Eskalation am Persischen Golf: US-Luftangriffe auf den Iran und iranische Vergeltung in Bahrain, Kuwait, Katar und Jordanien
Manama/Teheran/Washington, 09. Juli 2026
Gerd Eichmann / Wikimedia Commons / CC BY 4.0
Kurzfassung
Die USA haben in der Nacht auf Donnerstag rund 90 militärische Ziele entlang der iranischen Küste bombardiert. Iran reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait, Katar und Jordanien, während Luftalarme und Explosionen die Golfregion erschütterten.
Manama/Teheran/Washington, 09. Juli 2026
In einer beispiellosen Eskalation haben US-Streitkräfte in der Nacht zum Donnerstag zum zweiten Mal binnen 24 Stunden iranische Ziele angegriffen, während der Iran mit Drohnen- und Raketenschlägen auf US-Stützpunkte in Bahrain, Kuwait, Katar und Jordanien antwortete.
Zweite US-Angriffswelle gegen den Iran
Die USA flogen in der Nacht auf Donnerstag eine großangelegte zweite Angriffswelle gegen Ziele entlang der iranischen Küste. Nach Angaben des US-Militärkommandos Centcom wurden dabei rund 90 militärische Ziele getroffen, darunter Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen, Raketen- und Drohnenlager, Marineeinrichtungen und militärische Logistikinfrastruktur. Bei den Angriffen seien unter anderem das Gebiet um das iranische Atomkraftwerk in Bushehr sowie zwei Eisenbahnbrücken im Nordosten des Landes getroffen worden.
Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden bei den zwei US-Angriffswellen mindestens 14 Menschen getötet und 78 weitere verletzt. Das iranische Staatsfernsehen IRIB meldete Explosionen an mehreren Orten, darunter in der Provinz Buschehr mit ihrem Atomkraftwerkskomplex, den südlichen Hafenstädten Tschabahar, Konarak, Bandar Abbas und Sirik sowie auf der Insel Abu Musa im Persischen Golf. Auch am Flughafen der Stadt Iranschahr seien Gebäude beschädigt worden.
Iranische Vergeltung in Bahrain und Jordanien
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärten, sie hätten als Reaktion auf die US-Angriffe US-Zerstörer und US-Schiffe vor der Küste Bahrains mit Marschflugkörpern angegriffen. Zudem hätten die Revolutionsgarden am Donnerstag zehn ballistische Raketen auf den jordanischen Militärstützpunkt Azraq abgefeuert. Jordaniens Streitkräfte erklärten, sie hätten acht dieser Raketen abgefangen; durch die Abfangmaßnahmen seien Trümmerteile niedergegangen, aber es sei niemand verletzt worden und keine Sachschäden entstanden.
Aus Bahrain, wo sich das Hauptquartier der 5. Flotte der US-Marine befindet, verlautete ebenfalls, dass Angriffe abgewehrt worden seien. Bahrains Streitkräfte teilten mit, die Flugabwehr habe mehrere iranische Angriffe mit Drohnen und Raketen abgewehrt. Das Innenministerium der Golfmonarchie forderte Bürger und Einwohner auf, Ruhe zu bewahren und sich an einen sicheren Ort zu begeben. In dem Land ertönten am Vormittag wieder die Warnsirenen, wie das Innenministerium mitteilte – es war demnach der dritte Luftalarm an diesem Tag.
Angriffe auf US-Stützpunkte in Kuwait, Katar und Bahrain
Der Golfstaat Bahrain ist offenbar erneut unter Beschuss geraten. Laut iranischen Staatsmedien wurden bei Angriffen "gegen amerikanische Stützpunkte in der Region" ein Patriot-Raketenabwehrsystem in Kuwait, ein Frühwarnsystem in Katar und Treibstofftanks in Bahrain mit zahlreichen Kampfdrohnen ins Visier genommen, berichteten die Staatsmedien.
Kuwaits Streitkräfte meldeten Details zu den nächtlichen Angriffen. Das Land sei mit drei Raketen, zehn Drohnen und einem Marschflugkörper angegriffen worden, die abgefangen worden seien, hieß es. Zudem habe es durch herabfallende Trümmerteile in einigen Orten Schäden gegeben; ein Mensch sei verletzt worden.
Luftalarme heulten am Donnerstag in Kuwait, Katar und Bahrain. In Jordanien griffen iranische Kräfte den Militärstützpunkt Azraq mit ballistischen Raketen an. Später bestätigten die iranischen Streitkräfte Angriffe auf Ziele auch in Katar und Kuwait.
Begründung der US-Seite und Drohungen aus Teheran
Die Angriffe richteten sich laut iranischen Angaben gegen Infrastruktur der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten. Die angegriffene Bahnlinie im Nordosten Irans ist für das Land eine wichtige Verbindung im Handel mit China und Russland. Das US-Militärkommando Centcom erklärte, die neue Militäroffensive ziele darauf ab, die Fähigkeit des Iran zu schwächen, die Freiheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu bedrohen.
