Höhlen-Drama in Laos: Vier weitere Goldsucher befreien sich selbst
Vientiane, 31. Mai 2026
Basile Morin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Vier seit Tagen in einer überfluteten Höhle in Laos eingeschlossene Goldsucher haben sich am Samstag selbst befreit. Zuvor war bereits ein Mann gerettet worden, zwei weitere werden noch vermisst.
Vier Goldsucher, die nach heftigen Monsunregenfällen in einer Höhle in der laotischen Provinz Xaysomboun eingeschlossen waren, haben sich am Samstag aus eigener Kraft aus der mehrere hundert Meter tiefen Höhle befreit.
Die Männer kamen am Nachmittag (Ortszeit) aus dem Berg, wie der an der Rettungsmission beteiligte australische Höhlentaucher Josh Richards der Deutschen Presse-Agentur (DPA) und dem US-Sender CNN bestätigte. Ein Video, das der DPA vorliegt, zeigt die völlig erschöpften, aber aufrecht gehenden Männer, wie sie unter dem Jubel der Helfer nacheinander aus dem Höhleneingang treten.
Richards sagte: „Ich wollte gerade wieder in die Höhle hineingehen, als sie da plötzlich rauskamen." Er fügte hinzu: „Sie haben es ganz allein gemacht – wir waren gerade Wasser am Abpumpen und vor der Höhle." Die vier Männer seien umgehend von Ärzten untersucht worden.
Bereits am Freitagabend war ein Goldsucher namens Mued von Rettungskräften aus der Höhle geholt und mit einem Krankenwagen abtransportiert worden. Ein von CNN verbreitetes Video zeigte, wie der schlammbedeckte Mann, gestützt von Helfern, langsam aus dem Berg ging. Beim Herauskommen rief er: „Ich bin okay!"
Zehn Tage in der Falle
Damit sind nun fünf der ursprünglich sieben in der Höhle eingeschlossenen Goldsucher in Sicherheit. Zwei weitere Männer werden jedoch weiterhin vermisst. Die Hoffnung, sie lebend zu finden, gilt als gering.
Die Gruppe war vor etwa zehn Tagen in die Höhle gegangen, um nach Gold zu suchen. Starke Monsunregenfälle lösten eine Sturzflut und einen Erdrutsch aus, die die Rückwege der Männer abschnitten. Ein weiterer Dorfbewohner konnte rechtzeitig entkommen und alarmierte die Behörden.
Die eingeschlossenen Bergleute befanden sich in einer engen Kammer mehrere hundert Meter vom Höhleneingang entfernt. Das Höhlensystem liegt tief unter der Erde und weist zahlreiche Ebenen und extrem enge Passagen auf. Das Gestein ist vielerorts messerscharf, und die Durchgänge sind so schmal, dass sie nur Zentimeter für Zentimeter kriechend passiert werden können.
Die größte Herausforderung für die Retter stellte ein 20 Meter langer, komplett gefluteter Gang dar, der die Kammer der Goldsucher mit dem restlichen Höhlensystem verbindet. Erschwerend kam hinzu, dass die eingeschlossenen Männer keinerlei Erfahrung mit Tauchausrüstung hatten, was als eines der größten Probleme der Rettungsmission galt.
Internationale Rettungsaktion unter Hochdruck
Zudem litten die Männer unter gesundheitlichen Problemen. Kengkard Bongkawong vom thailändischen Rettungsteam berichtete CNN in einem Telefoninterview, einige der Eingeschlossenen hätten aufgrund der Feuchtigkeit Hautprobleme, andere litten unter Magen- und Darmbeschwerden. Auch die Sauerstoffversorgung in der engen Kammer und den Tunneln war Berichten zufolge sehr schlecht.
Die Rettungsaktion wurde von dem finnischen Höhlentaucher Mikko Paasi koordiniert, der bereits 2018 maßgeblich an der erfolgreichen Rettung einer Jugendfußballmannschaft und ihres Trainers aus der Tham-Luang-Höhle in Thailand beteiligt war. Damals waren zwölf Jugendliche und ihr Trainer 18 Tage lang in einer überfluteten Höhlenkammer eingeschlossen, bevor sie in einer spektakulären Aktion in Sicherheit gebracht wurden.
