EU-Abgeordnete fordern Aufklärung von FIFA im Fall Balogun nach Trump-Telefonat
Brüssel, 08 Juli 2026
albinfo / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
Mehrere Mitglieder des Europäischen Parlaments haben einen Brief unterzeichnet, in dem sie die FIFA und Fußballverbände der EU-Staaten auffordern, die Aufhebung der Sperre des US-Spielers Folarin Balogun zu untersuchen. Auslöser war eigenen Angaben zufolge ein Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit der FIFA.
Brüssel, 08 Juli 2026
Mehrere Mitglieder des Europäischen Parlaments haben einen Brief an Fußballverbände in EU-Mitgliedstaaten unterzeichnet, in dem sie Aufklärung darüber verlangen, ob FIFA-Präsident Gianni Infantino in die Aufhebung der Sperre des US-Spielers Folarin Balogun verwickelt war.
Auslöser: Telefonat von Trump
Hintergrund ist ein Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit der FIFA. Nach eigenen Angaben von Trump hatte er den Weltfußballverband gebeten, die Sperre Baloguns zu überprüfen. Das US-Team ist Co-Gastgeber der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft.
Folarin Balogun, US-Fußballer, hatte im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina die Rote Karte erhalten. Die USA gewannen die Partie 2:0. Wegen der Sperre wäre er für das folgende Spiel gegen Belgien nicht spielberechtigt gewesen.
Die FIFA hob die Sperre jedoch überraschend auf. Balogun stand anschließend in der Startelf der US-Mannschaft für das Achtelfinalspiel gegen Belgien, kam dort aber nur zu einer untergeordneten Rolle. Belgien gewann die Partie.
Balogun und die aufgehobene Sperre
Die EU-Abgeordneten wollen nun wissen, ob Infantino in diese Entscheidung eingebunden war und ob Druck der US-Regierung eine Rolle spielte. Der Brief fordert zudem eine Überprüfung des gesamten Entscheidungsprozesses, der zur Aufhebung der Sperre führte.
Nach Angaben aus den Parlamentsbüros hatten den Brief wenige Stunden vor Ablauf der Unterzeichnungsfrist am Mittwochabend mehr als 55 Abgeordnete unterschrieben. APA, die Nachrichtenagentur, hatte zuvor aus Brüssel berichtet.
Brief aus dem EU-Parlament
Zu den Erstunterzeichnern gehören drei Mitglieder des Europäischen Parlaments. Einer von ihnen ist der dänische Sozialdemokrat Niels Fuglsang. Fuglsang sagte wörtlich: „Eine rote Linie wurde überschritten."
Fuglsang sagte weiter: „Fußball sollte Menschen zusammenbringen und nicht als eine Plattform für politische Begünstigung dienen. Wenn der FIFA-Präsident die Grenzen zwischen Sport und Politik verwischt, wird die Integrität des Spiels dadurch riskiert."
Die Abgeordneten berufen sich in dem Brief auf den FIFA-Ethikkodex. Sie vertreten die Auffassung, dass Fußballverbände verpflichtet sind, Amtsträger zur Rechenschaft zu ziehen, wenn Hinweise auf einen Verstoß gegen die politische Neutralität vorliegen.
Reaktionen aus Österreich
Aus Österreich kündigte der ÖVP-Delegationsleiter im Europäischen Parlament, Reinhold Lopatka, seine Unterschrift an. Lopatka sagte: „Entscheidungen am Spielfeld sind zu akzeptieren - von Spielern, Verbänden und erst recht von der FIFA-Spitze selbst. Politische Neutralität ist keine Empfehlung, sondern steht ausdrücklich in den FIFA-Statuten. Sport darf niemals zum Spielball der Politik werden, deshalb sind jetzt auch die nationalen Verbände gefordert, auf volle Transparenz zu drängen."
