Sechs Tote bei Schüssen in Jugendhilfeeinrichtung in Stade – Verdächtiger soll Waffen in Berlin gekauft haben
Stade, 01. Juli 2026
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Kurzfassung
Bei einer Schießerei in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sind am Montag sechs Menschen getötet worden, darunter drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover. Ein 45-jähriger mutmaßlicher Täter wurde festgenommen; laut NDR-Recherchen soll er die Tatwaffe etwa eine Woche zuvor in Berlin erworben haben.
Bei einem Termin in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat ein 45-jähriger Mann am Montag sechs Menschen erschossen, bevor er auf der Flucht festgenommen wurde; die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von einem sechsfachen Mord aus.
Die Tat ereignete sich am Montag in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade in Niedersachsen. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, erschoss der 45-jährige Verdächtige während eines Termins drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt. Bei den Getöteten handelt es sich den Angaben zufolge um vier Frauen und zwei Männer. Die 34-jährige Mutter der gemeinsamen Tochter des Verdächtigen sowie die Begleiterin des mutmaßlichen Täters blieben unverletzt.
Laut Polizeidirektion Lüneburg war Hintergrund der Tat vermutlich ein Sorgerechtsstreit. Der Tatverdächtige mit türkischer Staatsangehörigkeit hatte demnach einen Termin bezüglich des Sorgerechts für seine drei Monate alte Tochter, die gemeinsam mit ihrer Mutter in der Einrichtung in Stade untergebracht war. Ein Familiengericht hatte zuvor angeordnet, dass das Mädchen zur Mutter zurückkehrt; Mutter und Kind waren am 26. Mai in der spezialisierten Einrichtung in Stade untergebracht worden.
Mögliche Hintergründe: Sorgerechtsstreit und Sorgerechtstermin
Nach Recherchen von NDR soll der mutmaßliche Täter aus Garbsen in der Region Hannover stammen und die Tatwaffe etwa eine Woche vor der Schießerei in Berlin gekauft haben. Demnach habe er auf dem Kurfürstendamm für die Waffe und 21 Schuss Munition rund 4000 Euro bezahlt. Bei der Waffe handelt es sich laut NDR-Berichten um eine Beretta Modell 70. Der Verdächtige sei auf der Flucht gestoppt und festgenommen worden; im Anschluss sei er in eine Justizvollzugsanstalt gebracht worden.
Tatwaffe in Berlin gekauft
Das Amtsgericht Stade erließ am Dienstagnachmittag einen Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes gegen den 45-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord. Eine extra eingerichtete Mordkommission übernahm die Ermittlungen zum Tatgeschehen mit sechs Todesopfern.
Haftbefehl und Mordmerkmale
Bereits am Mittwoch nahm die Mordkommission offiziell ihre Arbeit auf. Die Polizei wertet vor allem Hinweise aus der Bevölkerung aus und bittet Zeugen weiter um Fotos und Videos, die etwas zur Aufklärung der tödlichen Schüsse in der Jugendhilfeeinrichtung am Montag beitragen können. Über das eigens eingerichtete Hinweisportal seien bereits erste Meldungen eingegangen, hieß es vonseiten der Staatsanwaltschaft.
Die 34-jährige Mutter der gemeinsamen Tochter und die Begleiterin des 45-jährigen mutmaßlichen Täters wurden aus dem polizeilichen Gewahrsam entlassen. Die Staatsanwaltschaft stellte für die beiden Frauen keinen Antrag auf Untersuchungshaft. Weder die Eltern noch ihre Rechtsvertreter äußerten sich zum Zeitpunkt der Berichterstattung; das Jugendamt verwies auf laufende Ermittlungen, die Klinik berief sich auf ärztliche Schweigepflicht, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.
Gedenken in Stade und Hannover
Am Abend fand für die Opfer eine Andacht in der St.-Wilhadi-Kirche in Stade statt. Der Andrang von Angehörigen, Kollegen und Feuerwehrleuten war riesig. Der niedersächsische Ministerpräsident Lies sprach in der St.-Wilhadi-Kirche den Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Die Tat mache die gesamte Landesregierung tief betroffen“, sagte Lies. Zugleich bat er darum, keine voreiligen Schlüsse zu ziehen und den Ermittlungen den nötigen Raum zu geben.
Auch in Hannover ist eine Gedenkveranstaltung geplant: Am Mittwoch um 14.00 Uhr soll es in Hannover ein Gedenken für die drei Mitarbeiter der Jugendhilfe der Region Hannover geben. Mit Gebeten, Texten und Musik soll ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt werden, auch für alle Mitarbeitenden der Jugendämter.
