Brühl, 16 Juli 2026

Deutschland und Frankreich haben mit einer gemeinsamen Luftwaffenübung auf dem Fliegerhorst Nörvenich bei Köln ihre im März vereinbarte nukleare Zusammenarbeit erstmals in die Praxis umgesetzt.

Mit einer gemeinsamen Luftwaffenübung haben Deutschland und Frankreich ihre im März vereinbarte Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung erstmals in die Praxis umgesetzt. An dem Manöver nahmen zwei französische Rafale-Kampfjets, die mit Atomwaffen bestückt werden können, und zwei Eurofighter der Bundeswehr teil. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Die Jets trainierten unmittelbar vor dem Deutschlandbesuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Betankung in der Luft durch ein französisches Tankflugzeug. Bei dem Manöver handelt es sich um den ersten sichtbaren Schritt einer umfassenderen Kooperation, die beim deutsch-französischen Ministerrat in Brühl auf den Weg gebracht werden soll.

Am Rande der Tagung des deutsch-französischen Verteidigungsrats soll es am Freitag auf dem Fliegerhorst Nörvenich bei Köln eine weitere Übung geben. Dabei sollen deutsche und französische Soldaten Wartungsarbeiten an den Flugzeugen des jeweils anderen Landes durchführen. Ein Sprecher der Luftwaffe bestätigte der Deutschen-Presse-Agentur die Einzelheiten.

Übung in Nörvenich als Auftakt

Wie aus deutschen Regierungskreisen verlautete, soll der Verteidigungsrat am Freitag als nächsten Schritt beschließen, dass sich im Herbst erstmals deutsche Soldaten an einem französischen Nuklear-Manöver beteiligen. Damit würde die bislang eher symbolische Zusammenarbeit um eine konkrete Beteiligung an französischen Atom-Übungen erweitert.

Macrons Angebot an europäische Partner

Hintergrund der Kooperation ist das Angebot Macrons an europäische Partner, unter den atomaren Schutzschirm Frankreichs zu rücken. Neben Großbritannien ist Frankreich das einzige westeuropäische Land, das über Atomwaffen verfügt. Auch mit der Atommacht Großbritannien hat Frankreich eine nukleare Zusammenarbeit vereinbart.

Sieben weitere Länder haben positiv auf das französische Angebot reagiert: Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden, Dänemark und Norwegen. Neun Länder wollen mit Frankreich kooperieren und so ein Gegengewicht zu möglichen Sicherheitsrisiken in Europa schaffen.

Einbettung in die Nato-Strategie

Die nukleare Partnerschaft zwischen Deutschland und Frankreich war Anfang März von Merz und Macron vereinbart worden. Sie soll die Nato-Abschreckung ergänzen und stärken. In Deutschland sind derzeit US-Atombomben als Teil der nuklearen Abschreckung der Nato stationiert, für deren Einsatz im Ernstfall die Bundeswehr Kampfjets bereitstellt.

Die Übung fand am Fliegerhorst Nörvenich unweit von Köln statt und gilt als politisches Signal anlässlich des anstehenden Besuchs von Frankreichs Präsident Macron in Deutschland. Beobachter werten das Manöver als Bekräftigung des Willens beider Regierungen, die europäische Säule der Abschreckung sichtbar mit Leben zu füllen.

Mit der geplanten Beteiligung deutscher Soldaten an einem französischen Nuklear-Manöver im Herbst würde Deutschland erstmals direkt in eine Übung mit französischen Atomwaffen eingebunden. Damit geht Berlin einen Schritt über die bisherige Rolle als Bereitsteller von Trägerflugzeugen für US-Atomwaffen hinaus.