Deschamps überholt Schön als WM-Rekordtrainer – 26. Turnierspiel gegen Spanien
Dallas, 14. Juli 2026
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Kurzfassung
Didier Deschamps hat mit seinem 26. Spiel als Cheftrainer bei einer Weltmeisterschaft den 48 Jahre alten Rekord von Helmut Schön eingestellt und überboten. Der Franzose ist erst der vierte Trainer, der das WM-Double als Spieler und als Coach gewann.
Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps hat im Halbfinale der WM gegen Spanien im Dallas-Stadion den 48 Jahre alten Rekord von Helmut Schön als Trainer mit den meisten WM-Spielen überholt.
Beim Erreichen seines 26. Spiels als verantwortlicher Coach bei einer Fußball-Weltmeisterschaft zog der 57-Jährige an dem früheren Bundestrainer vorbei. Helmut Schön, der seinen letzten Einsatz vor 48 Jahren bei der WM 1978 hatte, stand 48 Jahre lang an der Spitze dieser Statistik. Die Marke galt in der Fachwelt als eine der am längsten bestehenden Bestmarken des internationalen Fußballs. In Deschamps' 26 WM-Partien ist auch das Gruppenspiel gegen Norwegen mitgerechnet. Von der FIFA wird die Begegnung (4:1) dennoch in Deschamps' offizieller WM-Statistik aufgeführt. Der Franzose stand bei dieser Partie allerdings nicht an der Seitenlinie, weil er nach dem Tod seiner Mutter in die Heimat geflogen war.
Rekord am französischen Nationalfeiertag
Die historische Marke fiel am Nationalfeiertag der Franzosen. Bastille Day, der 14. Juli, gehört zu den wichtigsten Gedenktagen der Republik. Dass ausgerechnet an diesem Datum die Statistik übertroffen wurde, verlieh dem sportlichen Meilenstein zusätzliche symbolische Bedeutung. Zudem handelt es sich bei dem Duell gegen Spanien um ein Halbfinale – also ein Spiel mit direkter Wirkung auf den weiteren Turnierverlauf. Damit steht Deschamps nicht nur statistisch, sondern auch sportlich vor einem möglichen Finaleinzug mit Frankreich.
Schmale Gruppe der Doppelgewinner
Mit dem WM-Double als Spieler und Trainer reiht sich Deschamps in einen erlesenen Kreis ein. Bereits Franz Beckenbauer und Mário Zagallo hatten sowohl als Aktiver als auch als Coach einen WM-Titel gewonnen. Gleich zwei WM-Titel als Coach holte bisher nur Vittorio Pozzo: 1934 und 1938 mit Italien. Deschamps holte den Titel als Spieler 1998 und als Trainer 2018 mit Frankreich. Damit ist er nach Pozzo, Beckenbauer und Zagallo der vierte Coach in dieser Kategorie und der erste mit einem Titel als Spieler und als Trainer bei derselben Nation.
Der Weg zum Rekord verlief nicht geradlinig. Über mehrere Turnierausgaben hinweg baute Deschamps seine Bilanz Stück für Stück aus. Bei der WM 2014 in Brasilien übernahm er eine Mannschaft im Umbruch, ehe er sie 2018 in Russland zum Titel führte. Bei den Turnieren 2022 und auch beim aktuellen Turnier in Nordamerika verpasste Frankreich bislang zwar nicht den Sprung in die späten Runden, die Wegstrecke dorthin war jedoch von Verletzungen und personellen Rückschlägen geprägt. Gerade die Phase um das Gruppenspiel gegen Norwegen, das Deschamps aus familiären Gründen verpasste, zeigt die Belastung des Amts.
Parallel zum Rekord beschäftigt die französische Fußballöffentlichkeit vor allem die Frage der Nachfolge. Nach dieser WM wird er es abgeben – dem Vernehmen nach an Zinédine Zidane. Der ehemalige Weltstar und frühere Real-Madrid-Coach gilt seit Monaten als designierter Nachfolger. Eine offizielle Bestätigung steht zwar aus, doch die Personalie gilt als weitgehend entschieden. Zidane kennt das Umfeld des Verbands aus eigener Erfahrung als Spieler und hat in den vergangenen Jahren mehrfach betont, dass eine Aufgabe als Nationaltrainer Frankreichs für ihn reizvoll wäre.