Am Vortag hatten die USA nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran angegriffen und dies mit Angriffen auf Handelsschiffe begründet. Irans Streitkräfte haben laut staatlichen Angaben mehrere US-Ziele in der Region attackiert. Die US-Seite äußerte sich zu den neusten Angriffen bislang nicht.
Die Revolutionsgarde drohte mit weiteren Angriffen auf US-Stützpunkte in der Region, sollten die USA weiterhin den Iran angreifen. In einer über das Staatsfernsehen IRIB verbreiteten Erklärung warnte die IRGC, dass der Iran seine Reaktion auf andere US-Basen in der Region ausweiten werde, falls die USA Vergeltungsmaßnahmen ergreifen. Die IRGC ist die Elitestreitmacht des Landes und operiert unabhängig von den regulären iranischen Streitkräften mit eigenen Land-, Marine-, Luft-, Geheimdienst- und Spezialeinheiten.
Politische Reaktionen und diplomatische Bemühungen
Irans Chefunterhändler Ghalibaf erklärte: "Lassen Sie mich eines klarstellen: Wer angreift, wird selbst angegriffen." Auf X schrieb er, die Vereinigten Staaten hätten immer noch nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr ohne Folgen bleiben. Am Donnerstag feuerten die Revolutionsgarden zehn ballistische Raketen auf den jordanischen Militärstützpunkt Azraq ab.
US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch dem Iran vorgeworfen, zuvor getroffene Vereinbarungen zu verletzen. Er sagte auf dem Rückflug vom Nato-Gipfel nach Washington: "Sie verletzen das Abkommen jeden Tag." Zugleich behauptete Trump, der Iran wolle weiterhin ein Friedensabkommen: "Sie haben vor Kurzem angerufen, sie wollen unbedingt ein Abkommen abschließen." Trump erklärte zudem, die mit Teheran vereinbarte Waffenruhe im Rahmen eines US-iranischen Rahmenabkommens zur Beendigung des Krieges gegen den Iran, der am 28. Februar begonnen hatte, sei "vorbei". Trump schlug weitere Verhandlungen über die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner vor.
Nach Angaben des US-Nachrichtenportals Axios, das sich auf US-Regierungsvertreter beruft, bereitet sich das Weiße Haus auf eine mögliche mehrtägige oder sogar mehrwöchige militärische Auseinandersetzung mit dem Iran vor; Dauer und Intensität hingen von den nächsten Schritten Teherans ab. Der Konflikt könne laut Axios ein bis zwei Tage, eine Woche oder einen Monat dauern, je nachdem, ob der Iran seine Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus fortsetze.
UN-Generalsekretär António Guterres rief die Konfliktparteien zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und forderte alle Seiten zur äußersten Zurückhaltung auf. Pakistan fordert alle Seiten nachdrücklich auf, ihre jeweiligen Verpflichtungen aus dem Islamabad-Memorandum of Understanding einzuhalten.
Hintergrund: Trauer um Khamenei
Hintergrund der jüngsten Eskalation sind Trauerfeiern für Irans Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei, die seit dem 4. Juli andauern. Seine Beisetzung ist für Donnerstag im Imam-Reza-Schrein in Maschhad geplant. Laut iranischen Staatsmedien werden in Maschhad Hunderttausende Menschen zum Höhepunkt der Trauerzeremonien erwartet. Chamenei war nach Angaben des Artikels vor mehr als vier Monaten bei einem israelischen Luftangriff getötet worden.
Iranische Staatsmedien hatten bereits zuvor über Angriffe auf die Golfstaaten Kuwait und Bahrain als Reaktion auf Bombardierungen durch das US-amerikanische Militär in den vergangenen beiden Tagen berichtet. Diese Nachricht wurde am 09.07.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
Fragen & Antworten
Welche Ziele wurden im Iran getroffen?
Laut Centcom und iranischen Staatsmedien wurden unter anderem Luftabwehrsysteme, Küstenüberwachungsanlagen, Raketen- und Drohnenlager, Marineeinrichtungen, das Gebiet um das Atomkraftwerk Bushehr und zwei Eisenbahnbrücken im Nordosten des Landes getroffen.
Wie haben die Golfstaaten auf die Angriffe reagiert?
Bahrain, Kuwait und Katar aktivierten Luftabwehr und Luftalarme; Bahrain rief die Bevölkerung erneut zur Ruhe und zum Aufsuchen sicherer Orte auf, und Jordanien erklärte, acht von zehn iranischen Raketen auf den Stützpunkt Azraq abgefangen zu haben.
US-Angriffe auf Iran und Vergeltung in der Golfregion am | nachrichten360