Greenpeace findet krebserregenden Asbest auf acht Straßen in Wien und Umgebung
Wien, 01. Juli 2026
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Kurzfassung
Greenpeace hat auf acht Straßen in Wien und im niederösterreichischen Umland asbesthaltigen Asphalt nachgewiesen. Laboranalysen bestätigten demnach stark krebserregenden Amphibolasbest – die Organisation fordert eine rasche Sanierung und Mittel aus dem Katastrophenfonds.
Die Umweltorganisation Greenpeace hat auf acht Straßen in Wien und im angrenzenden Niederösterreich asbesthaltigen Asphalt entdeckt und fordert von Bundeskanzler Stocker die Bereitstellung von Mitteln aus dem Katastrophenfonds sowie eine zügige Sanierung der betroffenen Strecken.
Funde in Liesing und auf Hauptverkehrsstraßen
Die Umweltorganisation Greenpeace hat erstmals auf acht Straßen in Wien und dessen Umland asbesthaltigen Asphalt entdeckt. Wie die Organisation am Mittwoch mitteilte, handelt es sich bei den Funden um stark krebserregenden Amphibolasbest, wie Laboranalysen von Proben aus der Rosenhügelstraße und der Stieglergasse bestätigten. Betroffen sind nach Angaben von Greenpeace die Wernergasse, Bertegasse, Wastlgasse, Stieglergasse, Anton-Freunschlag-Gasse und die Reibergasse in Wien-Liesing sowie die viel befahrene Rosenhügelstraße und die Triester Straße an der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich.
Stefan Stadler, Sprecher des Greenpeace Investigativ-Teams, erklärte: „Seit Monaten melden sich besorgte Menschen bei uns mit Hinweisen auf asbestbelastete Straßen, Einfahrten und Spielplätze. Jetzt ist auch Wien betroffen, denn wir haben Asbest-Asphalte in dicht besiedelten Gebieten und sogar auf stark befahrenen Straßen entdeckt. Doch die Regierung ist noch immer untätig. Deshalb können jetzt bei uns Asbest-Funde direkt in einer interaktiven Online-Karte gemeldet werden. So wird das Ausmaß dieses beispiellosen Umweltskandals endlich sichtbar."
Wie gefährlich ist Amphibolasbest?
Nach Schätzungen von Greenpeace beträgt der im Straßenbelag nachgewiesene Asbestanteil ein bis fünf Prozent. Die Organisation habe auf den betroffenen Straßen bis zu 500 Asbeststeinchen pro Quadratmeter gezählt. Stadler warnte, der nachgewiesene Amphibolasbest sei „hoch krebserregend" und „noch gefährlicher als in den 80ern". Der Stoff sei so brüchig, dass bereits minimaler Druck mit einem Kugelschreiber ausreiche, um ihn zu zerbröseln – auf viel befahrenen Hauptstraßen und Routen des Schwerlastverkehrs drohe so bei jedem einzelnen Fahrzeug eine potenzielle Freisetzung der gefährlichen Fasern.
Greenpeace hat nun eine interaktive Online-Karte erstellt, in der Menschen Asbestfunde melden können. Stadler weiter: „Greenpeace hat bei mehr als 65 Orten Asbestfunde dokumentiert und es haben sich hunderte Betroffene gemeldet. Sie werden bei der Asbest-Entsorgung und der Finanzierung für die Sanierung im Stich gelassen. Greenpeace fordert Kanzler Stocker auf, Gelder aus dem Katastrophenfond für die vielen Opfer des Asbest-Skandals bereitzustellen und eine kostengünstige Entsorgungsmöglichkeit für den Asbestschotter zu schaffen".
Forderungen an die Bundesregierung
Die Organisation fordert die Asbest-Arbeitsgruppe von Bundeskanzler Stocker auf, wie in Ungarn entsprechende Untersuchungen einzuleiten. Zudem müssen für die Opfer des Asbest-Skandals Mittel aus dem Katastrophenfonds bereitgestellt werden. In Ungarn legen die ungarischen Behörden bereits unter Einbindung der Bürger ein Asbestkataster an, wie Stadler hervorhob. Greenpeace hat seit Aufdecken des Asbest-Skandals mehr als 300 Meldungen aus der Bevölkerung von Asbestfunden in Vorgärten, Straßen, Kinderspielplätzen, Krankenhäusern, Siedlungsstraßen und Wegen erhalten.
Der vom Burgenland ausgehende Asbest-Skandal hat sich auf die Steiermark, Niederösterreich und Ungarn ausgeweitet, wo mehr als 300 Orte betroffen sind. Auch im niederösterreichischen Wiener Umland wurde Asbest-Asphalt in Breitenfurt bei Wien und eine Spielstraße in Wiener Neudorf gefunden. Der belastete Schotter stammt aus mittlerweile geschlossenen burgenländischen Steinbrüchen. Greenpeace fordert rasche Sanierung stark befahrener Straßen.
