Huthi-Blockade am Bab al-Mandab verschärft Risiko eines doppelten Engpasses für Welthandel
Sanaa, 22 Juli 2026
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Kurzfassung
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat am Bab al-Mandab eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt, während die Straße von Hormus bereits weitgehend blockiert ist. Datenanbieter Kpler warnt vor einem doppelten Engpass, Schiffe weichen auf den teuren Weg um das Kap der Guten Hoffnung aus.
Sanaa, 22 Juli 2026
Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz hat am Bab al-Mandab eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt, während der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus nach Angaben des Datenanbieters Kpler am Dienstag im Vergleich zum Vortag um 31 Prozent eingebrochen ist.
Hintergrund: Die Meerenge Bab al-Mandab
Die Meerenge Bab al-Mandab, deren Name übersetzt "Tor der Tränen" oder "Tor der Klagen" bedeutet, liegt vor der Küste des Jemens im Westen der Arabischen Halbinsel. Sie verbindet die Seeroute von Asien über den Suezkanal mit Europa und gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit. In den vergangenen Tagen hat die Meerenge als alternative Route für die Straße von Hormus an Bedeutung gewonnen, insbesondere für saudiarabische Ölexporte.
Nach Drohungen der Huthi-Miliz kehrten nach Angaben von Kpler mindestens vier Schiffe im Golf von Aden um, der zum Bab al-Mandab führt. Der Datenanbieter Windward meldete, dass fünf Schiffe im Gebiet den Kurs geändert hätten und die Meerenge als "risk zone" eingestuft werde. Kpler erklärte, das Vertrauen in den Schiffsbetrieb in beiden Meerengen stehe "under pressure".
Auswirkungen auf den Schiffsverkehr
Die Miliz selbst behauptet, sechs Schiffe zur Umkehr gezwungen zu haben. Eine unabhängige Bestätigung für diese Darstellung gibt es nicht. Einige Schiffe setzten ihre Fahrt durch die Meerenge dennoch fort, wie aus den Daten hervorgeht. Die Huthi-Miliz hat zudem angekündigt, jedes Schiff, das dennoch passieren wolle, müsse mit Angriffen rechnen.
Wirtschaftliche Folgen zeichnen sich bereits ab: Schiffe, die die Meerenge umgehen wollen, müssen einen langen und teuren Umweg um das Kap der Guten Hoffnung vor Südafrika in Kauf nehmen. Laut Windward kostet diese Umleitung pro Reise rund zwei Millionen US-Dollar zusätzlich. Diese Route war bereits nach den Huthi-Angriffen im Roten Meer ab 2023 von großen Reedern genutzt worden, was den Welthandel erheblich beeinträchtigte.
Datenanalyse: Risiko eines doppelten Engpasses
Der Datenanbieter Kpler berichtete am Tag der Berichterstattung, dass das Risiko eines "doppelten Engpasses" für den Schiffsverkehr in beiden Seerouten steige. "An beiden Meerengen sei der Verkehr am Dienstag deutlich zurückgegangen", hieß es von Kpler. "Laut dem Datenanbieter Kpler ist der Schiffsbetrieb sowohl an der Straße von Hormus als auch bei Bab al-Mandab gestern deutlich zurückgegangen." Die Straße von Hormus, die im Osten der Arabischen Halbinsel liegt, ist nach Einschätzung des Datenanbieters bereits "so gut wie unpassierbar".
Die Huthi-Miliz kontrolliert im Jemen vor allem den Norden und weite Teile der westlichen Küste am Roten Meer. Sie ist mit dem Iran verbündet und wird als Stellvertretergruppe Teherans beschrieben. Die USA haben ihre Angriffe auf Iran in den vergangenen Tagen verstärkt. Die Huthis führen mit Saudi-Arabien seit mehr als zehn Jahren Krieg und haben bereits Anfang 2023 mit Angriffen im Roten Meer – damals im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg und zur Unterstützung der Palästinenser – den Welthandel massiv beeinträchtigt.
Expertinnen und Experten zur Lage
Die österreichische Nahost-Expertin Gudrun Harrer ordnete die Lage als inner-jemenitischen Konflikt ein, der auf die ganze Region ausstrahle. "Es ist eine Art inoffizieller Eintritt in den laufenden Golfkonflikt", sagte Harrer. Die Blockade sei eine Machtdemonstration der Huthis, um ihre Herrschaft in den von ihnen kontrollierten Teilen des Jemens weiter zu festigen. "Die Huthis haben Teile der jemenitischen Armee übernommen und sind hochgerüstet", erklärte die Expertin weiter. Sie warnte zugleich: "Das sind ungeheure Kosten. Das sind auch Kosten für die Ärmsten, nicht nur für uns, weil wir mehr Geld fürs Benzin bezahlen müssen, sondern lebenswichtige Güter und Nahrungsmittel für die Welt wären betroffen."
