Irans Führung schwört nach Chameneis Begräbnis Rache und kündigt Vergeltung an
Teheran, 11. Juli 2026
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Kurzfassung
Nach dem Begräbnis von Ayatollah Ali Chamenei hat die iranische Führung Vergeltung für dessen Tod angekündigt. Eine im Staatsfernsehen verlesene Erklärung, die seinem Sohn und Nachfolger Modschtaba zugeschrieben wird, sprach von einer unbedingten Pflicht zur Rache.
Nach dem Begräbnis von Ayatollah Ali Chamenei hat die iranische Führung Vergeltung für dessen Tod angekündigt und die Rache als Forderung des Volkes bezeichnet.
Die iranische Staatsführung hat unmittelbar nach den Trauerfeierlichkeiten für Ayatollah Ali Chamenei Vergeltung angekündigt. In einer im Staatsfernsehen verlesenen Mitteilung, die seinem Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei zugeschrieben wird, hieß es: "Rache ist die Forderung unseres Volkes und muss ganz gewiss erfolgen". Das Schreiben war auf Freitag datiert und wurde am Samstag im Staatsfernsehen ausgestrahlt.
In der Erklärung kündigte Modschtaba Chamenei an, das "Blut" seines Vaters und Vorgängers sowie aller "Märtyrer" der "beiden Kriege" gegen Israel und die USA zu rächen. Die Wortwahl unterstreicht, dass die iranische Seite den Konflikt als fortlaufenden Kampf gegen zwei externe Mächte einordnet. Die Trauerfeierlichkeiten selbst waren nach Beobachtungen des ZDF-Reporters Jörg Brase "extrem anti-amerikanisch" geprägt.
Hintergrund: Chameneis Tod und die Vorgeschichte
Hintergrund der Eskalation ist ein israelischer Luftangriff, bei dem Ali Chamenei am 28. Juni getötet worden sein soll. Laut US-Medienberichten war er nach dem Angriff verletzt; das iranische Staatsfernsehen hatte ihn bereits vor Monaten als "Kriegsversehrten" bezeichnet, ohne Einzelheiten zu nennen. Mehr als fünf Wochen führten die USA und Israel nach dem 28. Juni gemeinsame Operationen gegen iranische Ziele durch.
Die Reaktion aus Washington folgte prompt und in scharfem Ton. US-Präsident Donald Trump erklärte am Freitag, "1000 Raketen sind scharf gemacht und auf die Islamische Republik Iran gerichtet". Zugleich drohte er dem Iran für den Fall eines Mordanschlags auf ihn mit "vollständiger" Vernichtung. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb Trump: "Das US-Militär ist bereit, willens und in der Lage, über einen Zeitraum von einem Jahr - mit der Option auf Verlängerung - sämtliche Gebiete des Iran vollständig zu zerstören."
Trumps Drohungen an die Adresse Teherans
Trump fügte hinzu, "Und Tausende weitere würden unmittelbar folgen, sollte die iranische Regierung ihre weltweit geäußerte Drohung wahr machen, den amtierenden Präsidenten der USA - in diesem Fall mich! - zu ermorden oder einen entsprechenden Versuch zu unternehmen." Die entsprechenden Befehle seien bereits erteilt worden, erklärte der US-Präsident weiter.
Die iranische Mitteilung hob zugleich hervor, dass die angekündigte Vergeltung nicht an einzelne Personen gebunden sei. "Diese Angelegenheit hängt weder von meiner persönlichen Existenz noch von der anderer Amtsträger ab. Ob wir nun da sind oder nicht, sie wird geschehen." Diese Formulierung deutet darauf hin, dass die iranische Führung die Rache als institutionellen Auftrag versteht, der über die aktuelle Personengeneration hinaus Bestand haben soll.
Modschtaba Chamenei und die Frage der Nachfolge
Unklar bleibt der Gesundheitszustand von Modschtaba Chamenei selbst. Seit seiner Ernennung zum neuen obersten Führer vor mehr als vier Monaten ist er nicht öffentlich in Erscheinung getreten. Das iranische Staatsfernsehen hatte zuvor bereits Spekulationen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst, ohne diese zu bestätigen.
Die Lage in der Region hat sich parallel weiter zugespitzt. Nach Berichten über Attacken auf Kuwait und Bahrain und einen Zusammenbruch des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus hatte Trump ein Rahmenabkommen mit dem Iran bereits als gescheitert erklärt. Teheran attackierte daraufhin US-Militärbasen, die USA griffen Ziele in Iran an. Die Spirale der gegenseitigen Angriffe hält damit unvermindert an.
