Gedenkfeier in Garbsen für die sechs Opfer der Schießerei in Stade
Garbsen, 04. Juli 2026
Bernd Schwabe / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
In Garbsen haben Stadt und Region Hannover eine interreligiöse Gedenkfeier für die sechs Menschen abgehalten, die am Montag in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade erschossen wurden. Ministerpräsident Olaf Lies und Bürgermeister Claudio Provenzano riefen zu Zusammenhalt und Schutz für Beschäftigte der Jugendhilfe auf.
Die Stadt Garbsen und die Region Hannover haben am Samstag mit einer interreligiösen Gedenkfeier der sechs Menschen gedacht, die am Montag in einer Jugendeinrichtung in Stade durch Schüsse getötet wurden.
Die Feier fand am Vormittag im AudiMax eines Schulzentrums in Garbsen statt. Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Religionsgemeinschaften gestalteten die Veranstaltung gemeinsam. Die Stadt Garbsen und die Region Hannover hatten die Bevölkerung zuvor zur Teilnahme eingeladen. Die Veranstaltung bot den Teilnehmenden unter anderem die Möglichkeit, eine Kerze zu entzünden und sich in ein Kondolenzbuch einzutragen.
Unter den Gästen sprach Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies. Er bezeichnete die Tat als „unglaublich“, „brutal“, „grausam“ und „unbegreiflich“. „Diese Frauen und Männer, um die wir heute trauern, haben in einem Bereich gearbeitet, der für unser gesellschaftliches Zusammenleben unverzichtbar ist. Sie haben hingesehen und waren da, wo andere Hilfe suchen“, sagte Lies wörtlich.
Worte des Ministerpräsidenten
Der Ministerpräsident erklärte, die Bürgerinnen und Bürger im Land seien „im ganzen Land vereint“ in Trauer, Fassungslosigkeit und Wut darüber, dass eine solche Tat geschehen konnte. „Es ist unerträglich, und es schmerzt uns alle“, sagte Lies mit Blick auf das Geschehen mitten am Tag in einer Jugendhilfeeinrichtung.
Lies wandte sich zudem an die Beschäftigten in Jugendämtern, Jugendhilfeeinrichtungen und sozialen Diensten, die nach seinen Worten derzeit „mit einem anderen Gefühl zur Arbeit“ gehen. „Mit großer Verunsicherung? Mit Angst? Viele fragen sich, ob sie sind. Dieser Sorgen müssen wir uns annehmen“, so der SPD-Politiker.
„Es ist jetzt unser aller Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diejenigen, die für andere Menschen da sind, mit dieser Verunsicherung nicht allein gelassen werden“, sagte Lies weiter. Er kündigte an, sich für mehr Sicherheit und Unterstützung für die Mitarbeitenden der Jugendhilfe einzusetzen.
Bürgermeister Provenzano: Menschlichkeit muss siegen
Garbsens Bürgermeister Claudio Provenzano schloss sich dem Aufruf zur Anteilnahme an. Er sagte, dass ihn die Tat „sprachlos“ zurücklasse. „Es gibt keine Wörter, um das in irgendeiner Weise zu erklären. Gerade wenn man die Familienangehörigen direkt vor sich hat“, erklärte Provenzano.
Provenzano zufolge hatten zwei der Opfer in der Garbsener Jugendhilfe gearbeitet. Er erklärte, es sei nun am wichtigsten, den Familien zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen. „Die Lösung darf nicht Gewalt sein. Die Menschlichkeit muss am Ende siegen“, sagte der Bürgermeister.
Wie die Polizei mitteilte, beteiligten sich etwa 350 Menschen an einem stillen Trauermarsch. Anschließend fand ein Benefizkonzert statt. Die Erlöse aus dieser Veranstaltung sollen den Hinterbliebenen und der Jugendhilfe zugutekommen.
Stiller Marsch und Benefizkonzert
Auch in Stade selbst hatte es am Nachmittag einen stillen Gedenkmarsch gegeben, dem sich nach Polizeiangaben viele Menschen anschlossen. Im Anschluss gab es ebenfalls ein Konzert, dessen Einnahmen laut Veranstaltern – darunter der Verein „Abend fürs Leben“ – an die betroffene Jugendeinrichtung und die Hinterbliebenen fließen sollen.