Harrer verwies zudem auf die begrenzten militärischen Kapazitäten der USA. "Laut Gudrun Harrer dürfte es für die USA gar nicht so einfach sein, «sich um die Sache zu kümmern.» Denn die USA verfügten nicht über unendliche militärische Ressourcen." Dr. Jens Heibach vom GIGA Institut Hamburg analysierte ebenfalls die Hintergründe des Konflikts. Die Sendung ZDFheute live befasste sich mit der Frage, wie die Huthis Irans Macht demonstrieren; ZDF-Korrespondentin Golineh Atai erklärte dies im Gespräch mit Christian Hoch.
Auslöser: Angriff auf den Flughafen Sanaa
Die Huthi-Miliz hatte vergangene Woche den Flughafen von Sanaa angegriffen, um die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern. "Ein Waffenstillstand zwischen den Konfliktparteien aus dem Jahr 2022 hielt jedoch bis zur vergangenen Woche, als die international anerkannte Regierung des Jemens den Flughafen von Sanaa angriff, um die Landung eines iranischen Flugzeugs zu verhindern." Die Huthis machten Saudi-Arabien dafür verantwortlich und feuerten daraufhin Raketen auf den Flughafen Abha im Südwesten des Königreichs. Anschließend verkündeten sie eine Blockade für saudische Schiffe.
Internationale Reaktionen
US-Präsident Donald Trump sagte in Washington während eines Treffens mit Libanons Präsident Joseph Aoun im Weißen Haus, dass es in der Region bisher keine Blockade der Miliz gegeben habe. "Wir haben länger nichts von ihnen gehört", sagte Trump. Die USA seien zuvor schon "energisch" gegen die Huthis vorgegangen, sagte Trump mit Verweis auf US-Luftangriffe im Jemen im vergangenen Jahr. "Sollten die Huthis als Stellvertretergruppe Teherans die Blockade nun wirklich durchsetzen, droht US-Präsident Trump mit Konsequenzen."
Auch Pakistan, das als Atommacht enger Militärpartner Saudi-Arabiens ist, schaltete sich ein. "Eigene pakistanische Interessen könnten im Sinne des Bündnisses zwischen Pakistan und Saudi-Arabien auch bei einem Angriff auf das Königreich als verletzt gelten." Pakistan droht den Huthis nun mit einem Militäreinsatz. "Der Stellungnahme der Atommacht zufolge verurteilt das Land die Drohungen der Terrormiliz gegenüber Saudi-Arabien." Saudi-Arabien ist enger Partner der USA.
Ausblick auf die kommenden Tage
Die internationale Besorgnis über die Entwicklungen an beiden Meerengen wächst. Harrer warnte, dass eine Unterbrechung des Handels sowohl am Golf als auch auf der Südseite des Roten Meeres eine Katastrophe mit enormen Kosten und Auswirkungen auf lebenswichtige Güter und Nahrungsmittel weltweit wäre. Der Status der Straße von Hormus, an der es im Iran-Krieg wiederholt zu Angriffen auf Öltanker und andere Handelsschiffe kam, steht seit Monaten im Fokus.
Der Artikel wurde von dpa-AFX verfasst und trägt den Dateline Sanaa, der Hauptstadt des Jemens. Beide Faktoren – die zunehmende Blockade am Bab al-Mandab und die anhaltende Blockade in der Straße von Hormus – lassen laut den verfügbaren Daten die Gefahr einer ernsten Störung der globalen Lieferketten steigen. Die kommenden Tage werden zeigen, ob die diplomatischen und militärischen Drohungen der USA und Pakistans Wirkung zeigen oder ob die Blockade tatsächlich den internationalen Schiffsverkehr weiter lähmen wird.
Fragen & Antworten
Was ist die Meerenge Bab al-Mandab und warum ist sie so wichtig?
Das Bab al-Mandab ist eine Meerenge vor der Küste des Jemens, die Asien über das Rote Meer und den Suezkanal mit Europa verbindet. Sie gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten weltweit und ist besonders für saudiarabische Ölexporte von Bedeutung.
Wie haben die Huthis auf die Drohungen reagiert?
Die Huthi-Miliz hat nach Drohungen gegen Saudi-Arabien eine Seeblockade am Bab al-Mandab verhängt und Raketen auf den Flughafen Abha im Südwesten Saudi-Arabiens abgefeuert. Nach Angaben von Kpler kehrten mindestens vier Schiffe im Golf von Aden um.
Welche internationalen Reaktionen gibt es auf die Blockade?
US-Präsident Donald Trump drohte mit Konsequenzen, sollte die Blockade durchgesetzt werden. Pakistan, ein enger Militärpartner Saudi-Arabiens und Atommacht, verurteilte die Drohungen der Huthis und drohte ebenfalls mit einem Militäreinsatz.
Bab al-Mandab: Huthi-Blockade bedroht Welthandel | nachrichten360