Eskalation zwischen USA und Iran: Weitere Kampfjets verlegt, iranische Vergeltung trifft Nachbarstaaten
Washington/Teheran, 19. Juli 2026
AI-generated image (z-image via Kie.ai)
Kurzfassung
Die USA verlegen zusätzliche Kampfjets und Tankflugzeuge in den Nahen Osten, während der Krieg mit Iran weiter eskaliert. Am Wochenende wurden zwei US-Soldaten in Jordanien getötet, Iran weitete seine Angriffe auf Kuwait und Bahrain aus, und beide Seiten erklärten die im April geschlossene Waffenruhe für beendet.
Washington/Teheran, 19. Juli 2026
Die USA haben zusätzliche F-16- und F-35-Kampfjets sowie Tankflugzeuge in den Nahen Osten verlegt, während der Krieg mit Iran am Golf nach dem Beschuss einer US-Basis in Jordanien mit zwei getöteten Soldaten weiter eskaliert.
Militärische Verlegungen
Die Verlegung von F-16-Kampfjets vom Stützpunkt Spangdahlem in der Eifel sowie von F-35-Maschinen aus dem britischen RAF Lakenheath in den Nahen Osten wurde vom Wall Street Journal und von der New York Times unter Berufung auf US-Regierungsvertreter gemeldet. Wie die New York Times schreibt, war die Entscheidung zur Truppenverlegung bereits getroffen worden, bevor am Freitag zwei amerikanische Soldaten bei einem iranischen Raketenangriff auf eine US-Basis in Jordanien getötet wurden. Auch Tankflugzeuge sind nach Berichten auf dem Weg in die Region.
Bei den beiden getöteten Soldaten handelt es sich um die ersten amerikanischen Todesopfer seit der Unterzeichnung des brüchigen Waffenstillstandsabkommens zwischen Teheran und Washington im April. Eine weitere US-Soldatin oder ein weiterer US-Soldat wird seit dem Angriff vermisst. Laut US-Regionalkommando Centcom starben die beiden Soldaten durch iranischen Beschuss; eine dritte Rakete traf nach Angaben der jordanischen Nachrichtenagentur Petra ein abgelegenes Gebiet ohne Schäden, während israelische und jordanische Streitkräfte eine auf die jordanische Hafenstadt Aqaba am Roten Meer gerichtete iranische Rakete abfingen. Israel hatte zuvor nach eigenen Angaben Raketenbeschuss aus dem Iran auf die Stadt beobachtet.
Amerikanische Vergeltung und Ziele
Am Sonntag führten die USA nach eigenen Angaben Vergeltungsschläge gegen Einheiten der iranischen Revolutionswächter (IRGC) aus, die für die Angriffe in Jordanien verantwortlich gewesen sein sollen. Das US-Militär bezeichnete die neuen Angriffe als „Strafe" für den tödlichen Beschuss der US-Basis in Jordanien. Die Angriffe auf Straßen und Brücken, die in die südiranische Hafenstadt Bandar Abbas führen, zielen nach Einschätzung von Beobachtern darauf ab, die Versorgungsrouten Irans in Richtung der Straße von Hormuz zu kappen. Wie es aus dem Bericht weiter heißt, gibt es konkrete Hinweise auf die Vorbereitung einer US-Bodenoffensive im Südiran, etwa die Angriffe auf Brücken, Schienen und Flughäfen.
Die geografische Reichweite der gegenseitigen Schläge hat sich auf beiden Seiten erhöht. Die Ziele sind nicht mehr nur militärisch: Sowohl im Iran als auch in den Ländern, gegen die er zurückschlägt, wird Infrastruktur angegriffen. Iranische Revolutionswächter haben nach US-Angaben eine Raketenattacke auf einen Luftwaffenstützpunkt in Jordanien ausgeführt. Irans Bodentruppen im Südwesten des Landes meldeten wenige Tage zuvor sieben Tote. Bahrain meldete neue iranische Angriffe; aus Kuwait wurde der Treffer eines Elektrizitätswerks und einer Trinkwasser-Entsalzungsanlage durch iranische Angriffe bekannt.
