In Österreich wird HIV bei Frauen häufig erst spät erkannt, während das Durchschnittsalter der behandelten Patientinnen und Patienten in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich gestiegen ist.
Das Medianalter der in Behandlung befindlichen HIV-positiven Menschen in Österreich ist laut einer Auswertung der Österreichischen HIV-Kohortenstudie von 39,2 Jahren im Jahr 2002 auf 51,1 Jahre im Vorjahr gestiegen. Dieser Anstieg spiegelt nach Einschätzung von Fachleuten sowohl den Erfolg der Therapie als auch eine Verschiebung bei den Zeitpunkten der Diagnose wider. Frauen tauchen in den Statistiken überproportional häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf, wie Expertinnen gegenüber der APA betonen.
Der Hintergrund sei ein Zusammenspiel aus niedrigerer Risikowahrnehmung und strukturellen Hürden im Gesundheitssystem. Frauen, die sich nicht selbst einer klassischen Risikogruppe zuordnen, würden seltener aktiv einen Test einfordern. Hausärztinnen und Hausärzte wiederum zögerten mitunter, das Thema routinemäßig anzusprechen, weil es im Gespräch als heikel gelte. So entstehe eine Lücke zwischen Infektion und Diagnose, die im Schnitt mehrere Jahre betragen könne.
