Kuba erlebt zweiten landesweiten Stromausfall innerhalb einer Woche
Havanna, 11. Juli 2026
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Kurzfassung
Kuba ist am Freitag zum zweiten Mal innerhalb von fünf Tagen landesweit vom Stromausfall betroffen gewesen. Der staatliche Energieversorger UNE sprach von einem vollständigen Zusammenbruch des nationalen Stromnetzes, während die Regierung in Havanna die US-Sanktionen für die Krise verantwortlich macht.
Auf Kuba ist am Freitagnachmittag (Ortszeit) zum zweiten Mal innerhalb einer Woche landesweit der Strom ausgefallen, während die kubanische Regierung die US-Sanktionspolitik für die anhaltende Energiekrise verantwortlich macht.
Am Freitag um etwa 16:30 Uhr Ortszeit (22:30 Uhr MESZ) fiel auf Kuba erneut landesweit der Strom aus. Der staatliche Energieversorger UNE sprach in Online-Netzwerken von einem "vollständigen Zusammenbruch des nationalen Stromnetzes". Damit kam es innerhalb von nur fünf Tagen bereits zum zweiten landesweiten Blackout. Erst am Montag derselben Woche hatte es einen flächendeckenden Ausfall gegeben, dessen Behebung zwei Tage in Anspruch nahm.
Notfallprotokolle aktiviert
Nach Angaben des Netzbetreibers wurden unmittelbar nach dem erneuten Vorfall die Notfallprotokolle für die Wiederherstellung der Stromversorgung aktiviert. "Die Notfallprotokolle für die Wiederherstellung der Stromversorgung seien aktiviert worden", hieß es. Vorrangig sei gemäss den Protokollen, die Versorgung von Einrichtungen wie Spitälern sicherzustellen. Zu den konkreten Ursachen des erneuten Ausfalls machte die staatliche Stromgesellschaft UNE zunächst keine Angaben.
Bereits am Montag fiel landesweit der Strom aus. "Zwei Tage dauerte es bis zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung." Der Zusammenbruch am Freitag ereignete sich nach Darstellung der regierungsnahen Zeitung Granma inmitten einer prekären Lage. "Der Zusammenbruch ereignete sich inmitten einer kritischen Energiekrise, unter der das Land bereits schwer zu leiden hat", schrieb "Granma", die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas, auf der Plattform X.
Vierter landesweiter Ausfall seit Jahresbeginn
Der Freitagsausfall war nach Informationen aus den vorliegenden Berichten bereits der vierte landesweite Stromausfall in Kuba seit Jahresbeginn. "Immer wieder fällt daher seit Jahresbeginn der Strom landesweit aus", schildern die Berichte. Die Ursachen sind vielschichtig: "hinzu kommt, dass die Strominfrastruktur Kubas veraltet ist. Das führt auch regelmässig zu lokalen Ausfällen." Die Karibikinsel kann eigenen Angaben zufolge nur einen Teil ihres Ölbedarfs selbst decken und ist auf Importe angewiesen.
Zuletzt hatte US-Präsident Donald Trump im Jänner Ländern, die Öl nach Kuba exportieren, mit Strafzöllen gedroht. "Das führte zu einem nahezu vollständigen Stopp der Lieferungen aus dem Ausland." Seitdem flossen kaum noch nennenswerte Ölmengen auf die Insel. Die Regierung in Havanna macht die US-Sanktionen für die anhaltenden Stromausfälle verantwortlich. Die kubanische Führung wirft Washington vor, mit Druckmassnahmen gezielt eine wirtschaftliche und politische Öffnung der Insel erzwingen zu wollen.
US-Sanktionen und die Rolle der Ölimporte
"Washington versucht mit verschiedenen Druckmaßnahmen, eine wirtschaftliche und politische Öffnung der Insel nach seinen Vorstellungen zu erzwingen", formulierte es die kubanische Seite. Die US-Regierung verfolge das Ziel, die kubanische Wirtschaft weiter unter Druck zu setzen. Für die betroffene Bevölkerung bedeutet dies eine anhaltende Unsicherheit bei der Versorgung mit Elektrizität, da weder ausreichend Treibstoff für die Kraftwerke noch die nötigen Devisen für Importe zur Verfügung stehen.
