Heerespsychologe Langer kritisiert Verantwortungsabgabe in Krisen Der Chefpsychologe des österreichischen Bundesheeres, Brigadier Christian Langer, warnt vor einer zunehmenden Verantwortungsabgabe der Bevölkerung an den Staat in Krisenzeiten.
Gesellschaftliche Entfremdung und Krisen
Langer betont, dass aktuelle Krisen wie der Ukraine-Krieg, der Nahost-Konflikt und die Energiekrise bei vielen Österreichern zu einer gefährlichen Entfremdung führen. "Der Ukraine-Krieg ist nur wenige hundert Kilometer entfernt, aber die Bevölkerung hat bereits eine Distanz dazu entwickelt", so der Heerespsychologe. Anders verhalte es sich bei der Energiekrise, die direkter wahrgenommen werde – etwa durch Treibstoffknappheit oder steigende Kosten.
Diese Distanzierung sei problematisch, da sie dazu führe, dass die Menschen ihre eigene Verantwortung vernachlässigten. Langer sieht eine gesellschaftliche Tendenz, Aufgaben an "die Stadt, das Land oder die Gemeinde" zu delegieren, statt selbst aktiv zu werden. Besonders kritisch bewertet er die Erwartungshaltung vieler Bürger, der Staat werde in Krisen alles bereitstellen – von Lebensmitteln über Wasser bis hin zu Medikamenten.
Verantwortung und Kommunikation
Langer fordert eine offenere Kommunikation zwischen Bevölkerung, Staat und Gemeinden, um klare Verantwortungsbereiche zu definieren. "Es fehlt an einem Dialog darüber, wer wofür zuständig ist", stellt er fest. Der Psychologe warnt davor, dass der Staat in Extremsituationen nicht alle Bedürfnisse decken könne. So sei beispielsweise in Hochhäusern die Wasserversorgung bei einem Stromausfall oft nur bis zum vierten Stock gewährleistet.