Auch der SPÖ-Abgeordnete und Sportpolitiker Hannes Heide zählt zu den Unterzeichnern. Heide verwies auf den Standpunkt der UEFA und sagte: „Die UEFA bringt es auf den Punkt: Wer die Verlässlichkeit der Regeln infrage stellt, gefährdet die Integrität des Fußballs."
Heide sagte zudem: „Eine Weltmeisterschaft soll die Welt im Geist des Fußballs zusammenbringen. Wenn Regeln aber offenbar zugunsten eines Gastgeberlandes zurechtgebogen werden, spaltet das und beschädigt das Vertrauen in den Sport. Die FIFA muss jetzt lückenlos offenlegen, wie diese Entscheidung zustande gekommen ist und welche Rolle Gianni Infantino dabei gespielt hat."
Der Aufsichtsratsvorsitzende des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB), Josef Pröll, forderte ebenfalls Aufklärung. Pröll sagte der APA: „Die kolportierten Vorgänge vermitteln zum jetzigen Zeitpunkt ein äußerst bedenkliches Bild und gefährden das Vertrauen in unseren Sport. Jetzt ist die FIFA gefordert, im Sinne des Fußballs die Entscheidung der Gremien und den gesamten Entstehungsprozess lückenlos und transparent offenzulegen."
FIFA verweist auf Unabhängigkeit
Das Trump-Telefonat bei der FIFA hatte international deutliche Kritik hervorgerufen. Kritiker sehen darin einen unzulässigen Eingriff einer Regierung in die Unabhängigkeit des Weltsports. Die FIFA verwies auf die Unabhängigkeit des FIFA-Disziplinargerichts.
Der Brief richtet sich an die nationalen Fußballverbände in EU-Mitgliedstaaten mit der Aufforderung, innerhalb ihrer Möglichkeiten auf eine lückenlose Aufklärung hinzuwirken. Eine direkte Weisungsbefugnis gegenüber der FIFA haben die Verbände nicht.
Die FIFA hat sich bislang öffentlich nicht im Detail zu den Vorwürfen geäußert. Infantino habe laut einer Stellungnahme auf die Unabhängigkeit des FIFA-Disziplinargerichts verwiesen. Ob und wann Stellungnahmen erfolgen, blieb zunächst offen.
Mögliche Folgen für die FIFA
Parallel zur Debatte läuft die Fußball-Weltmeisterschaft weiter. Die USA ist als Co-Gastgeber eines der Teilnehmerländer. Die Kontroverse um das Telefonat, die FIFA-Entscheidung und die politischen Reaktionen aus dem Europäischen Parlament überschatten den sportlichen Wettbewerb.
Sollte sich der Verdacht politischer Einflussnahme bestätigen, könnte dies nach Einschätzung von Beobachtern weitreichende Folgen für die Glaubwürdigkeit der FIFA haben. Der Fall Balogun ist inzwischen zu einem Symbol für die Frage geworden, wie weit politischer Einfluss in den internationalen Sport reichen darf.
Fragen & Antworten
Warum hat die FIFA die Sperre von Folarin Balogun aufgehoben?
Die FIFA hob die Sperre überraschend auf. Die EU-Abgeordneten fordern nun Aufklärung darüber, ob FIFA-Präsident Gianni Infantino in die Entscheidung eingebunden war und ob Druck aus den USA eine Rolle spielte.
Wer hat den Brief im Europäischen Parlament initiiert?
Zu den drei Erstunterzeichnern gehört der dänische Sozialdemokrat Niels Fuglsang. Der Brief wurde von mehr als 55 Abgeordneten unterzeichnet, darunter Reinhold Lopatka (ÖVP) und Hannes Heide (SPÖ).
Was hat Donald Trump nach eigenen Angaben getan?
US-Präsident Donald Trump erklärte, er habe bei der FIFA angerufen und um eine Überprüfung der Sperre des US-Spielers Folarin Balogun nach dessen Roter Karte im Sechzehntelfinale gebeten.
FIFA: EU-Parlament fordert Untersuchung gegen Infantino | nachrichten360