Die unmittelbaren Folgen für die kubanische Bevölkerung sind gravierend. Ohne Strom funktionieren in weiten Teilen des Landes weder Klimaanlagen noch Kühlschränke, was bei tropischen Temperaturen besonders belastend ist. Auch der öffentliche Nahverkehr, Ampeln, Aufzüge und viele Geschäfte sind auf eine funktionierende Stromversorgung angewiesen. Die Konzentration auf die Versorgung von Spitälern und anderen kritischen Einrichtungen zeigt, dass die Behörden die Lage als ernst einschätzen.
Auswirkungen auf die Bevölkerung
Internationale Beobachterinnen und Beobachter verweisen darauf, dass sich die Energiekrise auf Kuba seit Monaten zuspitzt. Die veraltete Infrastruktur macht die Insel anfällig für Störungen, während gleichzeitig die externen Versorgungswege durch die US-Politik stark eingeschränkt sind. Die wiederholten Blackouts werfen ein Schlaglicht auf die Fragilität des kubanischen Energiesystems und die wirtschaftlichen Zwänge, mit denen sich die Regierung in Havanna konfrontiert sieht.
Die offizielle Kommunikation der kubanischen Behörden bleibt derweil zurückhaltend, was konkrete technische Erklärungen für den erneuten Vorfall angeht. UNE kündigte an, an einer vollständigen Wiederherstellung zu arbeiten, ohne einen genauen Zeitpunkt zu nennen. Beim Ausfall am Montag hatte es zwei Tage gedauert, bis die Versorgung landesweit wiederhergestellt war – ein Zeitraum, der angesichts der sommerlichen Temperaturen als kritisch gilt.
Offene Fragen zur Ursache
Kuba steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits muss die akute Energiekrise kurzfristig bewältigt werden, andererseits fehlt den Verantwortlichen der Spielraum für grundlegende Investitionen in die Strominfrastruktur. Die Abhängigkeit von Ölimporten, die durch die US-Drohung mit Strafzöllen praktisch unterbrochen wurden, macht die Lage besonders verfahren. Langfristige Lösungen, etwa der Ausbau erneuerbarer Energien, sind in der aktuellen Situation kaum finanzierbar.
Die wiederholten Stromausfälle haben in der kubanischen Bevölkerung längst Spuren hinterlassen. Berichte über Hamsterkäufe von Lebensmitteln, eingeschränkte Mobilität und eine wachsende Unzufriedenheit mit der Versorgungslage haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Mit dem vierten landesweiten Blackout innerhalb eines halben Jahres erreicht die Krise eine neue Dimension, zumal sich die Frequenz der Vorfälle erhöht.
Ausblick auf die kommenden Tage
Für die kommenden Tage bleibt unklar, wann die Stromversorgung auf Kuba wieder vollständig hergestellt sein wird. Die Behörden konzentrieren sich laut eigenen Angaben darauf, zunächst die kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser und Wasserwerke zu versorgen. Die vollständige Normalisierung des Alltags auf der Karibikinsel dürfte indes noch länger auf sich warten lassen, zumal die strukturellen Probleme des Energiesystems fortbestehen.
Fragen & Antworten
Wie oft ist es seit Jahresbeginn auf Kuba zu einem landesweiten Stromausfall gekommen?
Dem Bericht zufolge handelt es sich bei dem Vorfall am Freitag bereits um den vierten landesweiten Stromausfall in Kuba seit Jahresbeginn.
Welche Rolle spielen die US-Sanktionen für die Energiekrise auf Kuba?
Die kubanische Regierung macht die US-Sanktionen für die Krise verantwortlich. US-Präsident Donald Trump hatte im Jänner Ländern, die Öl nach Kuba exportieren, mit Strafzöllen gedroht, was die Lieferungen aus dem Ausland nahezu vollständig stoppte.
Wie lange dauerte es, den Stromausfall vom Montag derselben Woche zu beheben?
Die vollständige Wiederherstellung der Stromversorgung nach dem landesweiten Ausfall am Montag dauerte zwei Tage.
Kuba Stromausfall: Zweiter Blackout in einer Woche | nachrichten360