Die Lenzing AG hat angekündigt, sich aus ihrem burgenländischen Standort Heiligenkreuz zurückzuziehen und die Faserproduktion dort bis Ende 2027 auslaufen zu lassen, während gleichzeitig weltweit rund 2.000 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen.
Was ist neu seit 28. Juli 2026
Update vom 28. Juli 2026: Georg Kasperkovitz hat am Dienstag gegenüber der APA angekündigt, das Unternehmen werde sich aus Heiligenkreuz zurückziehen und aktiv nach einem neuen Eigentümer für den Standort suchen. Die Suche solle „morgen" beginnen und könne „erfahrungsgemäß binnen einiger Monate" abgeschlossen sein, sagte der Manager. Kasperkovitz bestätigte zudem das bereits am Montagabend kommunizierte Ausmaß des Stellenabbaus: Bis Ende 2027 sollen weltweit rund 2.000 Arbeitsplätze wegfallen.
Aus für die Faserproduktion in Heiligenkreuz und Grimsby
In Heiligenkreuz im Burgenland und am Standort Grimsby in England läuft die Faserproduktion laut einer Unternehmensmitteilung vom Montagabend bis Ende 2027 aus. In Heiligenkreuz sind davon 285 Mitarbeitende betroffen, für die ein bestehender Sozialplan gilt. Insgesamt beschäftigte die Lenzing-Gruppe Ende 2025 weltweit rund 7.700 Vollzeitkräfte, womit etwa jeder vierte Arbeitsplatz zur Disposition steht.
Kasperkovitz sprach von einer „schwierigen, aber notwendigen Entscheidung". Man wolle die „Wettbewerbsfähigkeit und Profitabilität der Lenzing Gruppe nachhaltig verbessern, die Kapitalrendite erhöhen und das Unternehmen für langfristiges Wachstum in höherwertigen Marktsegmenten positionieren". Das Programm trägt den Namen „Grow Nonwovens, Reset Textiles" und ist Teil einer bereits seit dem Vorjahr laufenden strategischen Neuausrichtung.
Strategieprogramm „Grow Nonwovens, Reset Textiles"
Der Verwaltungsratsvorsitzende gegen den Eindruck, es handle sich um ein reines Schließungs- und Kostensenkungsprogramm. Die Pläne seien vielmehr von einer „umfassenden Refinanzierungsvereinbarung mit den wesentlichen Kreditgebern" getragen, sagte Kasperkovitz. Aktionäre und weitere Financiers stellten insgesamt bis zu 600 Millionen Euro frisches Kapital bereit.
Im Rahmen dieser Finanzierungsvereinbarungen ist zudem eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten im Ausmaß von bis zu 300 Millionen Euro vorgesehen. Dafür ist die Zustimmung in einer außerordentlichen Hauptversammlung notwendig, die laut Unternehmensangaben voraussichtlich am oder um den 25. September stattfinden soll.
Aktionärsstruktur und Kapitalerhöhung
Der größte Aktionär der Lenzing AG ist die österreichische Industrieholding B&C mit 37,25 Prozent der Anteile. 37,74 Prozent befinden sich im Streubesitz, 10,01 Prozent hält die US-Investmentbank Goldman Sachs. Im Jahr 2024 hatte die B&C ihre Mehrheit abgegeben; der brasilianische Zellstoffkonzern Suzano übernahm einen 15-Prozent-Anteil und ist mit der B&C syndiziert. Suzano hält zudem eine Kaufoption auf weitere 15 Prozent bis zum Jahr 2028.
