Ebola-Ausbruch im Kongo: Seltener Virenstamm erreicht Berliner Charité
Berlin, 21. Mai 2026
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Kurzfassung
In der Demokratischen Republik Kongo breitet sich das Bundibugyo-Ebolavirus aus, Hunderte Verdachtsfälle und rund 180 Tote sind gemeldet. Ein infizierter US-Arzt wird in der Berliner Charité behandelt, während internationale Forscherteams klinische Studien zu Medikamenten starten.
Ein mit einer seltenen Ebola-Variante infizierter US-Bürger wird seit Mittwoch in der Berliner Charité behandelt, während die Behörden in der Demokratischen Republik Kongo weiterhin einen schweren Ausbruch mit fast 750 Verdachtsfällen und 180 vermuteten Todesfällen bekämpfen.
In der östlichen Unruheprovinz Ituri der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) inzwischen fast 750 Verdachtsfälle und fast 180 mutmaßliche Ebola-Todesfälle registriert (Stand: Freitag, 13 Uhr). Offiziell bestätigt wurden bislang 82 Infektionen und sieben Todesfälle, hinzu kommen 177 ungeklärte Todesfälle. Der Ausbruch findet in einer Region statt, in der nach Kämpfen rund 100.000 Menschen auf der Flucht sind.
Der bereits am Mittwoch in die Berliner Charité aufgenommene US-amerikanische Patient ist ein 39-jähriger Arzt, der sich in der DR Kongo infiziert hatte. Nach Angaben des Universitätsklinikums ist er 'sehr geschwächt', sein Zustand sei jedoch aktuell nicht kritisch und er benötige keine intensivmedizinischen Maßnahmen. Laboruntersuchungen wiesen das Bundibugyo-Virus nach, eine seltene Variante des Ebola-Erregers.
Die Ehefrau und vier Kinder des Patienten befinden sich in getrennter Quarantäne und werden ebenfalls überwacht. Inwieweit sie Kontakt zu dem Erkrankten hatten, teilte die Charité nicht mit.
Bei dem Erreger handelt es sich um die Bundibugyo-Variante, gegen die es bislang keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Die vorhandenen, gegen die Zaire-Variante wirksamen Ebola-Impfstoffe schützen nicht vor diesem Virustyp. Virologe Thomas Geisbert von der University of Texas hat zwar bereits vor zwei Jahren einen an die Bundibugyo-Variante angepassten Impfstoff entwickelt, der bei Affen eine Infektion verhinderte, doch Tests am Menschen stehen noch aus.
Ein seltener Ebola-Strang
Die WHO und die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC beraten derzeit mit internationalen Experten, ob eine klinische Studie mit diesem angepassten Impfstoff in der DR Kongo durchführbar ist. César Muñoz-Fontela vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg warnte unterdessen davor, einen Ebola-Impfstoff unklarer Wirksamkeit flächendeckend einzusetzen.
Zum Vergleich: In den Jahren 2014 und 2015 starben bei einem Ausbruch der Zaire-Variante in Westafrika mehr als 11.000 Menschen, bei insgesamt über 28.000 Fällen. Der aktuelle Ausbruch ist zwar kleiner, jedoch beunruhigend, weil das Virus in einer Konfliktregion zirkuliert und eine neue Variante betrifft.
Die US-Regierung hat kürzlich ein Einreiseverbot für Personen aus der afrikanischen Ausbruchsregion verhängt, mit Ausnahme von US-Bürgern. Berichten zufolge wurde einem Mann aus dem Kongo die Einreise in die USA verweigert. 'Es habe keinen medizinischen Notfall an Bord gegeben', hob die Fluggesellschaft Air France in diesem Zusammenhang hervor.
Internationale Reaktionen und Risikobewertung
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte am Freitag: 'Für den Kongo gelte nun die Risiko-Stufe sehr hoch, für die Region die Stufe hoch und auf globaler Ebene die Stufe niedrig.' Die WHO-Vertreterin für die DR Kongo, Anne Ancia, sagte: 'Ich glaube nicht, dass der Ausbruch in zwei Monaten beendet sein wird.'
Um die Eindämmung zu unterstützen, stellen die Vereinten Nationen rund 60 Millionen Dollar aus einem Notfallfonds bereit und entsenden zusätzliches Personal. Die Regierung des Nachbarlandes Uganda setzte vorsorglich alle Flüge in die DR Kongo aus.
Internationale Forscherteams bereiten klinische Studien vor, um zwei vielversprechende Medikamente am Menschen zu testen. Das Team um die Oxford-Wissenschaftlerin Amanda Rojek wartet dabei auf die behördliche Genehmigung aus der DR Kongo und aus Uganda. 'Wir können schnell loslegen, wir warten nur auf das Okay der Regierungen von Kongo-Kinshasa und Uganda', sagte Rojek.
Hoffnung durch Medikamentenstudien
Die erste Studie untersucht das bereits zugelassene Mittel Remdesivir, das die Virenvermehrung hemmt. Ursprünglich wurde das Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Sciences zur Behandlung von Covid-19 entwickelt und kam 2018 bereits gegen einen anderen Ebola-Typ zum Einsatz, damals allerdings mit nur mäßigem Erfolg. Virologe Geisbert fand jedoch heraus, dass Remdesivir Bundibugyo-Viren in Zellkulturen hemmt.
Die zweite Substanz, MBP 134, besteht aus zwei Antikörpern, die das Virus binden und neutralisieren. In Tierstudien heilte MBP 134 mit Bundibugyo infizierte Affen, auch wenn nur wenige Tiere behandelt wurden. Das Mittel ist noch nicht offiziell zugelassen, wurde aber bereits in Notfallsituationen eingesetzt. Der Hersteller Mapp Biopharmaceutical aus Kalifornien teilte mit, man verfüge über genügend Dosen für eine klinische Studie.
Erste genetische Analysen der von Patienten isolierten Viren deuten darauf hin, dass der Erreger erst kürzlich von einem Tier auf einen Menschen übergesprungen ist. Sollte sich dies bestätigen, wäre der Ausbruch auf ein einzelnes zoonotisches Ereignis zurückzuführen und nicht auf wiederholte Tier-zu-Mensch-Übertragungen.
Ursprung des Ausbruchs und Übertragungswege
Ebola-Viren werden nicht über die Luft, sondern ausschließlich durch direkten Kontakt mit virushaltigen Körperflüssigkeiten übertragen. Infizierte sind zudem erst ansteckend, wenn sie Symptome zeigen – zu diesem Zeitpunkt sind sie in der Regel nicht mehr reisefähig.
Fachleute kritisieren die logistischen Hürden vor Ort. So müssen Blutproben aus dem Kongo teils 1700 Kilometer weit nach Kinshasa geflogen werden, um getestet zu werden. Zwischen 2018 und 2020 wurden in der Region Hunderte Gesundheitszentren angegriffen, damals starben fast 2300 Menschen an Ebola. Diese Erfahrungen erschweren auch den aktuellen Einsatz.
Ebola-Ausbruch Kongo: Patient in Berliner Charité isoliert | nachrichten360