Iranischer Drohnenangriff auf Flughafen Kuwait: Ein Toter und 63 Verletzte
Kuwait-Stadt, 03 Juni 2026
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Kurzfassung
Beim iranischen Drohnenangriff auf den Flughafen in Kuwait wurde ein Mensch getötet und 63 weitere verletzt. Der Angriff erfolgte trotz einer Waffenruhe zwischen Iran und den USA und war Teil einer Vergeltungswelle nach US-Angriffen auf iranische Ziele.
Kuwait-Stadt, 03 Juni 2026
Ein iranischer Drohnenangriff auf den internationalen Flughafen von Kuwait hat am Mittwochmorgen mindestens einen Toten und 63 Verletzte gefordert, darunter Reisende, Flughafenmitarbeiter und Zivilisten.
Der Angriff ereignete sich am 1. Juni 2026 in den frühen Morgenstunden, als Luftschutzsirenen in Kuwait ertönten. Nach Angaben der kuwaitischen Armee feuerte Iran seit Tagesanbruch 13 ballistische Raketen und 17 Drohnen auf das Emirat. Das kuwaitische Verteidigungsministerium sprach von einer "kriminellen iranischen Aggression".
Nach offiziellen Angaben wurde das Passagierterminal T1 des Flughafens erheblich beschädigt. Bilder nach dem Angriff zeigten eine zerstörte Abflughalle, dichten Rauch und Feuer. Auch diplomatische Vertretungen in der Nähe des Flughafens wurden in Mitleidenschaft gezogen.
Angriff und Opfer
Bei dem Todesopfer handelt es sich nach Angaben der indischen Botschaft um einen indischen Staatsangehörigen. Unter den 63 Verletzungen befinden sich nach Angaben eines Sprecher des kuwaitischen Gesundheitsministeriums schwere Verletzungen, darunter Kopfverletzungen, Hirnblutungen, Amputationen und Verletzungen infolge von Explosionen. Sieben Verletzte mussten sich bisher Notoperationen unterziehen.
Das iranische Regime hatte die Angriffe zuvor angekündigt und die Verantwortung übernommen. Die Revolutionsgarden erklärten auf Telegram, sie heden den Ali-al-Salem-Luftwaffenstützpunkt in Kuwait, auf dem Hubschrauber stationiert sind, sowie das Hauptquartier der Fünften US-Flotte in Bahrain mit Raketen und Drohnen ins Visier genommen. Der Ali-al-Salem-Stützpunkt liegt etwa 60 Kilometer vom Flughafen entfernt.
Nach Darstellung des US-Militärs schlugen die iranischen Angriffe jedoch fehl. Demnach verfehlten zwei auf Kuwait abgefeuerte Raketen ihr Ziel oder zerbrachen während des Fluges, und drei auf Bahrain abgefeuerte Raketen wurden von der Flugabwehr der USA und Bahrains abgefangen. Auch eine Welle iranischer Drohnen sei abgewehrt worden. Es wurde kein US-Personal verletzt.
Die iranische Seite begründete die Angriffe als Vergeltung. Hintergrund war ein US-Angriff auf einen unbeladenen Öltanker nahe der iranischen Insel Kharg, die für Irans Ölexport von zentraler Bedeutung ist. Dieser soll versucht haben, trotz der US-Blockade einen iranischen Hafen anzulaufen. Das Schiff habe Warnungen ignoriert und sei letztlich mit einer Rakete außer Gefecht gesetzt worden.
Hintergründe der Vergeltung
Darüber hinaus führten die USA einen Selbstverteidigungsschlag auf der iranischen Insel Qeshm in der Straße von Hormus durch. Als Reaktion habe man zudem "Selbstverteidigungsschläge" auf Qeshm durchgeführt. Die USA wiesen die iranischen Angaben zurück, wonach Ziele in Kuwait und Bahrain erfolgreich getroffen worden seien.
Die Angriffe erfolgten trotz einer Waffenruhe zwischen Iran und den USA, die seit dem 8. April in Kraft ist. Vertreter beider Seiten werfen sich gegenseitig vor, die Waffenruhe zu verletzen. Gespräche über eine Verlängerung der Waffenruhe oder ein definitives Ende der Kämpfe haben bisher keinen Durchbruch gebracht.
Ziel der iranischen Angriffe waren nach Angaben aus Teheran US-Militärstützpunkte in den Staaten am Persischen Golf. Die USA und ihre Verbündeten stationieren in Kuwait und Bahrain große Militäreinrichtungen. Das iranische Außenministerium wies die Verantwortung für die Angriffe zurück und warf Kuwait und Bahrain die "direkte und unmissverständliche Verantwortung" für US-Angriffe auf Iran vor.
Am Flughafen in Kuwaits Hauptstadt wurden mehrere Menschen verletzt, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums mitteilte. Iranische Raketen und Drohnen hätten das Flughafengebäude getroffen und mehrere Einrichtungen beschädigt, teilte die Behörde der Staatsagentur Kuna zufolge mit. Zwei Dutzend Krankenwagen wurden zur Versorgung der Opfer und zum Transport in Krankenhäuser eingesetzt.
Diplomatische Reaktionen
Kuwait reagierte mit scharfen diplomatischen Maßnahmen. Das Außenministerium erklärte zwei iranische Diplomaten zu unerwünschten Personen und ordnete an, dass diese das Land innerhalb von 24 Stunden verlassen müssen. Zudem werde die Zahl der Mitarbeiter der iranischen Botschaft im Emirat reduziert, hieß es. Der amtierende Geschäftsträger der iranischen Botschaft wurde ins Außenministerium einbestellt und erhielt eine formale Protestnote.
