Hitzewelle 4.0 erwartet: Wettermodelle prognostizieren Spitzenwerte über 35 Grad
Linz, 24. Juli 2025
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Kurzfassung
Wetterexperten rechnen ab Mitte der kommenden Woche mit einer erneuten Hitzewelle in Hessen und Österreich, die Spitzenwerte von deutlich über 35 Grad bringen soll. Vorausgegangen sind wochenlange Trockenheit und ein Niederschlagsdefizit, das durch vereinzelte Gewitter am Wochenende kaum aufgefangen werden kann.
Mit dem Beginn der Hundstage steht in Hessen und Österreich die vierte Hitzewelle des Sommers bevor, die laut Wettermodellen Temperaturen von deutlich über 35 Grad bringen und die anhaltende Dürre weiter verschärfen dürfte.
Modelle und Prognosen
Pünktlich zu den Hundstagen, der heißesten Phase des Sommers, nimmt die vierte Hitzewelle des Jahres Anlauf. Wie der hr-Meteorologe Martin Gudd erklärte, rammt sie massiv von Südwesten her nach Hessen rein: "Die vierte Hitzewelle nimmt dann Anlauf und rammt massiv von Südwesten her nach Hessen rein." Bereits zur Wochenmitte seien Spitzenwerte von deutlich mehr als 35 Grad möglich. Der SWR-Wetterexperte Bernd Madlener rät allerdings erst einmal zum Abwarten: Wie heiß es genau wird und wie lange die Hitze andauert, können wir aber noch nicht sagen. Das liege daran, dass die Hitzephase noch zu weit in der Zukunft liegt.
Die Wettermodelle sind sich einig: Ab Mitte nächster Woche wird es im Flachland verbreitet über 30 Grad heiß. Laut Madlener berichten ein Großteil der Wettermodelle von Temperaturen bis 37 Grad, ein kleinerer Teil von Temperaturen bis 40 Grad. Die Österreich-Lesart bestätigt diese Spanne: Wenn man den Medianwert aus den Modellen nimmt, kommt man auf 38 bis 39 Grad im Flachland. Der Meteorologe Nikolas Zimmermann vom Wetterdienst Ubimet erklärte: "Aber gesichert sei, es werde sehr heiß bei 35 bis 39 Grad." Auslöser seien sehr heiße Luftströme von Afrika und Südspanien, wie Madlener ergänzte.
Tropennächte und Abkühlung
Diese können laut Madlener auch schwüle Luft mitbringen, die dann für Tropennächte sorgt. "Aber auch das ist aktuell noch nicht sicher. Es kann auch sein, dass es in der Nacht abkühlt", so der Wetterexperte. Gegen Ende der nächsten Woche gilt das Eintreffen tropischer Nächte jedoch als recht wahrscheinlich. Eine nachhaltige Abkühlung ist derzeit nicht in Sicht.
Rekordwerte und Hessen-Dürre
Zugleich ist die Trockenheit in Hessen weiterhin extrem. Im laufenden Juli sind in Hessen bislang erst 12,9 Prozent der Niederschlagsmenge gefallen, die in einem durchschnittlichen gesamten Juli zusammenkommt. Im Vergleich der Bundesländer liegen Hessen und Nordrhein-Westfalen derzeit am unteren Ende. Am wenigsten Niederschlag wurde bisher in Hungen und Lich (beide Gießen) gemessen. An den hessischen Messstationen in Liebenau und Grebenstein im Landkreis Kassel fiel wenig, aber immer noch bislang am meisten Regen.
Mit 41,3 Grad wurde Ende Juni die höchste jemals in Hessen gemessene Temperatur erreicht. Gudd formuliert die Lage nüchtern: "Rekordverdächtige Werte sind möglich, aber das ist noch unsicher." Er ordnet die kommenden Tage als Übergang ein: "Der Sommer fährt jetzt wieder nach oben - von moderat auf ganz ordentlich." Damit steht der nächste Wärme- und Hitzehöhepunkt bevor. Wer das Wochenende draußen verbringen möchte, dürfte am Samstag also bestes Freibad- und Badeseewetter bekommen.
Am Freitag gibt es in Hessen noch einmal viel Sonne und nur einige Wolken. Regen ist nicht in Sicht. Im Norden Hessens sind bis zu 24 Grad möglich, in Südhessen bis zu 28 Grad. In Nordhessen werden am Samstagnachmittag 29 bis 30 Grad erwartet, im Süden könnte das Thermometer sogar auf 32 bis 33 Grad steigen. Zuvor werden noch Höchstwerte zwischen 22 und 29 Grad erwartet. Bis zum Abend könnten die Temperaturen dann schon auf 17 bis 23 Grad sinken.
