 den Juniorinnen-Titel der French Open gewann.
Wie verlief das Finale in Prag?
Tagger gewann das Endspiel des WTA-250-Turniers gegen Daria Snigur mit 7:6(3), 6:2, holte den ersten Satz nach 58 Minuten mit einem Ass und sicherte das Match nach 1:28 Stunden Spielzeit.
Was ändert sich durch den Titel in der Weltrangliste?
Mit den 250 Punkten aus Prag steigt Tagger am Montag erstmals in die Top 50 der WTA ein und nimmt vorläufig Position 45 ein.
Tagger gewinnt ersten WTA-Titel in Prag – Top-50-Debüt | nachrichten360