Ein sogenanntes Hitzedom sorgt in weiten Teilen Westeuropas seit dem Pfingstwochenende für extreme Frühsommertemperaturen, die in Frankreich bereits zu einer beispiellosen orangen Hitzewarnung und in Großbritannien zum heißesten Mai-Tag seit Beginn der Aufzeichnungen geführt haben.
In Frankreich hat der Wetterdienst Météo-France für acht Départements im Westen des Landes die Warnstufe Orange ausgerufen. Betroffen sind Finistère, Morbihan, Manche, Ille-et-Vilaine, Maine-et-Loire, Mayenne, Vendée und Loire-Atlantique. Die Warnung trat in der Nacht von Montag auf Dienstag in Kraft.
„C'est un cran de plus que le niveau jaune qui prévalait depuis le début de l’épisode de très fortes chaleurs qui traverse le pays depuis dimanche“, erklärte der Wetterdienst. Die Stufe Orange signalisiert eine echte Hitzewelle, die mindestens drei Tage und drei Nächte andauern und ein Gesundheitsrisiko für die gesamte Bevölkerung darstellen kann.
Beispiellose Hitzewarnung in Frankreich
Es ist das erste Mal, dass dieses Warnsystem, das sowohl meteorologische als auch gesundheitliche Faktoren berücksichtigt, so früh im Jahr aktiviert wird. Premierminister Sébastien Lecornu kündigte für Donnerstag eine ministerienübergreifende Krisensitzung an, um die Vorbereitungen der staatlichen Stellen zu überprüfen.
Die Temperaturen sind vielerorts auf Werte gestiegen, die sonst nur im Hochsommer erreicht werden. In der Bretagne werden am Dienstag Höchstwerte zwischen 32 und 35 Grad erwartet, im Süden Frankreichs sogar Spitzen von 36 bis 37 Grad. Am Montag wurden bereits Dutzende Mai-Rekorde gebrochen: in Bergerac 34,7 Grad, in Brest 33 Grad, in Rennes 32,4 Grad, in Nantes 34,3 Grad und in Angers 34,0 Grad – dort fiel ein Rekord aus dem Mai 1947.
Neben der Hitze sorgt eine erhöhte Ozonbelastung für zusätzliche Gesundheitsgefahren. Das nationale Luftgüte-Überwachungslabor warnte vor einer Überschreitung der Informationsschwelle am Dienstag in der gesamten Île-de-France und im Rhônetal. Die Ozonkonzentrationen sollen 180 Mikrogramm pro Kubikmeter und Stunde übersteigen, was Atemwegs- und Herzbeschwerden verursachen kann, besonders bei älteren Menschen, Schwangeren, Säuglingen und Kleinkindern.
Ozonbelastung verschärft die Lage
Im Département Rhône hat der Präfekt eine orange Ozonwarnung aktiviert. Er ordnete unter anderem eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h auf Strecken mit 80 oder 90 km/h an und verbot das Verbrennen von Abfällen sowie Grillen mit festen Brennstoffen.
Auch in Italien beherrscht eine großflächige Hochdruckzone das Wetter, die heiße Luftmassen aus Nordafrika heranführt. Laut italienischen Meteorologen herrschen „Temperaturen und Szenarien wie im Hochsommer“, vor allem im Norden und in der Mitte des Landes. Spitzenwerte von 34 bis 35 Grad werden in der Po-Ebene und in der Toskana und Umbrien erwartet.
Italien: Sommerliche Hitze und Tropennächte
Die Nächte bringen kaum Abkühlung: In Teilen der Po-Ebene und Mittelitaliens treten erste „Tropennächte“ auf, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. Strandbäder in Genua und anderen Küstenorten erleben einen ungewöhnlichen Ansturm außerhalb der Saison.
Großbritannien verzeichnete am Montag den heißesten Mai-Tag seit Beginn der Aufzeichnungen. Am Flughafen Heathrow westlich von London stieg das Thermometer um 13 Uhr auf 33,5 Grad, 1,3 Grad mehr als die bisherigen Rekorde von 1922 und 1944. Das Met Office bestätigte, dass dies der höchste jemals in einem Mai gemessene Wert ist.
Die Zehnjährige Liza Nizari, die London besuchte, sagte: „The weather here, it’s like a mini version of hell. It’s like really hot.“ Normalerweise liegen die Temperaturen in London um diese Jahreszeit bei 17 oder 18 Grad. Die 66-jährige Australierin Lindy Brand-Daloze, die seit zwölf Jahren in London lebt, meinte: „It’s warm, but it’s climate change, isn’t it? So, you know, [we have] probably got to get used to this.“
Großbritannien und Spanien: Rekorde purzeln
In Spanien werden die Temperaturen im Laufe der Woche auf bis zu 38 Grad steigen, wie der Wetterdienst mitteilte. In einigen Regionen Italiens wurden bereits Einschränkungen für Arbeiten im Freien verhängt.
Meteorologen machen das Phänomen eines „Hitzedoms“ für die Extremwerte verantwortlich: Ein Hochdruckgebiet über Westeuropa blockiert die warmen Luftmassen aus Nordafrika und sorgt für tagelange intensive Sonneneinstrahlung.
Von Donnerstag an könnte das Hochdruckgebiet allmählich an Einfluss verlieren. Erste Anzeichen deuten auf eine leichte Abschwächung hin, sodass vor allem in den Bergregionen wieder einzelne Gewitter möglich werden. Eine nachhaltige Abkühlung ist jedoch noch nicht in Sicht.