Regionale Ausweitung der Angriffe
Der Iran hat nach Angaben des iranischen Außenministeriums seine Raketenangriffe ausgeweitet, scheint aber bislang nicht gewillt, seine Verbündeten in den Schlagabtausch einzubinden. Die libanesische Hisbollah-Miliz wie auch die jemenitischen Huthi haben die iranischen Attacken bislang noch nicht flankiert. Laut Reuters hat Irans Führung die Huthi allerdings gebeten, sich für die Option bereitzuhalten, Schiffe in der Meerenge Bab al-Mandab im Roten Meer anzugreifen, falls die USA iranische Energieinfrastruktur angreifen.
Iran hat seine Angriffe auf US-Basen in Kuwait, Bahrain und Jordanien konzentriert. Der Konflikt hatte vor weniger als zwei Wochen begonnen, nachdem iranische Revolutionswächter Schiffe in der Straße von Hormuz angegriffen hatten. Der Iran-Krieg war am 28. Februar gemeinsam von den USA und Israel begonnen worden, Israels Luftwaffe griff Teheran zuletzt Anfang Juni an, nachdem die Revolutionswächter Ziele in Israel attackiert hatten.
Die Gesamtzahl der offiziell bekannten US-Soldaten, die im Krieg gegen Iran getötet wurden, ist nach den jüngsten Vorfällen auf 16 gestiegen. Praktisch gleichzeitig bombardiert die US-Luftwaffe Iran bereits die achte Nacht in Folge. Die USA und Israel haben den Iran-Krieg am 28. Februar gemeinsam begonnen.
Einschätzung der Sicherheitslage
Iran hat nach US-Militärangaben in dieser Phase der Auseinandersetzung noch nicht seine Verbündeten eingebunden. Dennoch warnt Danny Citrinowicz, Leiter der Iran-Abteilung des israelischen Militärgeheimdiensts: „Iran braucht nur eine Rakete oder eine Drohne auf einen Tanker abfeuern und dann ist der Verkehr in der Meerenge wieder lahmgelegt" – die Aktion könne aus dem iranischen Hinterland gestartet werden.
Die iranische Führung geht laut Citrinowicz davon aus, dass die Lage im Land kurzfristig sehr hart sein wird. Doch sie glaubt, dass die steigenden Energiepreise Trump langfristig zum Einlenken bewegen werden. „In den nächsten Tagen werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Eskalation sehen, denn Iran wird nicht nachgeben" – „Sollte sich die Situation in den nächsten Tagen nicht dramatisch verändern, ist eine Eskalation unausweichlich."
Politische Signale aus Washington
Donald Trump hatte im Gespräch mit dem Fernsehsender Fox News eine begrenzte Invasion iranischer Inseln in der Nähe der Straße von Hormuz zumindest nicht ausgeschlossen; wie das Wall Street Journal berichtet, wurden Trump jüngst entsprechende Pläne vorgelegt. Sein Vize J. D. Vance hatte allerdings dem möglichen Einsatz von Bodentruppen in Iran eine Absage erteilt. Trump hatte zudem bereits gedroht, Irans Kraftwerke zu bombardieren; den Worten waren bisher jedoch keine Taten gefolgt. Beim NATO-Gipfel in Ankara erklärte Trump die Vereinbarungen zwar für nichtig, ließ die Tür für weitere Verhandlungen jedoch offen.
Beide Kriegsparteien betrachten sowohl die im April vereinbarte Waffenruhe als auch ein im Juni unterzeichnetes Rahmenabkommen als nichtig. Irans stellvertretender Außenminister erklärte am Samstag, das Interimsabkommen existiere nicht mehr, und Iran fühle sich nicht mehr an seine Verpflichtungen gebunden. Irans Führer Mojtaba Khamenei, der nie öffentlich aufgetreten ist, seit er ernannt wurde, bezeichnete Trumps Unterschrift unter dem Dokument als „wertlos". Die Islamische Republik hat ihren verschwundenen Führer bemüht, aus dem Untergrund heraus das Ende der Waffenruhe zu verkünden.