Reaktion der Stadt Wien und Lage im Burgenland
Die Stadt Wien reagiert nach Angaben von Greenpeace zügig auf die Funde. Die MA 28 lässt bereits umfangreiche Laboranalysen durchführen und hat die Kontrollen verschärft. Greenpeace lobt das schnelle Handeln und schickt eine Watsche Richtung Burgenland: „Das sollte man sich dort zum Vorbild nehmen." Im Burgenland herrscht trotz einer seit sechs Monaten aktiven Taskforce weiterhin Unklarheit über das genaue Ausmaß der betroffenen Stellen.
Greenpeace fordert Bundeskanzler Stocker auf, Gelder aus dem Katastrophenfond für die vielen Opfer des Asbest-Skandals bereitzustellen und eine kostengünstige Entsorgungsmöglichkeit für den Asbestschotter zu schaffen. Stadler betonte, dass viele Betroffene bei der Asbest-Entsorgung und der Finanzierung für die Sanierung im Stich gelassen würden. Die interaktive Online-Karte solle dazu beitragen, das Ausmaß des Skandals sichtbar zu machen und Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben.
Mehrere Wohnstraßen im Wiener Bezirk Liesing stehen zudem unter Verdacht. An der Grenze zwischen Wien und Niederösterreich ist knapp ein Kilometer der viel befahrenen Triester Straße betroffen. Die Funde wurden nach Hinweisen aus der Bevölkerung ermöglicht, wie Greenpeace betonte. Die Organisation rief die Bevölkerung erneut auf, weitere Verdachtsfälle zu melden.
Online-Karte und weitere Meldungen
Die nun in Wien dokumentierten Funde markieren nach Einschätzung von Greenpeace eine neue Dimension des Skandals: Erstmals seien dicht besiedelte Gebiete und stark frequentierte Hauptverkehrsadern einer Großstadt betroffen. Stadler sprach von einem „beispiellosen Umweltskandal" und verwies auf die besondere Gefährlichkeit des nun nachgewiesenen Amphibolasbests, der als noch gefährlicher gelte als die in den 1980er-Jahren verbauten Asbestarten.
Greenpeace hat bei mehr als 65 Orten Asbestfunde dokumentiert. Hunderte Betroffene haben sich demnach bei der Organisation gemeldet. Mit der interaktiven Karte sollen weitere Funde systematisch erfasst und öffentlich gemacht werden. Die Karte ist auf der Website von Greenpeace Österreich abrufbar.
Die ungarischen Behörden sind nach Darstellung von Greenpeace bereits aktiv geworden und legen unter Einbindung der Bürger ein Asbestkataster an. Die Organisation fordert die Asbest-Arbeitsgruppe von Bundeskanzler Stocker auf, ein vergleichbares Vorgehen auch in Österreich einzuleiten. Zudem müsse eine kostengünstige Entsorgungsmöglichkeit für den Asbestschotter geschaffen werden.
Herkunft des belasteten Schotters
Greenpeace betonte, dass die MA 28 der Stadt Wien als Vorbild für rasches Handeln dienen könne. Im Burgenland sei die seit sechs Monaten aktive Taskforce bisher nicht in der Lage gewesen, das genaue Ausmaß der betroffenen Stellen zu beziffern. Die Umweltorganisation fordert daher auch auf Landesebene ein schnelleres Vorgehen.
Die Funde in Wien werfen Fragen nach der Verantwortung entlang der Lieferkette auf: Der belastete Schotter stammt aus mittlerweile geschlossenen burgenländischen Steinbrüchen. Die Ausweitung des Skandals auf mehrere Bundesländer und das Nachbarland Ungarn verdeutlicht laut Greenpeace die Dringlichkeit eines bundesweit koordinierten Vorgehens bei der Erfassung, Sanierung und Finanzierung der Asbestbeseitigung.
Fragen & Antworten
Welche Straßen in Wien sind vom Asbest-Fund betroffen?
Greenpeace hat asbesthaltigen Asphalt auf der Wernergasse, Bertegasse, Wastlgasse, Stieglergasse, Anton-Freunschlag-Gasse und der Reibergasse in Wien-Liesing sowie auf der Rosenhügelstraße und der Triester Straße an der Grenze zu Niederösterreich nachgewiesen.
Was fordert Greenpeace von der Bundesregierung?
Die Organisation fordert von Bundeskanzler Stocker die Bereitstellung von Mitteln aus dem Katastrophenfonds für die Betroffenen sowie die Schaffung einer kostengünstigen Entsorgungsmöglichkeit für den Asbestschotter und Untersuchungen wie in Ungarn.
Wie reagiert die Stadt Wien auf die Funde?
Die MA 28 der Stadt Wien lässt umfangreiche Laboranalysen durchführen und hat die Kontrollen verschärft; Greenpeace lobt dieses schnelle Handeln ausdrücklich.
Asbest in Wien: Funde auf acht Straßen – was jetzt passiert | nachrichten360