Hunderte Berliner Lehrkräfte fallen dauerhaft wegen Krankheit aus
Berlin, 09 August 2026
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Kurzfassung
In Berlin sind Hunderte Lehrkräfte dauerhaft krankheitsbedingt ausgefallen und können nicht mehr im Unterricht eingesetzt werden. Betroffene können laut Senatsverwaltung in Projekten zur beruflichen Neuorientierung anderweitig verwendet werden. Die Ausfälle verschärfen den ohnehin angespannten Lehrkräftemangel in der Hauptstadt.
Berlin, 09 August 2026
In Berlin sind nach Senatsangaben Hunderte Lehrkräfte dauerhaft krankheitsbedingt ausgefallen und können nicht mehr im Schuldienst eingesetzt werden.
In Berlin sind nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung Hunderte Lehrkräfte dauerhaft krankheitsbedingt ausgefallen und können nicht mehr im Unterricht eingesetzt werden. Betroffene könnten stattdessen im Projekt der beruflichen Neuorientierung über eine "amtsangemessene anderweitige Verwendung" tätig werden, wie aus einer Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Alexander King hervorgeht, über die die Berliner Morgenpost und der RBB berichteten.
Antwort der Senatsverwaltung
Kann eine betroffene Person nicht mehr als Lehrkraft arbeiten, aber andere Tätigkeiten übernehmen, "kann ein Einsatz im Projekt der beruflichen Neuorientierung durch amtsangemessene anderweitige Verwendung erfolgen". Das geht aus der zitierten Senatsantwort hervor, die von der Deutschen Presse-Agentur, dem RBB und der Berliner Morgenpost aufgegriffen wurde.
Die genauen Fallzahlen nennt die Senatsverwaltung in der vorliegenden Antwort nicht. Aus den Angaben der Verwaltung geht lediglich hervor, dass es sich um mehrere Hundert Personen handelt, die nicht mehr an Schulen unterrichten. Berlin hat nach Statistikangaben rund 35.000 Lehrkräfte im Schuldienst.
Die Bezirke registrieren den Krankenstand ihrer Lehrkräfte über das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Dort werden die Fälle erfasst, in denen Beschäftigte dauerhaft nicht mehr im Unterricht einsetzbar sind. Die Senatsverwaltung verweist in solchen Fällen auf das Neuorientierungsprojekt als Instrument, um die Betroffenen im öffentlichen Dienst zu halten.
Auswirkungen auf die Schulen
Die dauerhaften Ausfälle treffen auf einen ohnehin angespannten Personalmarkt: Schon zuvor hatte Berlin Schwierigkeiten, ausreichend qualifizierte Lehrkräfte zu finden. Der Wegfall von Hunderten Unterrichtenden verschärft die Lage an den Schulen und führt dazu, dass mehr Unterricht ausfallen muss oder durch Vertretungen aufgefangen werden muss.
SPD-Abgeordneter Alexander King hatte die Daten zu den dauerhaft erkrankten Lehrkräften bei der Senatsverwaltung erfragt. Mit der Antwort liegen nun erstmals öffentliche Angaben zu dem Phänomen vor, das zuvor nur in internen Statistiken auftauchte. King bewertet die Entwicklung als besorgniserregend.
Die Berliner Morgenpost und der RBB hatten zuvor über ähnliche Fälle in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Tempelhof-Schöneberg berichtet. In diesen Bezirken war aufgefallen, dass überdurchschnittlich viele Lehrkräfte langfristig erkrankten und nicht mehr in den Klassenraum zurückkehrten.
Hintergründe und Forderungen
Die Senatsverwaltung kündigte an, das Projekt der beruflichen Neuorientierung weiter auszubauen. Ziel sei es, den Betroffenen eine Perspektive innerhalb des öffentlichen Dienstes zu bieten und gleichzeitig die Kosten für lange Krankschreibungen zu begrenzen. Gleichzeitig sucht der Senat weiter nach Wegen, neue Lehrkräfte für Berlin zu gewinnen.
Lehrerverbände hatten zuletzt mehrfach auf die Belastungen im Schulalltag hingewiesen. Hohe Klassenstärken, bürokratische Zusatzaufgaben und ein wachsender Anteil an integrationsbedürftigen Schülerinnen und Schülern gelten als mögliche Auslöser für die Zunahme dauerhafter Erkrankungen.
Die Opposition im Abgeordnetenhaus fordert eine systematische Auswertung der Krankheitsursachen. Nur so lasse sich feststellen, welche Schulen besonders betroffen seien und welche Maßnahmen zur Prävention und Unterstützung der Lehrkräfte greifen könnten, hieß es aus Kreisen der Abgeordneten.
Bildungsexperten warnen, dass die Ausfälle kurzfristig kaum aufzufangen seien. Solange nicht genügend neue Lehrkräfte ausgebildet oder aus anderen Bundesländern angeworben werden könnten, bleibe das Projekt der beruflichen Neuorientierung nur ein Notbehelf für die Betroffenen.
Die Senatsverwaltung will den Fortgang des Neuorientierungsprojekts in den kommenden Monaten weiter evaluieren. Dabei soll auch geprüft werden, wie viele der umgesetzten Lehrkräfte langfristig im öffentlichen Dienst verbleiben und welche Tätigkeiten sie konkret übernehmen.
Die Opposition kündigte eine weitere Befragung der Senatsverwaltung im Bildungsausschuss an. Ziel sei es, die genauen Zahlen, die Verteilung auf die Bezirke und die Hintergründe der Erkrankungen offenzulegen.
Die Entwicklung verdeutlicht die strukturellen Probleme des Berliner Schulsystems: Überlastete Lehrkräfte, hoher Krankenstand und ein chronischer Personalmangel treffen zusammen und gefährden die Unterrichtsversorgung.
Fragen & Antworten
Wie viele Lehrkräfte sind in Berlin dauerhaft krankheitsbedingt ausgefallen?
Nach Senatsangaben handelt es sich um mehrere Hundert Lehrkräfte; eine genaue Zahl wurde in der vorliegenden Antwort nicht genannt.
Was passiert mit den betroffenen Lehrkräften?
Wer nicht mehr unterrichten kann, aber andere Tätigkeiten ausüben kann, soll im Projekt der beruflichen Neuorientierung "amtsangemessen anderweitig verwendet" werden.
Wer hat die Daten zu den dauerhaften Ausfällen öffentlich gemacht?
Der SPD-Abgeordnete Alexander King erfragte die Zahlen bei der Senatsverwaltung; darüber berichteten die Berliner Morgenpost, der RBB und die Deutsche Presse-Agentur.