Miami, 17 Juli 2026
Frankreich und England bestreiten am Samstag (23.00 Uhr MESZ/live ServusTV) in Miami das Spiel um den dritten Platz der Fußball-Weltmeisterschaft, nachdem beide Mannschaften im Halbfinale ausgeschieden sind.
Hintergrund
Die Ausgangslage ist ungewöhnlich klar: Weder die Spieler noch die Trainer können sich für die Partie erwärmen. "Niemand von uns oder den Franzosen will dieses Match spielen", sagte Englands Trainer Thomas Tuchel. "Aber das will momentan niemand hören, ich übrigens auch nicht", fügte er hinzu und versprach: "Wir werden uns professionell auf das Spiel vorbereiten." Das dürfte schwer genug sein – glaubt man den Worten von Stürmerstar Harry Kane.
Frankreichs Trainer Didier Deschamps, der die Mannschaft seit 2012 lenkt, sie 2018 zum WM-Titel und 2022 zur Vize-Weltmeisterschaft führte und 2016 EM-Zweiter wurde, zeigte sich nach dem Halbfinale gefasst. "Ich bin sehr glücklich und stolz auf alles, was wir mit der Mannschaft erreicht haben", sagte Deschamps. "Es ist eine große Leistung, das Halbfinale erreicht zu haben."
Duell um den Goldenen Schuh
Hintergrund
Im Mittelpunkt steht für viele Beobachter das Duell zweier Torjäger um den Goldenen Schuh der WM. Der 27-jährige Franzose Kylian Mbappé liegt mit 20 WM-Toren in seiner Karriere nur einen Treffer hinter Lionel Messi. Vor vier Jahren gewann Mbappé den Goldenen Schuh, vier Jahre zuvor war es Kane. Damit könnte die Partie um Platz drei zur entscheidenden Bühne für die individuelle Auszeichnung werden.
Persönliche Rückschläge
Neben der sportlichen Enttäuschung spielt auch das Preisgeld eine Rolle. Der Dritte erhält ein um etwa 1,75 Millionen Euro höheres Preisgeld als der Vierte. Geht das Spiel um Platz drei jedoch verloren, würde eine bis zur 85. Minute andauernde Negativserie ihren Anfang nehmen. Für die beteiligten Mannschaften geht es also durchaus um mehr als nur um Stat und Trost.
Die Kritik am Spiel um Platz drei ist nicht neu. Schon der frühere niederländische Bondscoach Louis van Gaal hatte das Match grundsätzlich in Frage gestellt. "Das sollte niemals gespielt werden", sagte der Niederländer. "Das Schlimmste ist, dass man dadurch eine WM mit zwei Niederlagen nacheinander beenden könnte." Van Gaal hatte valide Argumente – und trotzdem wird das Spiel um Platz drei bei Fußball-Weltmeisterschaften weiterhin ausgetragen.
Ausblick
Persönliche Rückschläge
Für Deschamps verlief das Turnier auch abseits des Platzes belastend. Während der WM starb seine Mutter, für die Beerdigung flog der 57-Jährige zurück nach Frankreich und überließ seinem Assistenten das letzte Gruppenspiel. "Keine Worte sind im Moment stark genug, um dieses Gefühl der Leere im Magen zu überwinden", schrieb der 32-Jährige auf X – womit vermutlich ein Spieler aus dem französischen Kader gemeint war, der den Verlust öffentlich verarbeitete.
Die Stimmung in beiden Lagern bleibt gedämpft. "Wir wollten ins Finale", sagte Tuchel. Die Enttäuschung überwiegt, auch wenn beide Mannschaften wissen, dass am Samstag in Miami noch einmal alles abgerufen werden muss. Ex-Nationalspieler Olivier Giroud brachte die Team-Chemie auf den Punkt: "Er ist für einige Spieler wie ein zweiter Vater. Das war bei mir nicht der Fall, aber er hat mir so oft das Vertrauen gegeben, dass ich ihm das auf dem Platz immer zurückzahlen wollte."
Ausblick
Am Samstagabend wird die Partie in Miami angepfiffen. Beide Trainer haben angekündigt, sich professionell auf das Spiel vorzubereiten – auch wenn die Motivation eine andere ist als bei einem Finale. Für Mbappé und Kane geht es zudem um den Goldenen Schuh, für die Verbände um einen spürbaren Unterschied im Preisgeld. Am Ende bleibt es ein Spiel, das niemand wirklich wollte, das aber dennoch ausgetragen wird.
