Vor dem Start der österreichischen Fußball-Bundesliga 2026/27 am kommenden Freitag sieht die überwiegende Mehrheit der zwölf Liga-Trainer Red Bull Salzburg als Titelfavoriten, wobei mehrere Trainer trotz des Wegfalls der Punkteteilung mit einem engen Titelrennen rechnen.
Kühbauer sieht Salzburg als „Favorit schlechthin"
Das ergab eine Umfrage der Austria Presse Agentur (APA) unter allen zwölf Cheftrainern der Bundesliga-Klubs vor dem Saisonstart. Während die einen Salzburg als klaren Favoriten sehen, halten andere die Ausgangslage für offener als in den vergangenen Jahren. Neben dem Vizemeister aus Salzburg, der nach drei titellosen Saisons wieder angreifen will, werden vor allem der LASK, Sturm Graz und Rapid Wien als Herausforderer genannt.
Dietmar Kühbauer (LASK) formulierte die Einschätzung am deutlichsten: "Der Favorit schlechthin wird Salzburg sein. Erst wenn die wieder schwächeln, können andere – wie wir es in den letzten Jahren auch waren – da sein." Stephan Helm (Austria) sieht die Favoritenrolle ebenfalls bei Salzburg und dem LASK, betont aber zugleich die finanziellen Möglichkeiten des Meisters aus der Mozartstadt: "Als Titelfavoriten sehe ich den LASK und Red Bull Salzburg, weil Salzburg wieder ordentlich in die Mannschaft investiert und viele Ressourcen zur Verfügung hat."
Salzburgs Trainer Röhl warnt vor Überheblichkeit
Auch Markus Schopp (TSV Hartberg) wagt eine Prognose: "Ich würde aktuell mit dem Doublesieger LASK gehen, aber ich sehe da ein paar Mannschaften als Herausforderer." Ognjen Zaric (SCR Altach) wiederum tippt klar auf Salzburg: "Ich tippe auf Salzburg. Ich glaube, dass Salzburg auf Platz eins gehen wird, und vom Bauchgefühl her relativ klar, Punkteteilung hin oder her."
LASK und Sturm als größte Herausforderer
Salzburgs Trainer Danny Röhl zeigt sich unterdessen zurückhaltend: "Es wird ein enges Rennen werden. Aber ich denke schon, dass es bis zum Ende knapp hergeht." Sein Team müsse zudem einen größeren personellen Umbruch bewältigen: "Wir müssen einen Kaderumbruch bewältigen. Aber wenn man drei Jahre in Folge nichts geholt hat, brauchen wir den Mund nicht allzu voll nehmen."
Beim designierten Herausforderer aus Linz blickt Kühbauer ebenfalls mit großer Selbstverständlichkeit auf die kommende Spielzeit: "Alles andere wäre für mich nicht okay. Wir haben uns über die letzten 13 Jahre eine Identität aufgebaut." Er ergänzt mit Blick auf die eigene Mannschaft: "Es beginnt beim Trainer: Mein Anspruch ist es, mit Konstanz über 32 Spieltage eine super Saison zu spielen."
Rapid und Austria mit Europacup-Ambitionen
Bei Rapid Wien, das in der vergangenen Saison mit Rang drei die beste Platzierung seit langem erreichte, gibt sich Trainer Johannes Hoff Thorup betont pragmatisch: "Das ist schwierig zu sagen, bevor die Saison begonnen hat und wenn das Transferfenster noch so lange offen ist." Gleichzeitig formuliert er die Zielsetzung klar: "Wir wollen an der Spitze sein und Leistungen abliefern, die uns auf einen Europacupplatz bringen."
Beim Vizemeister Sturm Graz sieht Fabio Ingolitsch Salzburg ebenfalls als Favoriten – trotz der zuletzt schwächeren Resultate: "Red Bull Salzburg, wie jedes Jahr, trotz Jahren des Misserfolgs. Die letzten drei Saisonen ohne Titel waren nicht ihr Anspruch, jetzt werden sie versuchen, das Ruder herumzureißen." Für Sturm selbst lautet das Ziel: "Bei uns schaut die Zielsetzung gleich aus wie letztes Jahr: Wir wollen uns mit dem SK Sturm Graz für das internationale Geschäft qualifizieren."
