KHM-Museumsverband kündigt Direktorin von Schloss Ambras – Konflikt eskaliert weiter
Wien, 10. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Der KHM-Museumsverband hat die Direktorin von Schloss Ambras, Veronika Sandbichler, mit Wirkung zum Jahresende gekündigt. Sandbichlers Anwalt kündigt rechtliche Schritte an und bezweifelt die externe Expertise, die die Museumsleitung entlastet hatte.
Der KHM-Museumsverband hat die seit Ende März freigestellte Direktorin von Schloss Ambras in Innsbruck, Veronika Sandbichler, mit Wirkung zum Jahresende gekündigt, wie der Verband auf APA-Anfrage bestätigte.
Der seit Monaten schwelende Konflikt zwischen dem KHM-Museumsverband und der Leiterin von Schloss Ambras, Veronika Sandbichler, hat eine neue Stufe erreicht. Wie die „Tiroler Tageszeitung" am Freitag berichtete und der KHM-Verband gegenüber der Austria Presse Agentur bestätigte, wurde die Direktorin mit Wirkung zum 31. Dezember 2026 gekündigt. „Im KHM-Verband bestätigte man der APA die Kündigung und wollte dem darüber hinaus nichts hinzufügen."
Schloss Ambras ist Teil des KHM-Museumsverbands, der seinen Sitz in Wien hat und unter der Generaldirektion von Jonathan Fine steht. Die Innsbrucker Außenstelle gehört damit zu den bekanntesten historischen Schauplätzen der Republik: Die Sammlungen rund um Erzherzog Ferdinand II. zählen zu den wichtigsten Renaissance-Beständen nördlich der Alpen. Der Streit um die Leitung der Anlage beschäftigt daher nicht nur die Museumsbranche, sondern auch die Tiroler Landespolitik, die den Standort seit jeher als identitätsstiftend begreift.
Hintergrund: Streit zwischen Wien und Tirol
Der Konflikt hatte sich im März zugespitzt, als Sandbichler der Führung des KHM-Museumsverbands eine „toxische Führungskultur" vorwarf. Wenig später wurde sie dienstfrei gestellt. Generaldirektor Jonathan Fine übernahm die Leitung von Schloss Ambras interimistisch und erklärte Anfang Juli anlässlich einer Ausstellungseröffnung, Sandbichler habe ihr Arbeitsverhältnis selbst beenden wollen und dabei „drei Jahresgehälter wollen" gefordert. Als sie diese Summe nicht erhalten habe, habe sie „diese mediale Geschichte losgetreten" – so Fine wörtlich.
Mitte Juni legte die Arbeitsrechtsexpertin Sieglinde Gahleitner ein externes Gutachten vor, das Fine und seinen Managementkollegen Paul Frey entlastete. Weder Mobbing noch Bossing – also gezieltes schikanöses Verhalten von Vorgesetzten gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – hätten sich anhand der untersuchten Vorwürfe feststellen lassen, hieß es. Das Gutachten war bis zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich zugänglich.
Sandbichlers Anwalt Martin Maxl sieht das anders. Er bezeichnete das Gutachten als „keineswegs Ergebnis eines fairen, transparenten und offenen Verfahrens" und kritisierte, dass weder seine Mandantin noch die Öffentlichkeit Einsicht in die Akten erhalten hätten. Überdies verwies er auf „die übereinstimmenden Berichte zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ein toxisches Führungsverhalten der Geschäftsführung des KHM-Museumsverbandes".
Gutachten entlastet die Führung – Anwalt widerspricht
Maxl kündigte an, gegen die Kündigung gerichtlich vorzugehen. Er zeigte sich „über den Ausspruch der Kündigung noch vor Beginn der vom KHM-Museumsverband angekündigten Gespräche über eine einvernehmliche Auflösung ihres Dienstverhältnisses erstaunt". Der Verband habe Gespräche über eine einverständliche Trennung in Aussicht gestellt, die Kündigung sei nun aber offenbar ohne diese Gespräche erfolgt. Abseits der Kündigung begrüße er „die Möglichkeit, in einem rechtsförmlichen und öffentlichen Gerichtsverfahren vor einem unabhängigen Gericht zu klären, ob die übereinstimmenden Berichte zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über ein toxisches Führungsverhalten der Geschäftsführung des KHM-Museumsverbandes zutreffen oder nicht".
Unterdessen kündigte Fine laut „Tiroler Tageszeitung" an, die Stelle der neuen Schloss-Ambras-Leitung im Sommer auszuschreiben. Fine erklärte, die Ausschreibung der neuen Standortleitung könne erst erfolgen, sobald es „eine Lösung" mit Sandbichler gebe. Bis zum Antritt der neuen Leitung Anfang 2027 wolle er die interimistische Führung an eine Person aus dem bestehenden Mitarbeiterstab übergeben.
Kündigung vor einvernehmlichen Gesprächen
Damit deutet sich ein personeller Umbruch an, der die Zukunft des Innsbrucker Schlosses in Wien mitbestimmen wird. Während die Museumsleitung Sandbichlers Darstellung zurückweist und sich auf das externe Gutachten stützt, beharrt deren Anwaltsseite auf einer gerichtlichen Klärung der Vorwürfe. Die Auseinandersetzung umfasst damit mehr als nur einen Arbeitsvertrag: Sie berührt die Frage, wie eine der renommiertesten Kulturinstitutionen Österreichs mit Konflikten zwischen Führungsebene und Belegschaft umgeht.
