Canberra, 06 August 2026

Die iranischen Fußballerinnen Fatemeh Pasandideh (22) und Atefeh Ramezanisadeh (34), die während des Asien Cups in Australien Asyl beantragt hatten, sind australischen Medienberichten zufolge eingebürgert worden.

Die beiden Sportlerinnen hatten den iranischen Verband und das Turnier in Australien zum Anlass genommen, in dem Land einen Asylantrag zu stellen. Hintergrund war nach Berichten australischer Medien ein stiller Protest gegen die Vorgaben im Iran, die Frauen das Fußballspielen unter freiem Himmel und ohne strenge Kleidungsvorschriften verbieten.

Hintergrund des Protests

Nach ihrer Ankunft in Australien wurden die Spielerinnen zunächst vom Fußballverband und von Behörden unterstützt. Sie schlossen sich dem Verein Brisbane Roar an und konnten dort schrittweise in den Trainings- und Spielbetrieb integriert werden, während ihre Asylverfahren liefen.

Wie mehrere australische Medien übereinstimmend berichten, sind Pasandideh und Ramezanisadeh nun eingebürgert worden. Damit haben sie einen dauerhaften Aufenthaltsstatus in dem Land erhalten, das ihnen während des Turniers Schutz geboten hatte.

Aufnahme beim Brisbane Roar

Tony Burke habe den Schritt demnach begrüßt und die Einbürgerung als positives Signal für Menschen gewertet, die in ihrer Heimat verfolgt würden. Eine offizielle Stellungnahme der Regierung dazu lag zunächst nicht vor.

Für die Spielerinnen bedeutet die Einbürgerung auch sportlich eine wichtige Weichenstellung. Als australische Staatsbürgerinnen können sie künftig ohne Einschränkungen an Wettbewerben teilnehmen und müssen keine Hürden durch befristete Visa mehr befürchten.

Der Brisbane Roar teilte mit, man sei stolz, dass die beiden Spielerinnen den Weg in die Mannschaft gefunden hätten und nun auch formal in Australien angekommen seien. Trainer und Teamkollegen hätten den Integrationsprozess in den vergangenen Monaten aktiv begleitet.

Politischer Kontext im Iran

Mit der Einbürgerung endet ein Kapitel, das im Iran und in der internationalen Sportöffentlichkeit für Aufmerksamkeit gesorgt hatte. Frauenfußball ist in der Islamischen Republik ein politisch sensibles Thema; Spielerinnen berichten seit Jahren über Einschränkungen bei Training, Wettkampf und öffentlicher Kleidung.

Die Geschichte von Pasandideh und Ramezanisadeh wird in Australien auch als Beispiel für die Schutzfunktion des Asylrechts bei internationalen Sportveranstaltungen gesehen. Beobachter werten den Fall als Zeichen dafür, dass Sportlerinnen aus Ländern mit rigiden Geschlechterregeln zunehmend Wege suchen, ihrer Karriere anderswo nachzugehen.

Unklar blieb zunächst, ob die Spielerinnen die iranische Staatsbürgerschaft aufgegeben haben oder ob Australien eine doppelte Staatsbürgerschaft anerkennt. Die iranische Regierung hat sich zu den Einbürgerungen bisher nicht öffentlich geäußert.

Offene Fragen zur Nationalmannschaft

Beide Fußballerinnen hatten in Interviews geschildert, dass ihnen das Spielen unter den Bedingungen in Iran unmöglich gemacht worden sei. Sie hatten daher während des Asien Cups, der Frauen-Mannschaften aus der Region zusammenbringt, den Entschluss gefasst, in Australien zu bleiben.

Mit der australischen Staatsbürgerschaft können Pasandideh und Ramezanisadeh nun langfristig planen, sowohl sportlich als auch privat. Offen ist, ob sie künftig auch für die australische Nationalmannschaft spielen werden – eine Entscheidung darüber wäre Sache des australischen Verbandes.

Für den iranischen Frauenfußball markiert der Fall einen weiteren Aderlass an Talenten, die dem Land aufgrund der politischen Rahmenbedingungen verloren gehen. Menschenrechtsorganisationen hatten wiederholt auf die Situation von Sportlerinnen im Iran hingewiesen.