Der kommerzielle Flugverkehr am Flughafen wurde zeitweise vollständig eingestellt. Alle für den Mittwoch geplanten Flüge wurden gestrichen oder auf andere Flughäfen umgeleitet. Nach mehreren Stunden nahm der Flughafen den Betrieb teilweise wieder auf, zunächst allerdings nur von Terminal 4 aus. Der Chef von Kuwait Airways, Abdelmohsen al-Fakan, kündigte an, der Flughafen werde "sehr bald" vollständig öffnen und alle Flüge würden wieder normal verkehren.
Am Flughafen selbst war ein Notfallplan aktiviert worden. Der Flughafen war bereits mehrfach im Verlauf des Iran-Krieges angegriffen worden und hatte erst am Montag seinen Betrieb vollständig wieder aufgenommen. Der Luftverkehr im Nahen Osten ist seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar stark eingeschränkt.
Stockende Verhandlungen
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag ungeachtet gegenteiliger Aussagen aus dem Iran bekräftigt, dass die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran zum Iran-Krieg andauern. Trump schrieb auf Truth Social, Berichte, wonach die Gespräche eingestellt worden seien, seien "falsch und irreführend". Er habe dem Iran gesagt, es sei an der Zeit, auf die eine oder andere Weise einen Deal abzuschließen.
Die iranische Nachrichtenagentur Fars, die den Revolutionsgarden nahesteht, meldete hingegen, es fänden seit mehreren Tagen keine Gespräche zwischen Teheran und Washington statt. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete am Montag unter Berufung auf israelische Angriffe im Libanon gegen die pro-iranische Hisbollah-Miliz ebenfalls das Ende indirekter Verhandlungen.
Der iranische Militärsprecher bestätigte auf der Plattform X Vergeltungsschläge durch die Revolutionsgarden. Jede Bedrohung der Sicherheit der Straße von Hormus werde das US-Militär "teuer zu stehen kommen". Mohsen Rezai, Militärberater des iranischen Obersten Führers, drohte auf X mit weiteren Angriffen: "Jeder abgefeuerte Schuss und jeder Angriff wird mit einer Flut von Raketen und Drohnen beantwortet werden. Der Aggressor wird umgehend bestraft werden."
Die Straße von Hormus, die als Exportroute für Dünger, Öl und Flüssiggas für die Weltwirtschaft von großer Bedeutung ist, wurde kurz nach Kriegsbeginn von iranischen Kräften kontrolliert. Die USA haben eine Seeblockade verhängt, um den iranischen Ölexport zu unterbinden, und drängen auf eine uneingeschränkte Wiedereröffnung der Meerenge.
Internationale Reaktionen
Die Bundesregierung verurteilte die iranischen Angriffe auf Kuwait und Bahrain scharf. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts erklärte: "Angriffe auf Unbeteiligte und insbesondere auf zivile Infrastruktur seien in keiner Weise hinnehmbar und müssten sofort eingestellt werden." Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) bezeichnete die Angriffe als gegen den Friedensprozess und gegen unbeteiligte Dritte gerichtet.
Der ältere Diplomat der Vereinigten Arabischen Emirate, Anwar Gargash, rief die Golfstaaten zu einer geschlossenen Haltung gegenüber Iran auf. "Diese Aggression richtet sich nicht gegen einen bestimmten Staat, sondern gegen uns alle." Die kuwaitische Luftabwehr habe nach Armeeangaben mehrere Projektile abgefangen.
Unterdessen kündigte Trump am Mittwoch an, er könne sich ein Treffen mit dem iranischen Staatsoberhaupt Mojtaba Khamenei vorstellen, falls die Verhandlungen erfolgreich seien. Am Montag hatte Trump ein Ende der Kämpfe im Libanon angekröntigt. Heute sollen die politischen Gespräche zwischen Vertretern Israels und des Libanons in der US-Hauptstadt Washington fortgesetzt werden.
Iran hatte von Beginn der Verhandlungen an darauf bestanden, dass eine Waffenruhe mit den USA auch ein Ende der Kämpfe im Libanon einschließen müsse. Israel hatte seine Angriffe im nördlichen Libanon in der vergangenen Woche ausgeweitet. Nach einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu am Montag hatte Trump angekündigt, Israel werde von Angriffen auf Beirut absehen und die Hisbollah werde Angriffe auf Israel einstellen.
Diese Nachricht wurde am 03.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Angaben des US-Militärs zu den Ereignissen der Nacht ließen sich zunächst unabhängig überprüfen. Die Berichterstattung basiert auf Quellen der dpa (Deutsche Presse-Agentur).
Fragen & Antworten
Wer hat den Angriff auf den Flughafen in Kuwait zu verantworten?
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten den Flughafen in Kuwait mit Drohnen angegriffen. Die kuwaitische Armee sprach von einer "kriminellen iranischen Aggression".
Wie viele Menschen wurden bei dem Angriff verletzt?
Nach Angaben des kuwaitischen Gesundheitsministeriums wurde ein Mensch getötet, ein indischer Staatsangehöriger, und 63 weitere Personen wurden verletzt, darunter Reisende, Flughafenmitarbeiter und Zivilisten.
Wie reagierten die USA und Kuwait auf den Angriff?
Die USA wiesen die iranischen Angaben über erfolgreiche Angriffe zurück und sprachen von abgewehrten Attacken. Kuwait erklärte zwei iranische Diplomaten zu unerwünschten Personen und ordnete deren Ausreise innerhalb von 24 Stunden an.