Die Causa hat auch eine tirolpolitische Dimension. Schloss Ambras ist nicht nur ein touristischer Anziehungspunkt, sondern auch ein Symbol für die kulturelle Eigenständigkeit des Landes gegenüber der Bundeshauptstadt Wien. Vertreterinnen und Vertreter Tirols haben in den vergangenen Monaten wiederholt ein stärkeres Mitspracherecht bei der Führung des Standorts eingefordert. Die nun erfolgte Kündigung dürfte die Debatte um Standortautonomie und Bund-Land-Beziehungen im Kulturbereich weiter anheizen.
Personelle Weichenstellungen und Auschreibung
Auf APA-Anfrage wollte sich der KHM-Museumsverband zunächst nicht weiter äußern. Man habe die Kündigung bestätigt und wolle „dem darüber hinaus nichts hinzufügen". Sandbichler selbst hat sich bisher nicht persönlich zu den neuen Entwicklungen geäußert; sämtliche Stellungnahmen liefen über ihren Anwalt.
Die Causa verdeutlicht zudem, wie selten ein so prominenter Museumsstandort zwischen zwei Bundesländern und Bundesebenen zum Gegenstand arbeitsrechtlicher Auseinandersetzungen wird. Schloss Ambras beherbergt die bedeutendsten Sammlungen Erzherzog Ferdinands II. und seiner Söhne, darunter die „Heldenrüstkammer", den „Antiquensaal" und umfangreiche Porträtsammlungen. Über Jahre galt die Einrichtung als gut geführtes Aushängeschild der KHM-Familie.
Der nun angekündigte Rechtsstreit dürfte die Gemüter weiter erhitzen. Während Fine den Konflikt durch die externe Expertise für beendet erklärt sieht, beharrt die Gegenseite auf einer gerichtlichen Überprüfung. Beobachterinnen und Beobachter der österreichischen Museumslandschaft werten den Konflikt als Lackmustest dafür, wie öffentliche Kulturinstitutionen mit Vorwürfen über Führungsversagen umgehen.
Sollte das Arbeitsgericht zugunsten Sandbichlers entscheiden oder die Causa in einem Vergleich enden, wäre die Reputation der Museumsleitung weiter beschädigt. Eine gerichtliche Bestätigung der Vorwürfe könnte zudem arbeitsrechtliche Folgen über den Einzelfall hinaus nach sich ziehen. Umgekehrt würde ein Sieg Fines vor Gericht seine bisherige Linie stützen, wonach die Vorwürfe gegen ihn und Frey haltlos seien.
Fest steht: Mit der Kündigung ist der Konflikt nicht beigelegt, sondern verlagert worden – von der internen Auseinandersetzung in ein gerichtliches Verfahren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Tiroler Seite politisch weiter Druck aufbaut und ob die Auschreibung der neuen Leitungsfunktion tatsächlich wie geplant im Sommer erfolgen kann.
Fest steht auch, dass die Ambras-Sammlungen während des gesamten Verfahrens für das Publikum zugänglich bleiben sollen. Fine hatte betont, der Museumsbetrieb laufe „uneingeschränkt weiter". Auch die laufenden Sonderausstellungen sollen nicht beeinträchtigt werden, hieß es aus dem Verband.
Damit richtet sich der Blick nun auf die kommenden Wochen: Sobald die arbeitsrechtliche Klärung in Gang gesetzt ist, wird sich zeigen, ob die Kündigung Bestand hat oder ob das Verfahren neue Tatsachen ans Licht bringt, die über den Fall Sandbichler hinaus Bedeutung für die gesamte KHM-Gruppe entfalten könnten.
Fragen & Antworten
Wer ist Veronika Sandbichler?
Veronika Sandbichler ist die Direktorin von Schloss Ambras in Innsbruck und wurde laut Bericht der „Tiroler Tageszeitung" mit Wirkung zum Jahresende 2026 vom KHM-Museumsverband gekündigt. Zuvor hatte sie der Führung des Verbands eine „toxische Führungskultur" vorgeworfen und wurde Ende März freigestellt.
Was hat das externe Gutachten von Sieglinde Gahleitner ergeben?
Das im Juni vorgelegte arbeitsrechtliche Gutachten entlastete KHM-Generaldirektor Jonathan Fine und seinen Managementkollegen Paul Frey: Es fanden sich demnach keine Hinweise auf Mobbing oder Bossing durch die Museumsleitung.
Wie reagiert Sandbichlers Anwalt Martin Maxl auf die Kündigung?
Anwalt Martin Maxl kündigte an, dass seine Mandantin gegen die Kündigung gerichtlich vorgehen werde. Er kritisierte das externe Gutachten als „keineswegs Ergebnis eines fairen, transparenten und offenen Verfahrens" und verwies auf Berichte zahlreicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über toxisches Führungsverhalten.
KHM kündigt Ambras-Chefin Sandbichler – Konflikt eskaliert | nachrichten360