Eskalation in der Region: Hormus und Militärbasen
Internationale Beobachter werten die Wortwahl der iranischen Erklärung als bewusste Eskalation. Die Bezugnahme auf "beide Kriege" gegen Israel und die USA sowie die Betonung der "Märtyrer" verweist auf eine ideologische Rahmung, die über taktische Erwägungen hinausgeht. Die iranische Führung positioniert sich damit als Verteidigerin einer breiteren Achse des Widerstands.
Die Drohungen Trumps wiederum bewegen sich auf einem Niveau, das in der jüngeren US-Außenpolitik selten öffentlich formuliert wurde. Die Erwähnung eines Zeitraums von einem Jahr mit Verlängerungsoption sowie die Bezugnahme auf "Tausende" weiterer Vergeltungsschläge signalisieren eine langfristige militärische Planung. Beide Seiten haben damit rhetorisch die Schwelle zu einem umfassenden Konflikt überschritten.
Die kommenden Tage gelten als entscheidend dafür, ob die angekündigte Vergeltung in konkrete militärische Schritte mündet oder ob diplomatische Kanäle – sofern noch vorhanden – eine Deeskalation ermöglichen. Beobachter verweisen darauf, dass die Straße von Hormus als zentrale Energiedrehscheibe ohnehin bereits unter Druck steht und ein weiterer Anstieg der Spannungen unmittelbare wirtschaftliche Folgen hätte.
Internationale Reaktionen und Ausblick
Die Berichterstattung über die Trauerfeierlichkeiten zeigt zudem, dass die öffentliche Stimmung im Iran von einer anti-amerikanischen Grundierung geprägt ist. Diese Stimmung könnte der Führung als innenpolitische Legitimation für eine harte Linie dienen. Gleichzeitig birgt sie das Risiko, dass eine Vergeltungsoperation als unausweichlich dargestellt wird, bevor diplomatische Alternativen ausgeschöpft sind.
Die internationale Gemeinschaft steht vor der Frage, wie sie auf die gegenseitigen Drohungen reagieren soll. Während die USA und Israel ihre militärische Präsenz in der Region verstärkt haben, fehlt bislang eine einheitliche Position der europäischen Staaten. Die Vereinten Nationen haben sich bisher nicht öffentlich positioniert.
Insgesamt verdeutlicht die Lage, dass sich der Konflikt zwischen Iran einerseits und den USA sowie Israel andererseits in eine Phase begeben hat, in der beide Seiten Vergeltung als politisches Instrument einsetzen. Die Sprache auf beiden Seiten lässt wenig Raum für Vermittlung und deutet auf eine Fortsetzung der militärischen Auseinandersetzung hin.
Die Entwicklungen der kommenden Woche werden zeigen, ob die iranische Führung ihre Ankündigung in die Tat umsetzt oder ob die Drohkulisse beidseitig als Verhandlungsmasse dient. Beobachter rechnen damit, dass die kommenden Tage Klarheit über das weitere Vorgehen bringen werden.
Fragen & Antworten
Wer ist Modschtaba Chamenei und welche Rolle spielt er?
Modschtaba Chamenei ist der Sohn des getöteten Ayatollah Ali Chamenei und wurde vor mehr als vier Monaten zum neuen obersten Führer Irans ernannt. Ihm wird die im Staatsfernsehen verlesene Erklärung zugeschrieben, in der Rache für den Tod seines Vaters angekündigt wird.
Wann und wie kam Ayatollah Ali Chamenei ums Leben?
Ayatollah Ali Chamenei wurde laut US-Medienberichten bei einem israelischen Luftangriff am 28. Juni verletzt und ist in der Folge gestorben. Das iranische Staatsfernsehen hatte ihn zuvor als "Kriegsversehrten" bezeichnet, ohne Einzelheiten zu nennen.
Was hat US-Präsident Trump dem Iran angedroht?
US-Präsident Donald Trump erklärte, 1000 Raketen seien auf Iran gerichtet, und drohte für den Fall eines Mordanschlags auf ihn mit der "vollständigen" Vernichtung des Iran über einen Zeitraum von einem Jahr. Die entsprechenden militärischen Befehle seien bereits erteilt worden.