Eine vom Justizministerium eingesetzte Expertenkommission hat nach dem Tod eines schwer psychisch kranken Häftlings in der Justizanstalt Hirtenberg am 3. Dezember 2025 einen rund 180-seitigen Bericht mit 78 Reformempfehlungen vorgelegt und vor einer Überlastung des österreichischen Strafvollzugs gewarnt.

Die unabhängige Expertenkommission unter der Leitung von Wolfgang Gratz kommt zu dem Schluss, dass der Tod des Insassen "mit erheblicher Wahrscheinlichkeit" vermeidbar gewesen wäre, wären frühere Empfehlungen der internen Revision und der Volksanwaltschaft früher umgesetzt worden. Der Inhaftierte war zuvor aus der Justizanstalt Stein verlegt worden, wobei laut Kommission wichtige Informationen zu seiner Krankengeschichte nicht weitergegeben wurden. In einer speziell gesicherten Zelle eskalierte die Situation vor einer geplanten Überstellung in eine psychiatrische Klinik.

Was geschah in Hirtenberg?

Der Häftling wurde von Justizwachebeamten fixiert und erlitt dabei schwere Verletzungen, an denen er im Krankenhaus Eisenstadt verstarb. Gegen zwölf Justizwachebeamte wird wegen des Verdachts des Körperverletzung mit Todesfolge unter Missbrauch der Amtsgewalt ermittelt. Der Kommissionsbericht identifiziert vor allem im Umgang mit psychisch kranken Häftlingen schwere strukturelle Defizite.