Italien Maut-Rückerstattung 2026: Neue Regel für | nachrichten360
Italien startet Maut-Rückerstattung bei Baustellen-Staus – Verbraucherschützer skeptisch
Rom, 01. Juni 2026
MNHNL pbraun / Wikimedia Commons / CC0
Kurzfassung
In Italien können Autofahrer ab sofort bei baustellenbedingten Verspätungen eine teilweise oder vollständige Rückerstattung der Maut beantragen. Verbraucherschützer und Automobilclubs äußern jedoch Zweifel an der Umsetzung und warnen vor möglichen Gebührenerhöhungen.
In Italien ist am Montag eine neue Regelung in Kraft getreten, die Autofahrern bei erheblichen baustellenbedingten Verspätungen auf Autobahnen eine teilweise oder vollständige Rückerstattung der Mautgebühren ermöglicht.
Die von der rechten Regierung in Rom vorangetriebene Verordnung verpflichtet die Autobahnbetreiber, die Maut zu erstatten, wenn die normale Fahrzeit aufgrund von Baustellen deutlich überschritten wird. Verkehrsminister Matteo Salvini sprach von einem „Wendepunkt“ für die Durchsetzung von Fahrerrechten.
Die Regelung gilt grundsätzlich auch für ausländische Fahrer, wie der deutsche Automobilclub ADAC bestätigte. Allerdings ist für die Registrierung in der entsprechenden App eine italienische Steuernummer erforderlich, was von Automobilclubs als Hürde kritisiert wird.
So funktioniert die Rückerstattung
Die Höhe der Erstattung richtet sich nach der Dauer der Verzögerung und der Länge der zurückgelegten Strecke. Bei Fahrten bis 30 Kilometer besteht der Anspruch unabhängig von der Verspätungsdauer. Für Strecken zwischen 30 und 50 Kilometern muss die Verzögerung mindestens 10 Minuten betragen, bei Strecken über 50 Kilometer sind es mindestens 15 Minuten.
Die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia nannte ein Rechenbeispiel: Bei einer rund 90 Kilometer langen Strecke und einer Verspätung von etwa 40 Minuten werden rund 75 Prozent der Maut erstattet. Bei einer einstündigen Verspätung auf derselben Strecke erfolgt eine vollständige Rückerstattung.
Bei Vollsperrungen sieht die Regelung gestaffelte Erstattungen vor: Bei einer Unterbrechung von 60 bis 119 Minuten werden 50 Prozent der Maut zurückgezahlt, bei 120 bis 179 Minuten sind es 75 Prozent und ab 180 Minuten 100 Prozent.
Keinen Anspruch auf Rückerstattung gibt es bei Notbaustellen, die aufgrund von Unfällen, außergewöhnlichen Wetterereignissen oder Rettungseinsätzen eingerichtet werden. Auch mobile Baustellen wie Mäharbeiten, Reinigung oder Beschilderungsarbeiten sind in der ersten Phase von der Regelung ausgeschlossen.
Beantragung per App oder E-Mail
Die Erstattung kann über die App „Muovy Cashback“ beantragt werden, die alle 24 privaten italienischen Autobahnbetreiber zusammenführt. Alternativ ist eine Beantragung per E-Mail oder über die Webseite von Autostrade per l'Italia möglich, wobei hier keine Registrierung erforderlich ist.
Nutzer, die mit einem elektronischen Mautgerät oder einem italienischen Kennzeichen registriert sind, erhalten die Rückerstattung automatisch. Für alle anderen besteht die Möglichkeit, den Beleg manuell hochzuladen. Die automatische Kennzeichenerkennung bleibt Fahrzeugen mit italienischem Kennzeichen vorbehalten.
Erstattungsbeträge unter 10 Cent werden nicht ausgezahlt. Beträge ab 10 Cent werden gesammelt und ab einer Summe von einem Euro ausgezahlt. Die Regelung gilt zunächst nur für Strecken, die vollständig von einem einzigen Betreiber verwaltet werden.
Ab dem 1. Dezember 2026 soll das System auf Fahrten ausgeweitet werden, die sich über mehrere Betreiber erstrecken. Die vollständige Umsetzung der Regelung wird bis Ende 2026 erwartet.
Italien im europäischen Mautvergleich
Italien verfügt über rund 7.000 Kilometer Autobahnen, die zum großen Teil mautpflichtig sind. Im europäischen Vergleich zählt Italien gemeinsam mit Frankreich zu den Ländern mit den höchsten Mautkosten – durchschnittlich zwischen sieben und neun Cent pro gefahrenem Kilometer.
Anders als in Deutschland, wo die Autobahnnutzung kostenfrei ist, oder in Österreich und der Schweiz, die auf Vignettensysteme setzen, müssen in Italien für die allermeisten Autobahnabschnitte Gebühren entrichtet werden.
Der italienische Verbraucherschutzverband Codacons bezweifelt, dass das System zuverlässig funktioniert. „Es ist offensichtlich, dass es jahrelang keine echten Strafen für die geben wird, die den Nutzern einen schlechten Service bieten“, hieß es in einer Stellungnahme. Zudem warnt der Verband, dass die Betreiber die Kosten für die Rückerstattungen durch höhere Mautgebühren ausgleichen könnten.
Kritik von Verbraucherschützern und Automobilclubs
Auch der ADAC kritisierte die Komplexität des Systems. „Italien zählt zu den Ländern mit den höchsten Autobahngebühren in Europa. Und kompliziert ist das System obendrein“, so der Automobilclub. Der österreichische Automobilclub ÖAMTC bezeichnete die Antragstellung als „zum Teil sehr umständlich“.
Die Rückerstattungsregelung ist der erste umgesetzte Bestandteil einer umfassenderen Mautreform. Die italienische Verkehrsregulierungsbehörde ART arbeitet an einem einheitlichen Berechnungsmodell, das die Mautgebühren stärker an die tatsächlichen Investitionen der Betreiber koppeln soll. Spürbare Entlastungen für Autofahrer werden allerdings erst 2027 oder 2028 erwartet.
Ausblick auf die Mautreform
Zukünftig sollen Mauterhöhungen nur noch dann erlaubt sein, wenn sich der Service für die Nutzer konkret verbessert. Zudem wird über variable Preismodelle diskutiert, bei denen die Maut je nach Tageszeit, Verkehrsaufkommen oder Umweltklasse des Fahrzeugs variieren könnte.
Die Regelung wurde kurz vor Beginn der großen Sommerreisewelle eingeführt. In den Urlaubsmonaten kommt es auf den Strecken Richtung Gardasee, Toskana, Adria oder Süditalien regelmäßig zu Staus und Baustellen.
Die Beantragung einer italienischen Steuernummer ist für ausländische Fahrer über die zuständige italienische Auslandsvertretung möglich. Reisende aus Deutschland können sich an die italienische Botschaft in Berlin oder das italienische Konsulat wenden.
Fragen & Antworten
Wer hat Anspruch auf die Maut-Rückerstattung in Italien?
Anspruch haben alle Autofahrer, deren Fahrzeit auf italienischen Autobahnen aufgrund von Baustellen erheblich überschritten wird – auch ausländische Touristen. Voraussetzung ist, dass die Verzögerung je nach Streckenlänge eine bestimmte Mindestdauer erreicht.
Wie kann ich die Rückerstattung beantragen?
Die Beantragung erfolgt digital über die App „Muovy Cashback“ oder das Cashback-Portal von Autostrade per l'Italia. Alternativ ist eine Antragstellung per E-Mail möglich, für die keine Registrierung mit italienischer Steuernummer nötig ist.
Warum gibt es Kritik an der neuen Regelung?
Verbraucherschützer bezweifeln die zuverlässige Umsetzung und befürchten, dass die Betreiber die Rückerstattungskosten durch höhere Mautgebühren ausgleichen. Automobilclubs kritisieren zudem die Komplexität des Systems und die Hürde der italienischen Steuernummer für ausländische Fahrer.