Humanitäre und diplomatische Folgen
Irans Gesundheitsministerium-Sprecher Hossein Kermanpur bezifferte die Zahl der Verletzten im Iran durch US-Angriffe seit Anfang Juli auf mehr als 500. Eine Meerwasser-Entsalzungsanlage im Südosten des Iran wurde bombardiert, wodurch die Trinkwasserversorgung für 10.000 Menschen unterbrochen wurde. Laut dem staatlichen Statistikbüro stieg die Inflationsrate zwischen Ende Mai und Ende Juni um 4,5 Prozentpunkte auf 88,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Viele Iranerinnen und Iraner können sich laut Medienberichten schon jetzt kaum noch Lebensmittel leisten. Am Freitag hatte der iranische Rial ein neues Allzeittief im Vergleich zum Dollar erreicht.
Aus der Region kommen diplomatische Appelle: Die Vereinigten Arabischen Emirate forderten ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten sowie eine rasche Rückkehr an den Verhandlungstisch, ohne die USA oder Iran namentlich zu nennen. Pakistans Außenminister Ishaq Dar betonte am Wochenende in einem Telefongespräch mit seinem kuwaitischen Amtskollegen die dringende Notwendigkeit zu deeskalieren. US-Präsident Trump nannte die toten US-Soldaten „eine sehr traurige Sache... Wir sehen das ungern" und bekräftigte laut NewsNation, dass Iran keine Atomwaffen haben dürfe. Auf die iranische Haltung reagierte Trump mit den Worten, sie sei ihm „völlig egal".
Die Spirale der Gewalt beschleunigt sich nach Einschätzung von Beobachtern weiter: „Die USA sind militärisch natürlich nicht imstande, das riesige Land einzunehmen", schreibt die Autorin Gudrun Harrer in ihrer Analyse vom 19. Juli 2026. Sie vergleicht den Konflikt mit dem Irakkrieg von 2003: „Der Irak-Krieg 2003 war im Vergleich dazu ein Spaziergang." Weiter heißt es: „Wenn das Regime sich erneut, wie im März, in einem Überlebenskampf wähnt, wird es jeden Schritt der Eskalation mitmachen." Teheran sei mittlerweile davon überzeugt, dass die USA das seltsame „Memorandum", in dem den Iranern so viel versprochen wurde, nie umsetzen wollten, und Teheran unterstelle, dass die USA die Pause nur für neue Kriegsvorbereitungen nutzen wollten. „Eine US-Invasion im Südiran könnte die Pforten der Hölle öffnen", warnt die Analyse.
Die USA haben unterdessen die Blockade iranischer Häfen wieder aufgenommen, was die wirtschaftliche Lage weiter verschärft. Die Temperaturen in der betroffenen Region lagen deutlich über 40 Grad Celsius. Die Kriegsgegner lizitieren einander hinauf, statt zurückzuweichen: Weder die „harte Angriffswelle, mit der die USA den Iran seit Tagen überziehen", noch die iranischen Gegenschläge haben Teheran zum Einlenken bewegt. (Gudrun Harrer, 19.7.2026)
Fragen & Antworten
Wer ist Danny Citrinowicz und welche Rolle spielt er in der Analyse des Konflikts?
Danny Citrinowicz ist der Leiter der Iran-Abteilung des israelischen Militärgeheimdiensts. Er warnt vor einer weiteren Eskalation in den kommenden Tagen und hält sie für unausweichlich, sollte sich die Situation nicht dramatisch ändern.
Warum gelten die Waffenruhe und das Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran als gescheitert?
Sowohl die USA als auch Iran erklärten die im April vereinbarte Waffenruhe und das im Juni unterzeichnete Rahmenabkommen für nichtig. Iran kündigte an, sich nicht mehr an die Verpflichtungen zu halten, und der iranische Außenminister erklärte das Interimsabkommen am Samstag für beendet.
Welche Folgen hat der Konflikt bereits für die Zivilbevölkerung im Iran?
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden seit Anfang Juli mehr als 500 Menschen im Iran durch US-Angriffe verletzt. Zudem wurde eine Entsalzungsanlage im Südosten Irans bombardiert, wodurch die Trinkwasserversorgung für 10.000 Menschen unterbrochen wurde; viele Iranerinnen und Iraner können sich Medienberichten zufolge kaum noch Lebensmittel leisten.
USA-Iran-Krieg: Kampfjets verlegt, Tote in Jordanien | nachrichten360