Bei der Tat am Montag in Stade hatte ein 45-jähriger Mann sechs Menschen erschossen. Drei von ihnen waren Bewohner der Jugendeinrichtung, drei weitere Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover. Die drei Jugendamtsbeschäftigten hatten sich nach Erkenntnissen der Ermittler zu einem dienstlichen Treffen in der Einrichtung aufgehalten, als sie getötet wurden.
Hintergrund und Ermittlungen
Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten als sechsfachen Mord. Nach Angaben der Polizeidirektion Lüneburg war Hintergrund vermutlich ein Sorgerechtsstreit. In einer Mitteilung hieß es, es lägen „entsprechende Merkmale, insbesondere Heimtücke und niedere Beweggründe vor“.
Der mutmaßliche Täter befindet sich in Untersuchungshaft. Er stammt ebenfalls aus Garbsen. Den Ermittlungen zufolge soll die Schießerei im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um seine junge Tochter stehen.
Auch benachbarte Kommunen reagierten auf die Tat. Burgdorfs Bürgermeister Armin Pollehn erklärte, die Ereignisse in Stade hätten „uns alle tief betroffen gemacht“. Die Stadt Burgdorf kündigte an, den Zugang zu einem Verwaltungsgebäude, in dem das Jugendamt, Schul- sowie Familien- und Kinderbereich untergebracht sind, mit einer angepassten Zugangsregelung kurzfristig besser zu kontrollieren, ohne den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern einzuschränken.
Reaktionen aus der Region
Pollehn wies darauf hin, dass bei den städtischen Beschäftigten das Bedürfnis nach Sicherheit gestiegen sei. Erneut äußerten mehrere Redner die Sorge, dass Fachkräfte der Jugendhilfe ihre Arbeit unter dem Eindruck der Tat verunsichert fortführen müssten. Die Gedenkfeier in Garbsen endete am Samstagvormittag nach den Fürbitten und Ansprachen.
Die Berichterstattung über die Gedenkfeier wurde am 4. Juli 2026 im Programm des Deutschlandfunks gesendet. Die bundesweite Anteilnahme an den Gedenkveranstaltungen in Stade und Garbsen sowie die Hilfszusagen aus Politik und Zivilgesellschaft hielten am Tag der Trauerfeier weiter an. Eine fortdauernde öffentliche Trauer ist nach Einschätzung der Veranstalterinnen und Veranstalter auch in den kommenden Tagen wahrscheinlich.
Über mögliche weitere Gedenkveranstaltungen oder staatliche Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Familien und Einrichtungen wurde zum Zeitpunkt der Berichterstattung nichts Konkretes mitgeteilt. Die Staatsanwaltschaft und die Polizeidirektion Lüneburg wollten sich zum laufenden Ermittlungsverfahren nicht weiter äußern.
Fragen & Antworten
Wofür fand die Gedenkfeier in Garbsen statt?
Die Stadt Garbsen und die Region Hannover luden am 4. Juli 2026 zu einer interreligiösen Gedenkfeier für die sechs Menschen ein, die am 29. Juni 2026 bei einer Schießerei in einer Jugendeinrichtung in Stade getötet worden waren.
Was geschah am Montag in Stade?
Ein 45-jähriger Mann aus Garbsen erschoss nach Polizeiangaben sechs Menschen in einer Jugendeinrichtung in Stade – drei Bewohnende und drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten als sechsfachen Mord.
Wie reagieren Stadt und Land auf die Tat?
Ministerpräsident Olaf Lies forderte mehr Schutz und Unterstützung für Beschäftigte der Jugendhilfe, Bürgermeister Claudio Provenzano rief zu Menschlichkeit und Beistand für die Familien auf. In Burgdorf wurde der Zugang zu einem Verwaltungsgebäude mit Jugendamt verschärft.
Gedenkfeier Garbsen: Trauer um sechs Tote in Stade | nachrichten360