General Motors hebt Jahresprognose zum zweiten Mal an – Elektro-Rückzug drückt den Nettogewinn
Detroit, 21. Juli 2026
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Kurzfassung
General Motors hat seine Jahresprognose für 2026 zum zweiten Mal angehoben und rechnet nun mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 14 US-Dollar. Gleichzeitig schraubte der Konzern die Nettogewinnprognose wegen milliardenschwerer Sonderbelastungen aus dem Elektrostrategie-Rückzug nach unten.
Der US-Autobauer General Motors (GM) hat am Dienstag seine Jahresprognose für 2026 zum zweiten Mal angehoben und rechnet nun mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 12 bis 14 US-Dollar, während das den Aktionären zurechenbare Nettoergebnis aufgrund hoher Sonderkosten im Zuge des Elektro-Rückzugs gesenkt wurde.
Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
General Motors hat am Dienstag die Zahlen zum zweiten Jahresviertel vorgelegt und zugleich die Jahresprognose für 2026 zum zweiten Mal angehoben. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 3,57 US-Dollar und übertraf ebenso wie der Umsatz von 48,03 Milliarden US-Dollar den Marktkonsens von 3,20 US-Dollar beziehungsweise 47,01 Milliarden US-Dollar deutlich.
Der Umsatz kletterte auf rund 48,0 Milliarden US-Dollar, ein Plus von rund 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das den Aktionären zurechenbare Nettoergebnis brach dagegen um rund 31 Prozent auf 1,3 Milliarden US-Dollar ein, nach 1,9 Milliarden US-Dollar im entsprechenden Vorjahresquartal.
Die bereinigte EBIT-Marge in der Region kletterte auf 8,6 Prozent, ein Anstieg von 2,5 Prozentpunkten gegenüber 6,1 Prozent im Vorjahresquartal. Auch beim bereinigten automobilen Free Cashflow wurde die Spanne von 9,0 bis 11,0 auf 9,5 bis 11,5 Milliarden US-Dollar angehoben.
Milliardenbelastung durch den Elektro-Rückzug
Gleichzeitig senkte der Konzern die Prognose für das den Aktionären zurechenbare Nettoergebnis auf 8,4 bis 9,8 Milliarden US-Dollar, nach zuvor 9,9 bis 11,4 Milliarden US-Dollar. Wie CNBC anmerkt, senkt GM damit bereits das zweite Quartal in Folge die Prognose für diese Kennzahl, während die übrigen Ziele gleichzeitig angehoben werden.
Hintergrund der Anpassung sind milliardenschwere Sonderbelastungen aus dem Kurswechsel in der Antriebsstrategie. Wie CNBC berichtet, hat GM seinen Rückzug aus der Elektromobilität mittlerweile weitgehend abgeschlossen: Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 summierten sich die EV-bedingten Sonderbelastungen auf rund 10,9 Milliarden US-Dollar, wovon rund 4,5 der veranschlagten 7,2 Milliarden US-Dollar an Barmittelbelastungen bereits geflossen sind.
Im zweiten Quartal beliefen sich die Sonderkosten für das zurückgefahrene Elektroauto-Programm auf 2,3 Milliarden US-Dollar. Bereits im Vorjahr hatte die Rückbesinnung auf Verbrennungsmotoren beim Autobauer zu Wertberichtigungen in Milliardenhöhe geführt. Hintergrund sind der Wegfall von Elektroauto-Subventionen sowie Änderungen bei den Emissionsvorschriften, woraufhin große US-Hersteller ihre Modellpalette umstrukturierten.
Trotz der Belastungen zeigte sich das Tagesgeschäft robust. GM steigerte den Umsatz im zweiten Quartal trotz niedrigerer Verkaufszahlen um rund 2 Prozent auf 48 Milliarden US-Dollar. Das Management begründete dies unter anderem mit besser als erwartet laufenden Verkaufspreisen und Kostenentwicklungen.
Ausblick und Strategie des Managements
Managerin Barra will den Schwung nach eigenen Worten bis ins kommende Jahr und darüber hinaus nutzen. In ihrem Brief an die Aktionäre erklärte Konzernchefin Mary Barra, GM International sei - inklusive der China-Joint-Ventures - profitabel gewesen, während die Beteiligungserträge aus den China-Joint-Ventures auf 83 Millionen US-Dollar zulegten, nach 71 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum.