Am Sonntag könnten bereits am Vormittag immer mehr Wolken aufziehen, die dann im Laufe des Tages Regenschauer entwickeln. In der Nordhälfte Hessens sind möglicherweise auch Gewitter dabei. Martin Gudd spricht von einem ersten Hoffnungsschimmer: "Endlich mal wieder ein bisschen Regen." Die Niederschläge werden dem Großteil der Fläche allerdings kaum helfen, wie Madlener betont: "Der Boden ist so hart, wenn es da mal ein paar kleine Gewitter gibt, fließt das Wasser einfach weg und kann gar nicht in den Boden eindringen." An den meisten Orten wird dieser aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein sein.
Waldbrandgefahr und Lage in Deutschland
Auch auf österreichischer Seite gilt die Lage als angespannt. Böden, Flüsse und Wälder seien laut dem Experten so trocken, dass es mehrere Monate immer wieder lange regnen müsste, um das Defizit auszugleichen. Madlener nennt die Gesamtlage "relativ dramatisch": "Lokal kommt das manchen zwar nicht so vor, aber generell betrachtet ist die Lage relativ dramatisch." Die Waldbrandgefahr ist aktuell bei Stufe drei oder vier von fünf, wird am Samstag in der Vorderpfalz auch Stufe fünf erreichen.
Extreme Modellrechnungen und Experteneinschätzungen
In den sozialen Medien und auf Wetterportalen war zuletzt die Rede von einer "historischen Extremhitze" mit bis zu 43 Grad Anfang August. Ein kostenloses und frei im Netz verfügbares US-Rechenmodell wirft eben jene ominösen bis zu 43 Grad für Mitteleuropa Anfang August ins Rennen, für Wien um die 42 Grad. Ein europäisches Modell weist für 5. August rund 40 Grad in Wien aus. Diese Höchsttemperatur wäre dort nach dieser Prognose am 4. August erreicht. Solche Werte würden den bisherigen Temperaturrekord von 40,5 Grad, aufgestellt am 8. August 2013 in Bad Deutsch-Altenburg (Niederösterreich), in den Schatten stellen.
Die Meteorologen reagieren darauf überwiegend zurückhaltend. Akkurat sind die Vorhersagen für bis zu fünf Tage, ab Tag 6 und 7 werde die Vorhersage schon "relativ unsicher". Meteorologen haben rund 50 Rechenmodelle zur Verfügung, um kurzfristige wie langfristige Prognosen erstellen zu können. Einige Modelläufe zeigen sogar höhere Temperaturen, andere etwas niedrigere. Meteorologe Zimmermann ordnet die Extremrechnungen als "eher nicht" ein. Auch Alexander Ohms von Geosphere Austria reagierte deutlich: "Das ist Vollholler." Nach aktuellem Stand könnte die kommende Hitzewelle ähnlich stark ausfallen wie jene Ende Juni, aber im Gegensatz zum Juni sei keine Omega-Wetterlage zu erwarten, betont Zimmermann.
Zur Einordnung der Gegenwart formuliert Zimmermann einen Wandel: "Mittlerweile ist es ja schon so, dass 35 Grad als Normalität angesehen werden. Vor zehn, 15 Jahren wäre das noch außergewöhnlich gewesen." Eine Art Hitzeglocke legte sich über weite Teile Europas, schuld war eine sogenannte Omega-Lage: Links und rechts zwei Tiefdruckgebiete, in der Mitte wölbte sich ein Hochdruckgebiet, das festsaß. Diese Konstellation wird nun nicht erwartet.
Reiseverkehr in Österreich
Während der nächsten Hitzewelle bleibt es meist trocken. Es sieht alles nach einem deutlich zu warmen Auguststart aus. Der Hessische Rundfunk fasst die Tendenz mit einer plakativen Formel zusammen: Hitzewelle 4.0. Auch die Wetter-Apps greifen den Trend auf: Ab kommenden Mittwoch berichtet die App von Temperaturen über 30 Grad. Hinzu kommt, dass der Sonnenhöchststand bereits vor vier Wochen war und somit die Sonne etwas kürzer scheint als bei der vergangenen Hitzephase, wie Madlener anmerkt.
Parallel zur Wetterlage bereitet der Reiseverkehr Sorgen. Laut der ASFINAG soll schon am Freitagabend dichter Verkehr auf Österreichs Autobahnen herrschen. Auf den Nord-Süd-Transitstrecken A9, A10, sowie der A12 und A13 besteht Staugefahr. Besonders während der Hauptreisezeiten, am Samstag und Sonntag zwischen 9 und 15 Uhr wird mit Staus gerechnet. Stauanfällig ist außerdem der Fernpass (B179), die A10 bei der Mautstelle St. Michael, die A12 vor dem Karawankentunnel sowie der A13 vor der Luegbrücke. Auch die Südosttangente (A23) ist anfällig.
