Drei Männer in Lavatunneln unter Mendig gerettet – Polizei warnt vor Betreten
Mendig, 09 Juli 2026
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Kurzfassung
Drei junge Männer aus Nordrhein-Westfalen sind in einem ausgedehnten Tunnelsystem unter der rheinland-pfälzischen Stadt Mendig in Not geraten und von Rettungskräften geborgen worden. Die Polizei warnt eindringlich davor, die unterirdischen Anlagen unbefugt zu betreten, und prüft rechtliche Schritte.
Mendig, 09 Juli 2026
Drei junge Männer aus Nordrhein-Westfalen sind am Mittwochnachmittag aus 32 Metern Tiefe in einem Netz von Lavatunneln unter der rheinland-pfälzischen Stadt Mendig gerettet worden, nachdem sie sich in dem unterirdischen System verirrt hatten.
Vermisste im Untergrund
Die drei Männer waren nach Angaben der Polizei aus Neugier in die Tunnelanlagen eingestiegen, obwohl das Betreten verboten ist. Im weitläufigen Labyrinth, das sich nach Angaben der Behörden durch einen erkalteten Lavastrom unter der Stadt zieht, verloren sie die Orientierung. Wie die Polizei mitteilte, konnten sie noch rechtzeitig einen Notruf absetzen. "Zum Glück konnten sie einen Notruf absetzen", erklärte eine Sprecherin der Polizei.
Der Notruf erreichte die Einsatzleitstelle aus 32 Metern Tiefe. Damit war klar, dass die Vermissten sich tief im Inneren des Stollensystems befanden. Die Retter machten sich umgehend an mehreren Eingängen mit Rufen auf die Suche nach den Vermissten, bis sie schließlich geortet werden konnten.
An der Rettungsaktion waren Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst beteiligt. Unterstützt wurden die Einsatzkräfte von einem Experten des Umweltministeriums, der über Pläne des Tunnelsystems verfügte. Ohne diese Unterlagen wäre die Suche in dem weit verzweigten Gangnetz noch schwieriger gewesen, hieß es.
Rettung mit Expertenwissen
Nach ihrer Bergung wurden die drei jungen Männer medizinisch untersucht. Laut Polizei wiesen sie eine leichte Unterkühlung auf, eine ernsthafte Verletzung schien nach ersten Erkenntnissen nicht vorzuliegen. Die konstant sieben Grad Celsius im Inneren der Gänge seien zwar vergleichsweise mild, dennoch herrsche Lebensgefahr, wenn man sich nicht auskenne.
Die Polizei kündigte an, dass die drei mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Gegen sie wurde Anzeige erstattet. Darüber hinaus müssten die jungen Männer möglicherweise für die Kosten der Rettungsaktion am Mittwochnachmittag aufkommen.
Polizei warnt eindringlich
Die Behörden nutzten den Vorfall, um nochmals eindringlich vor dem unbefugten Betreten der Stollen zu warnen. "Die Polizei warnt eindringlich davor, unberechtigt die unterirdischen Tunnelsysteme zu betreten und damit sein Leben und das Leben der Einsatzkräfte zu gefährden", hieß es in einer Mitteilung.
Unter der Stadt Mendig in der Osteifel, einer Region zwischen Rhein, Mosel und Ahr, erstreckt sich ein rund drei Quadratkilometer großes Netz aus Tunneln und Schächten in 32 Metern Tiefe. Es handelt sich nach Angaben der Stadt um die weltweit größte Basalt-Lavagrube, entstanden durch intensiven Abbau über Jahrzehnte hinweg.
Geschichte der Lavagrube
Der schwarze Basalt stammt aus dem Lavastrom der jüngsten Vulkanausbrüche in der Region. Das Gestein war über Jahrhunderte hinweg ein wertvoller Rohstoff. Im Spätmittelalter begannen die Menschen in Mendig mit dem Abbau des schwarzen Basalts. Über die Jahrhunderte entstand so ein beeindruckendes, aber auch gefährliches unterirdisches Labyrinth.
Die Temperatur in den Stollen liegt nach Angaben der Polizei konstant bei sieben Grad Celsius. Diese gleichmäßige Kühle machte sich früher die Brauindustrie zunutze: In der Mitte des 19. Jahrhunderts lagerten 28 Brauereien der Stadt ihr Bier in den Felsenkellern, weil sie ideale Temperaturbedingungen boten. Von der einstigen Blüte der Bierlagerung zeugen heute nur noch wenige Spuren.
Bierlagerung und Museum
Heute sind die Felsenkeller vor allem ein touristisches Ziel. Das Vulkanmuseum Lava-Dome organisiert Führungen durch zugängliche Bereiche des Stollensystems. Dabei können Besucherinnen und Besucher die Dimensionen des unterirdischen Labyrinths erleben, ohne sich selbst in Gefahr zu begeben. Die organisierten Touren gelten als sicher und folgen klar markierten Wegen.
Die Rettungsaktion verlief nach Angaben der Einsatzkräfte glimpflich. Die drei Geretteten wurden nach der medizinischen Versorgung an der Einsatzstelle an ihre Angehörigen übergeben. Zu ihrem genauen Alter machte die Polizei keine Angaben; lediglich, dass es sich um junge Männer handelt, wurde mitgeteilt.
Die Polizei betonte, dass die Tunnelanlagen über mehrere Eingänge verfügen, die offiziell verschlossen sind. Wer sich dennoch Zutritt verschaffe, gefährde nicht nur sich selbst, sondern auch die Helferinnen und Helfer, die im Ernstfall in die Tiefe vordringen müssten.
Folgen für die Geretteten
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Gefahren, die von scheinbar vergessenen oder verlassenen Industrieanlagen ausgehen. Auch wenn die Tunnel in Mendig kartografiert sind und Experten über Pläne verfügen, bleibt das System für Ortsunkundige ein gefährliches Labyrinth.
Die Ermittlungen gegen die drei jungen Männer dauern an. Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, welche Vorwürfe im Detail erhoben werden. Neben dem Verdacht des Hausfriedensbruchs könnten weitere Delikte im Raum stehen, etwa das Auslösen eines Rettungseinsatzes unter falschen Voraussetzungen oder Verstöße gegen das Bergrecht.
Die Stadt Mendig zeigte sich erleichtert über den glimpflichen Ausgang, verwies aber zugleich auf die bestehenden Verbote. In den kommenden Tagen soll geprüft werden, ob die Sicherungsmaßnahmen an den Zugängen ausreichend sind oder ob nachgebessert werden muss.
Fragen & Antworten
Wer wurde in Mendig aus den Lavatunneln gerettet?
Drei junge Männer aus Nordrhein-Westfalen waren am Mittwochnachmittag aus 32 Metern Tiefe unter der Stadt Mendig in Rheinland-Pfalz geborgen worden, nachdem sie sich in dem weitläufigen Tunnelsystem verirrt hatten.
Wie konnten die Männer gefunden werden?
Die Vermissten setzten selbst einen Notruf ab; Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst suchten mehrere Eingänge ab, unterstützt von einem Experten des Umweltministeriums, der Pläne des Tunnelsystems besaß.
Welche Folgen drohen den Geretteten?
Die Polizei erstattete Anzeige gegen die drei jungen Männer wegen des verbotenen Betretens der Anlagen; zudem müssen sie möglicherweise die Kosten der Rettungsaktion tragen.
Rettung Mendig Lavatunnel: Drei Männer aus 32 Metern Tiefe | nachrichten360