Philipp Semlic (WSG Tirol) verweist auf die zahlreichen offenen Transferfragen in der Liga: "Es ist sehr schwer, Favoriten zu nennen." Thomas Silberberger (WAC) teilt diese Einschätzung: "Ein Titelfavorit ist schwer zu sagen, weil bei den üblichen Verdächtigen Salzburg, LASK, Sturm oder Rapid das Transferprogramm noch nicht beendet ist."
Mario Despotovic (SV Ried) sieht die Lage ähnlich und betont die Bedeutung des bevorstehenden Transferfensters: "Schwierig zu sagen, das Transferfenster ist noch sehr lang offen. Vorher ist nicht die richtige Zeit, um über spezielle Ziele zu sprechen."
Bei Austria Lustenau rechnet Trainer Markus Mader sogar mit einer engeren Meisterschaft als zuletzt: "Ich denke, dass es sogar ein wenig enger sein wird. Da wird sich nicht viel verändern durch das Ende der Punkteteilung." Sein Ziel bleibt bescheiden: "Wir wollen attraktiven Fußball spielen. Auf keinen Fall eine Saison wie im letzten Jahr."
Ferdinand Feldhofer (GAK) sieht das Favoritenfeld breit aufgestellt: "Favoriten sind für mich die üblichen Verdächtigen: LASK, Sturm, Salzburg, Rapid eventuell. Ich glaube, Rapid Wien sollte man dieses Jahr nicht unterschätzen." Für den Aufsteiger aus Graz steht der Klassenerhalt im Vordergrund: "Gerade mit dem Punch und der Kraft des neuen Stadions im Hintergrund wollen wir auch nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielen."
Wegfall der Punkteteilung – Kontroverse um die Spannung
Neben den sportlichen Aussichten diskutieren die Trainer auch über strukturelle Fragen der Liga. Röhl bringt die UEFA-Fünfjahreswertung zur Sprache und fordert: "Ziel ist es, dass wir so viele Punkte wie möglich für Österreich holen. Wir als Salzburg sind gefragt, als gutes Beispiel voranzugehen."
Zum Einfluss des Wegfalls der Punkteteilung auf die Spannung der Liga gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Während Mader keinen großen Effekt erwartet, sagt Zaric: "Ich glaube, wenn man keine Punkteteilung hat, dass vielleicht ein bisschen weniger Spannung da ist. Hinten muss man schauen, ob jemand wegbricht."
Kühbauer sieht das sportliche Niveau der Liga kritisch: "Wir haben uns schon Schritt für Schritt ein bisschen nach unten nivelliert. Es würde der Liga guttun, wenn es mehr Clubs mit unterschiedlichen Zugängen zum Fußball geben würde und jeder Club seine eigene Identität entwickelt."
Trainer fordern strukturelle Weiterentwicklung der Liga
Für die wirtschaftliche Entwicklung der Liga fordert Röhl: "Indem man die Vereine und die Liga attraktiv macht, damit wir mehr Geld generieren können. Und gute Spieler begeistern, dass sie in die Bundesliga kommen."
Abseits der Frage nach dem Meister beschäftigt die Trainer auch das Abschneiden der österreichischen Klubs im Europapokal. Silberberger sagt dazu: "Wenn ich mir die 'Mastery on the Ball' von Weltmeister Spanien anschaue, dann steckt darin ein kontinuierlicher Glaube. So was erwarte ich mir auch in Österreich: Dass wir mit unserer intensiven Spielidee beginnen zu verstehen, was es bedeutet, uns in Ballbesitz anders zu definieren."
Ingolitsch verweist auf die Vorbildwirkung internationaler Erfolge: "Bei der WM wurden Spiele gewonnen durch technisch starke Spieler, die dribbeln können, die einen gewissen Speed haben, die in einer Spielidee spielen, die offensiv ausgerichtet ist. Wir müssen schauen, dass wir wieder besser performen, vor allem die 'big player' in Österreich."
Die Saison 2026/27 startet am kommenden Freitag mit den ersten Partien des neuen Spielplans. Insgesamt zwölf Trainer haben sich an der APA-Umfrage beteiligt, alle Antworten wurden vor dem Ende des Transferfensters abgegeben.
Zum Vergleich mit der Vorsaison, in der Salzburg trotz Punktabzugs Vizemeister wurde, fällt die einhellige Einschätzung nun wieder klar zugunsten des Klubs aus der Mozartstadt aus. Die meisten Trainer erwarten aber, dass sich Salzburg den Titel diesmal hart erkämpfen muss – anders als in früheren Jahren, als der Serienmeister mit deutlichem Vorsprung dominierte.