Neben Paasi und Richards waren zahlreiche weitere internationale Spezialisten aus Finnland, Frankreich, Indonesien, Malaysia, Japan und Australien vor Ort, um die örtlichen Rettungskräfte zu unterstützen. Freiwillige aus dem benachbarten Thailand waren bereits am Sonntag zuvor zu den Rettungsarbeiten gestoßen.
Nach der Rettung des ersten Mannes am Freitagabend hatten die Einsatzkräfte die Evakuierung unterbrochen, um die nächsten Schritte zu prüfen. Die Rettungsteams waren völlig erschöpft, und das Risiko für weitere Tauchgänge wurde als zu hoch eingeschätzt. Richards erklärte, er und andere Spezialisten wollten zunächst die klaustrophobisch engen Tunnel erweitern, um die Rettung sicherer zu machen.
Das Wunder vom Samstag
In der Nacht pumpten Helfer der laotischen Rettungsorganisation Rescue Volunteer for People erneut Wasser aus der Höhle. Der Wasserstand war offenbar so weit gesunken, dass die Goldsucher am Samstag schließlich nicht mehr tauchen mussten, sondern die überfluteten Passagen durchwaten oder durchkriechen konnten.
Der am Freitag gerettete Mued berichtete, die beiden noch vermissten Männer seien etwa 500 Meter tiefer in die Höhle vorgedrungen als er selbst. Auf die Frage, ob er glaube, dass die beiden noch am Leben seien, antwortete er: „Ich fürchte, es ist dort drinnen zu kalt."
Die Retter haben nach eigenen Angaben große Teile des Höhlensystems durchsucht, jedoch bislang keine Spur der beiden Vermissten gefunden. Die Suche sollte im Laufe des Tages fortgesetzt werden. Die thailändische Rettungseinheit MTK bekräftigte in den sozialen Medien: „Wir werden niemanden zurücklassen."
Suche nach Vermissten geht weiter
Mikko Paasi zeigte sich nach der Rettung des ersten Mannes erleichtert. Er postete am Freitag in den sozialen Medien: „Heute war ein guter Tag. Ein gerettetes Leben macht alle Anstrengungen wert. Vielen Dank an alle, die so hart für unser gemeinsames Ziel gearbeitet haben."
Josh Richards bezeichnete die Rettung des ersten Goldsuchers als „ein echtes Wunder". Er dämpfte jedoch die Erwartungen an den weiteren Verlauf der Mission. „Leider kann ich weder Zeitrahmen noch Risiken abschätzen – wir gehen die Sache Tag für Tag an, und die Lage ändert sich ständig", sagte er der DPA.
Richards, der nach eigenen Angaben aufgrund seiner kleinen Statur für die Aufgabe in den engsten Passagen angefordert wurde, betonte, dass die Gefahren für weitere Rettungsversuche zunächst eingedämmt werden müssten. Die Selbstbefreiung der vier Männer am Samstag nahm den erschöpften Rettern schließlich die schwierigste Arbeit ab.
Die vier Geretteten werden nun ebenso wie Mued medizinisch betreut. Die Rettungskräfte konzentrieren sich unterdessen auf die Suche nach den beiden noch Vermissten, auch wenn die Hoffnung, sie lebend zu bergen, mit jeder Stunde schwindet.
Fragen & Antworten
Wie konnten sich die vier Goldsucher selbst befreien?
Nachdem die Rettungskräfte in der Nacht Wasser aus der Höhle gepumpt hatten, war der Pegel so weit gesunken, dass die Männer die überfluteten Passagen durchwaten oder durchkriechen konnten, ohne tauchen zu müssen.
Wer ist Mikko Paasi?
Mikko Paasi ist ein finnischer Höhlentaucher, der die Rettungsaktion in Laos koordinierte und bereits 2018 an der erfolgreichen Rettung einer Jugendfußballmannschaft aus der Tham-Luang-Höhle in Thailand beteiligt war.
Warum gilt die Hoffnung für die zwei Vermissten als gering?
Die beiden Männer waren etwa 500 Meter tiefer in die Höhle vorgedrungen als die Geretteten, und der zuerst befreite Goldsucher Mued äußerte die Befürchtung, es sei dort drinnen zu kalt, um zu überleben.
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