Die Region Hannover veröffentlichte eine Erklärung, in der es hieß: „Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die dieses unfassbare Ereignis verarbeiten müssen.“ Zugleich verwies die Behörde auf die tägliche Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe: „Die Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe setzten sich täglich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und begleiteten Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen.“
Politische Reaktionen
Bundeskanzler Merz schrieb im Online-Dienst X, die Nachricht aus Stade erschüttere ihn bis ins Mark. Sein Mitgefühl gelte den Opfern und ihren Angehörigen. Zudem dankte er der Polizei für ihren schnellen Einsatz. Bundespräsident Steinmeier erklärte in Berlin, er sei tief erschüttert über das Ausmaß der Gewalt in einem Raum, der Schutz bieten soll.
Der Deutsche Beamtenbund (DBB) forderte zusätzliche Schutzmaßnahmen für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes. DBB-Vorsitzender Geyer sagte der „Rheinischen Post“: „Seit Jahren weise der Verband auf die wachsende Zahl von Gewalttaten gegen Beschäftigte des öffentlichen Dienstes hin.“ Geyer forderte eine schnelle Aufklärung der Tat und konkrete Schlussfolgerungen.
Vorgeschichte: Schütteltrauma-Verdacht und Strafanzeige
Recherchen von SZ, NDR und WDR zufolge hatte das Mädchen als rund fünf Wochen alter Säugling als Notfall in eine Klinik in Hannover gebracht werden müssen. Ein behandelnder Arzt der Klinik äußerte demnach den Verdacht, das Kind leide an den Folgen eines Schütteltraumas – einer potenziell lebensbedrohlichen Hirnverletzung durch heftiges Schütteln. Die Eltern bestritten diesen Verdacht. Die Staatsanwaltschaft erklärte, Klinikärzte hätten am 22. April Strafanzeige gegen den 45-Jährigen erstattet, weil sie sich unter anderem durch dessen aggressives Verhalten bedroht gefühlt hätten.
Nach der Entlassung aus der Hannoverschen Klinik am 15. Mai habe das Jugendamt die Inobhutnahme des Säuglings veranlasst und das Mädchen zunächst gegen den Willen beider Eltern von diesen getrennt. Recherchen zufolge habe der Vater während der mehrwöchigen Behandlung bei der Polizei angerufen, um eine Notoperation zu verhindern. Die Patentante des Kindes hatte laut NDR drei Tage vor dem Termin in Stade eine schriftliche Stellungnahme an Medien verschickt, in der sie von „Widersprüchen, Ungereimtheiten und unzulänglichen Dokumentationen des medizinischen Personals“ sprach. Sie warf unter anderem einem Mitarbeiter des Jugendamtes vor, falsche Informationen an die Einrichtung weitergegeben zu haben, und behauptete, das Klinikpersonal habe den Vater zu Unrecht als aggressiv und bedrohlich gegenüber Gericht und Jugendhilfeeinrichtung dargestellt.
Der Vater habe dem Beschluss des Familiengerichts teilweise widersprochen, berichten SZ, NDR und WDR. Die Patentante erklärte zudem, das Jugendamt sei über die Darstellung der Eltern zum Unfallhergang nicht vollständig im Bilde gewesen; die Verletzungen seien durch eine unbeabsichtigte heftige Kollision zwischen der Stirn des Vaters und dem Kopf der Tochter im Bett entstanden, wo der Säugling gemeinsam mit den Eltern geschlafen habe.
Diese Nachricht wurde am 01.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Mordkommission ermittelt weiter. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, Hinweise aus dem Hinweisportal sowie eingehende Zeugenvideos und -fotos auszuwerten, um den Ablauf der Tat vollständig zu rekonstruieren.
Fragen & Antworten
Wer sind die sechs Todesopfer der Schüsse in Stade?
Bei den Getöteten handelt es sich um vier Frauen und zwei Männer. Darunter sind drei Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover und drei Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung der Hansestadt Stade.
Woher stammt die Tatwaffe und wann wurde sie gekauft?
Nach NDR-Recherchen soll der 45-jährige Verdächtige die Waffe – eine Beretta Modell 70 – zusammen mit 21 Schuss Munition für rund 4000 Euro auf dem Kurfürstendamm in Berlin gekauft haben, etwa eine Woche vor der Tat.
Wie geht die Staatsanwaltschaft juristisch gegen den Verdächtigen vor?
Das Amtsgericht Stade erließ am Dienstagnachmittag Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes; die Staatsanwaltschaft wertet die Taten aufgrund von Heimtücke und niederen Beweggründen als sechsfachen Mord, und eine Mordkommission übernahm die Ermittlungen.
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