Zudem rückt die im Aktionärsbrief angekündigte Verlagerung von Produktionskapazitäten in die USA in den Fokus, mit der GM seine Zollbelastung weiter senken will. Ebenso wie der für Dezember angekündigte Marktstart der neuen Generationen von Chevrolet Silverado LD und GMC Sierra LD soll dies zur weiteren Ergebnisverbesserung beitragen.
Reaktion an der Börse und Dividende
Unmittelbar nach der Zahlenvorlage schoss die Aktie im vorbörslichen Handel um bis 3,56 Prozent auf 78,50 US-Dollar nach oben, ehe es kurz darauf ruckartig um 3,69 Prozent auf 73,00 US-Dollar abwärts ging. Inzwischen steht im vorbörslichen NYSE-Handel nämlich ein Plus von 1,68 Prozent auf 77,07 US-Dollar an der Kurstafel.
Der Vorstand beschloss zudem eine Quartalsdividende von 0,18 US-Dollar je Aktie, zahlbar am 17. September 2026 an Aktionäre, die zum Handelsschluss am 4. September 2026 im Besitz der Papiere sind. Mit der erneuten Anhebung der operativen Ziele unterstreicht das Management seinen Anspruch, den eingeschlagenen Kurs auch über 2026 hinaus fortzusetzen.
Beobachter werten die gemischten Signale als typisch für eine Phase der strategischen Neuaufstellung. Während das operative Geschäft mit Verbrennern und Hybriden deutlich an Profitabilität gewinnt, müssen die Altlasten der einst forcierten Elektro-Offensive abgeschrieben werden. Die Aufspaltung in zwei gegenläufige Prognoseanpassungen – höhere operative Ziele, niedrigeres Nettoergebnis – spiegelt diese Gleichzeitigkeit wider.
Mit dem für Dezember angekündigten Marktstart der neuen Pick-up-Generationen Silverado LD und Sierra LD setzt GM gezielt auf margenstarke Modelle im nordamerikanischen Kernmarkt. Die Kombination aus besserer Kostendisziplin, Produktionsverlagerung in die USA und einem lukrativen Produktmix soll nach Unternehmensangaben die Grundlage für eine nachhaltige Ergebnissteigerung bilden.
Die kommenden Quartale werden zeigen, ob der Konzern das Tempo der operativen Erholung halten kann, während die verbleibenden Elektro-Sonderkosten die Bilanz weiter belasten. Analysten sehen die Anhebung der Free-Cashflow-Prognose als wichtiges Signal, da Barmittel für Investitionen in neue Antriebstechnologien und zur Bedienung der Aktionäre zentral bleiben.
Der Bericht wurde von Benedict Kurschat von der Redaktion finanzen.ch verfasst und am 21.07.2026 um 13:49:54 Uhr veröffentlicht. Er basiert auf den Quartalszahlen von General Motors sowie auf Berichten und Analysen von CNBC, die die Gemengelage aus Elektro-Rückzug und operativer Stärke einordnen.
Fragen & Antworten
Warum hat General Motors die Nettogewinnprognose gesenkt?
GM senkte die Prognose für das den Aktionären zurechenbare Nettoergebnis auf 8,4 bis 9,8 Milliarden US-Dollar, weil hohe Sonderkosten im Zusammenhang mit dem Rückzug aus der Elektromobilität das Ergebnis belasten. Seit der zweiten Jahreshälfte 2025 summierten sich die EV-bedingten Sonderbelastungen auf rund 10,9 Milliarden US-Dollar.
Welche operativen Kennzahlen hat GM dagegen angehoben?
Der Konzern hob den Ausblick für den bereinigten Gewinn je Aktie auf 12 bis 14 US-Dollar und die Spanne für den bereinigten automobilen Free Cashflow auf 9,5 bis 11,5 Milliarden US-Dollar an. Zudem stieg die bereinigte EBIT-Marge in Nordamerika im zweiten Quartal auf 8,6 Prozent.
Welche neuen Modelle und strategischen Schritte kündigte GM an?
Für Dezember ist der Marktstart der neuen Generation von Chevrolet Silverado LD und GMC Sierra LD geplant. Außerdem kündigte das Unternehmen im Aktionärsbrief an, Produktionskapazitäten in die USA zu verlagern, um die Zollbelastung weiter zu senken.
GM hebt Prognose 2026 an – Q2-Zahlen im Überblick | nachrichten360