Die EU-Außenminister beraten bei einem informellen Treffen auf Zypern über weitere Sanktionen gegen Russland, während die Gewalt in der Ukraine mit schweren Angriffen auf Kiew und neuen Drohungen Moskaus eskaliert.
Die Europäische Union wird vorerst keinen Sondergesandten für mögliche Friedensverhandlungen mit Russland im Ukraine-Krieg ernennen. Mehrere hochrangige EU-Beamte und Diplomaten bestätigten der Nachrichtenagentur dpa, dass zunächst Strategiefragen geklärt werden müssten, bevor über eine solche Personalie entschieden werden könne.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und führende Mitgliedstaaten wie Deutschland halten die Ernennung eines Russland-Beauftragten derzeit nicht für sinnvoll. Es wird nicht davon ausgegangen, dass der russische Präsident Wladimir Putin gegenwärtig verhandlungsbereit ist.
Bei dem informellen Treffen der EU-Außenminister auf Zypern sollen weitere Sanktionen gegen Russland vorbereitet werden. Die Beratungen finden vor dem Hintergrund einer dramatischen Eskalation der Kämpfe in der Ukraine statt.
Ukrainische Gegenschläge und russische Drohungen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte nach Beratungen mit seiner Militärführung neue Gegenschläge im russischen Hinterland an. In seiner abendlichen Videoansprache aus Kiew erklärte er, die Angriffe seien notwendig, um Moskau begreiflich zu machen, dass es für seinen Angriffskrieg mit eigenen Verlusten bezahlen müsse.
Die ukrainischen Angriffe zielen insbesondere auf Einrichtungen der russischen Ölindustrie. Kiew will damit Moskaus Einnahmen aus Energieexporten verringern, die für die Finanzierung der Kriegswirtschaft von zentraler Bedeutung sind.
Russland reagierte mit scharfen Drohungen. Das Außenministerium in Moskau kündigte an, die Streitkräfte würden systematische Angriffe gegen militärische und politische Entscheidungszentren in Kiew beginnen. Ausländer wurden aufgefordert, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen.