Laos Höhlenrettung: Vier Goldsucher befreien sich selbst | nachrichten360
Höhlen-Drama in Laos: Vier weitere Goldsucher befreien sich selbst
Vientiane, 30. Mai 2026
Basile Morin / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Vier Goldsucher, die zehn Tage in einer überfluteten Höhle in Laos eingeschlossen waren, haben sich am Samstag selbst befreit. Zwei weitere Männer werden jedoch weiterhin vermisst, die Hoffnung sie lebend zu finden schwindet.
Vier Goldsucher, die seit etwa zehn Tagen in einer überfluteten Höhle in der laotischen Provinz Xaysomboun eingeschlossen waren, haben sich am Samstagnachmittag Ortszeit selbst aus dem Berg befreit und in Sicherheit gebracht.
Die dramatische Rettung
Der australische Höhlentaucher Josh Richards, der die Rettungsmission vor Ort unterstützt, bestätigte die spektakuläre Wende gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Sie haben es ganz alleine gemacht – wir waren gerade Wasser am Abpumpen und vor der Höhle“, sagte Richards. Der US-Sender CNN bestätigte die Informationen ebenfalls.
Die vier Männer waren zusammen mit einem bereits am Freitagabend geretteten Goldsucher namens Mued in einer engen Kammer hunderte Meter vom Eingang entfernt eingeschlossen. Ein Video, das der DPA vorliegt, zeigt, wie die Männer unter Jubel der Rettungskräfte einer nach dem anderen aus dem Berg kommen.
Die Gruppe war vor rund zehn Tagen auf der Suche nach Gold in das Höhlensystem eingedrungen. Starker Monsunregen hatte eine Sturzflut und einen Erdrutsch ausgelöst, die den Rückweg der Männer blockierten. Ein weiterer Dorfbewohner konnte rechtzeitig entkommen und die Behörden alarmieren.
Die dramatische Rettungsaktion hatte am Freitag mit der Bergung des ersten Goldsuchers begonnen. Der finnische Höhlentaucher Mikko Paasi, der diesen Einsatz leitete, zeigte sich danach völlig erschöpft, aber erleichtert. Er postete in sozialen Medien: „Heute war ein guter Tag. Ein gerettetes Leben macht alle Anstrengungen wert. Vielen Dank an alle, die so hart für unser gemeinsames Ziel gearbeitet haben.“
Paasi veröffentlichte zudem ein Video, das zeigt, wie der gerettete Mued durch einen engen, mit braunem Wasser gefluteten Gang geführt wird. Der mit Schlamm bedeckte Mann wurde von Helfern gestützt und winkte, bevor er mit einem Krankenwagen abtransportiert wurde. „Ich bin okay!“, rief er.
Gefährliche Bedingungen in der Tiefe
Nach der ersten Rettung wurde der Einsatz jedoch zunächst unterbrochen. Die Rettungskräfte waren völlig erschöpft und das Risiko für weitere Tauchgänge wurde als zu hoch eingeschätzt. Die größte Herausforderung stellte ein 20 Meter langer, komplett gefluteter Gang dar, der die Kammer der Eingeschlossenen mit dem Rest des Höhlensystems verbindet.
Die Männer hatten keinerlei Erfahrung mit Tauchausrüstung, was als eines der größten Probleme der Mission galt. Zudem ist das Gestein in der Höhle an vielen Stellen extrem scharf und die Gänge sind so eng, dass sie nur Zentimeter für Zentimeter kriechend passiert werden können. Erschwerend kam ein Problem mit Sauerstoffmangel hinzu: Die Luft in der Kammer und den engen Tunneln war Berichten zufolge sehr schlecht.
Josh Richards, der aufgrund seiner kleinen Statur speziell für diese Aufgabe angefordert worden war, hatte am Samstagmorgen noch erklärt, dass er später am Tag in die Höhle steigen wolle, um einen besonders engen und kaum passierbaren Tunnel zu erweitern. „Leider kann ich weder Zeitrahmen noch Risiken abschätzen – wir gehen die Sache Tag für Tag an, und die Lage ändert sich ständig“, sagte er der dpa.