Am Wochenende findet das Formel-1-Rennen von Budapest statt und zieht viele Besucher und Besucherinnen an, wodurch es vermehrt zu Verzögerungen auf der Ost-West-Verbindung von Passau über Linz und Wien zur Grenze in Nickelsdorf, sowie der ungarischen M1 kommen kann. Zahlreiche Baustellen auf der ungarischen M1 könnten den Stau zusätzlich verlängern. Auf der A2 vor der Tunnelbaustelle auf der Pack gibt es einen einspurigen Gegenverkehrsbereich - hier ist mit längeren Wartezeiten zu rechnen. Die Generalsanierung der Tunnelkette Pack zwischen Kärnten und der Steiermark sorgt für nahezu täglich Verzögerungen.
Zusätzlich erschweren Großveranstaltungen die Anreise. Ein vermehrtes Verkehrsaufkommen kann es laut dem ÖAMTC außerdem durch die Oldtimerrallye Ennstal Classic geben, die noch bis Samstag geht, mit Auswirkungen auf die B320 Ennstalstraße und die Zu- und Abfahrten der A9. Zu den Anreise-Zeiten zu den Vorstellungen der Bregenzer Festspiele kann es auch auf der L190 zu Verzögerungen kommen; die Veranstaltungen beginnen jeweils um 19.30 Uhr. Das Donauinsel-Open-Air in Wien läuft noch bis Samstag. Diese Woche beginnt zudem der Villacher Kirchtag, bei der An- und Abreise wird per öffentlicher Verkehrsmittel empfohlen. Festivaltickets der Bregenzer Festspiele gelten als ÖPNV-Tickets.
Tipps für die heißen Tage
Im bayrischen Eck bestehen ebenfalls Stauwarnungen, unter anderem auf der A8 und der A93. Der Grenzübergang Spielfeld liegt vor einer Baustelle auf slowenischer Seite und ist staugefährdet. Reisende Richtung Ungarn sollten die digitale Vignette schon vor dem Fahrtantritt kaufen. Die ÖBB empfehlen für Zugreisen generell eine rechtzeitige Sitzplatzreservierung; die ÖBB-Nightline fährt durch die Nacht. Für Reisende, die bei Hitze nicht im Stau stehen wollen, gilt das Hitzetelefon 0800/880-800, das aus ganz Österreich kostenlos erreichbar ist (Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr; Samstag von 8 bis 20 Uhr; Sonntag von 8 bis 18 Uhr).
Zum Umgang mit der Hitze gibt Michael Wengert von der Hochschule Biberach Tipps, wie das Raumklima ohne teure Technik erträglicher werden kann. Empfohlen wird, die Wohnungen und Häuser noch einmal durchzulüften. Wer ohne Klimaanlage in der Wohnung auskommen muss, sollte tagsüber die Fenster schließen und die Räume verdunkeln. Besonders zwischen 11 und 17 Uhr möglichst im Schatten bleiben und körperliche Aktivitäten auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen. Genug trinken: zwei bis drei Liter pro Tag, bei körperlicher Belastung mehr.
Insgesamt zeigt sich: Es geht erneut sehr heiß und weiter extrem trocken zur Sache. Worin sich Bernd Madlener jedoch sicher ist: Es wird erst einmal keinen ausgleichenden Regen geben. Und dieser Regen ist nicht in Sicht.
Fragen & Antworten
Was ist die "Hitzewelle 4.0"?
Als "Hitzewelle 4.0" bezeichnet der Hessische Rundfunk die vierte Hitzewelle des laufenden Sommers, die laut hr-Meteorologe Martin Gudd massiv von Südwesten nach Hessen zieht und ab Mitte der kommenden Woche Temperaturen deutlich über 35 Grad bringen soll.
Warum warnen manche Modelle vor bis zu 43 Grad in Österreich?
Ein frei verfügbares US-Rechenmodell rechnet für Anfang August mit bis zu 43 Grad in Mitteleuropa und rund 42 Grad in Wien. Meteorologen wie Nikolas Zimmermann von Ubimet und Alexander Ohms von Geosphere Austria bezeichnen diese Extremwerte als unsicher oder "Vollholler", da Prognosen ab Tag 6 oder 7 deutlich unzuverlässiger werden.
Wie ist die Lage in Hessen beim Regen?
Im laufenden Juli sind in Hessen bislang erst 12,9 Prozent der durchschnittlichen Juliniederschläge gefallen, womit Hessen zusammen mit Nordrhein-Westfalen am unteren Ende der Bundesländer liegt. SWR-Experte Bernd Madlener schätzt die Lage als "relativ dramatisch" ein, weil vereinzelte Gewitter am Wochenende den ausgetrockneten Böden kaum helfen können.
Hitzewelle 4.0: 35 bis 40 Grad in Hessen und Österreich | nachrichten360