Doch noch bevor Richards seinen Plan umsetzen konnte, geschah das Unerwartete. „Ich wollte gerade wieder in die Höhle hineingehen, als sie da plötzlich rauskamen“, berichtete er. Der Wasserstand in der Höhle war offenbar so weit gesunken, dass die Goldsucher nicht tauchen mussten, um den Weg ins Freie zu finden.
Das Wunder der Selbstbefreiung
Die geretteten Männer werden nun von Ärzten untersucht. Einige der Eingeschlossenen litten unter Hautproblemen aufgrund der Feuchtigkeit, andere unter Magen- und Darmbeschwerden, wie Kengkard Bongkawong vom thailändischen Rettungsteam in einem Telefoninterview mit CNN erklärte.
Trotz des Erfolgs ist die Mission noch nicht beendet. Zwei weitere Männer werden weiterhin in der Höhle vermisst. Die Retter haben bereits einen großen Teil des Höhlensystems durchsucht, konnten aber bisher keine Spur von ihnen finden. Die Hoffnung, die beiden Vermissten lebend zu bergen, gilt als gering.
Die Suche nach den Vermissten geht weiter
Der am Freitag gerettete Mued hatte berichtet, dass die beiden Vermissten etwa 500 Meter tiefer in die Höhle gegangen seien als er. Er äußerte die Befürchtung, es sei dort drinnen zu kalt, um zu überleben. Die Suche nach ihnen soll im Laufe des Tages fortgesetzt werden.
Die thailändische Rettungseinheit MTK bekräftigte ihren Einsatzwillen in sozialen Netzwerken mit den Worten: „Wir werden niemanden zurücklassen.“ Seit Tagen unterstützen zahlreiche internationale Spezialisten aus verschiedenen Ländern die örtlichen Rettungskräfte, darunter Taucher aus Finnland, Frankreich, Indonesien, Malaysia, Japan und Australien.
Einige Mitglieder des internationalen Teams waren bereits an der aufsehenerregenden Rettungsaktion in der Tham-Luang-Höhle in Nordthailand im Jahr 2018 beteiligt. Damals war eine Jugendfußballmannschaft mit ihrem Trainer 18 Tage lang in einer Höhle eingeschlossen und wurde in einer weltweit beachteten Operation gerettet.
Internationale Hilfe und Erfahrung
Mikko Paasi war maßgeblich an dieser erfolgreichen Rettung beteiligt. Die Erfahrungen von damals flossen in den aktuellen Einsatz in Laos ein, auch wenn die Bedingungen vor Ort mit den extrem engen und scharfkantigen Gängen eine eigene, große Herausforderung darstellten.
Die selbstständige Befreiung der vier Männer kam für die Helfer überraschend. Josh Richards sprach gegenüber CNN von einem „echten Wunder“. Die Rettungskräfte hatten in der Nacht zuvor noch Wasser aus der Höhle gepumpt, was den entscheidenden Unterschied gemacht haben könnte.
Die Behörden und Helfer stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, die Suche nach den beiden Vermissten unter weiterhin gefährlichen Bedingungen fortzusetzen, während die geretteten Männer medizinisch versorgt werden und das Ausmaß ihrer zehntägigen Tortur verarbeiten müssen.
Fragen & Antworten
Wie konnten sich die vier Goldsucher in Laos selbst befreien?
Der Wasserstand in der Höhle war durch das Abpumpen von Wasser in der Nacht offenbar so weit gesunken, dass die Männer den Weg ins Freie ohne Tauchausrüstung passieren konnten.
Wer ist Josh Richards und welche Rolle spielte er bei der Rettung?
Josh Richards ist ein australischer Höhlentaucher, der die Rettungsmission vor Ort unterstützte und aufgrund seiner kleinen Statur speziell für das Durchqueren enger Tunnel angefordert wurde.
Was geschah mit den beiden anderen vermissten Männern in der Höhle?
Die beiden Männer werden weiterhin vermisst; Retter haben einen großen Teil des Höhlensystems ohne Erfolg durchsucht und die Hoffnung, sie lebend zu finden, ist gering.