Zidane als designierter Nachfolger
Der Blick richtet sich damit bereits auf die WM 2026 und die Ära danach. Sollte Deschamps mit Frankreich das Endspiel erreichen, würde er seine Amtszeit mit einem weiteren Höhepunkt beenden. Zugleich würde die Übergabe an Zidane einen Generationswechsel einläuten, der die Equipe Tricolore neu ausrichten dürfte. In Paris beobachtet man die Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit, denn die letzten großen Turniere waren von wechselhaften Leistungen geprägt.
DFB denkt über Klopp nach
Auf deutscher Seite sorgt die Nachfolgefrage ebenfalls für Diskussionen. Wie aus Verbandskreisen durchsickerte, trafen sich DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Red-Bull-Vertreter Oliver Mintzlaff an einem nicht genannten Ort, um über eine mögliche Rolle von Jürgen Klopp als Trainer der deutschen Nationalmannschaft zu sprechen. Klopp ist vertraglich bis 2029 an die österreichische Red-Bull-Gesellschaft gebunden. Mintzlaff soll dem Vernehmen nach am Wochenende nach New York reisen, um das Finale vor Ort zu verfolgen und Klopp dort zu treffen. Klopp ist während des Turniers als Experte für MagentaTV tätig, sein letzter Einsatz ist beim Finale geplant.
Währenddessen steht der englische Nationaltrainer Thomas Tuchel trotz des 2:1-Siegs im Viertelfinale gegen Norwegen in der Kritik. Der frühere deutsche Nationaltorhüter Oliver Kahn nahm den 52-Jährigen in einem LinkedIn-Beitrag in Schutz. 'Die Reaktionen folgten sofort. Und sie verraten mehr über unsere Zeit als über den Fußball', schrieb Kahn, der als langjähriger Torhüter von Bayern München bekannt ist. 'Deshalb beginnt die eigentliche Führungsarbeit nicht nach einem verlorenen Spiel, sondern nach einem gewonnenen.' England trifft im Halbfinale am Mittwoch um 21:00 Uhr auf Argentinien, übertragen wird die Partie von MagentaTV und ARD.
Am Rande des Turniers reichte die britische Menschenrechtsorganisation FairSquare beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Beschwerde gegen FIFA-Präsident Gianni Infantino ein. Der Vorwurf lautet auf wiederholte Verstöße gegen die politische Neutralitätsregel des IOC. Die FIFA äußerte sich bislang nicht zu den Anschuldigungen.
Das Turnier selbst begann am 11. Juni in den Vereinigten Staaten, Mexiko und Kanada und wird mit 48 Mannschaften in zwölf Vorrundengruppen ausgetragen. Die deutsche Mannschaft schied in der Runde der letzten 16 gegen Paraguay aus, was in der Folge personelle Konsequenzen hatte. Julian Nagelsmann hatte den Posten des Bundestrainers zwei Jahre vor Vertragsende verlassen.
Das Finale wird am Sonntag um 21:00 Uhr nach einer etwa anderthalbstündigen Abschlusszeremonie im MetLife-Stadion in East Rutherford angepfiffen. Zu den Künstlern der Show gehören Robbie Williams, Nicole Scherzinger, Laura Pausini, der YouTuber IShowSpeed sowie der kanadische Popstar Justin Bieber in der Halbzeitpause. Die US-amerikanische Sängerin Jennifer Hudson wird nach FIFA-Angaben die US-Nationalhymne singen. Am Eröffnungsabend sind außerdem Coldplay, der nigerianische Musiker Burna Boy, der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel und ein New Yorker Grundschulchor angekündigt.
Fragen & Antworten
Welchen Rekord hat Didier Deschamps gebrochen?
Mit seinem 26. Spiel als Cheftrainer bei einer Fußball-Weltmeisterschaft überholte der 57-jährige Franzose Helmut Schön, dessen Bestmarke 48 Jahre lang Bestand hatte.
In welchem Spiel stellte Deschamps den neuen Rekord auf?
Den Rekord stellte Deschamps im WM-Halbfinale gegen Spanien am 14. Juli im Dallas-Stadion auf, dem französischen Nationalfeiertag.
Wer soll nach der WM 2026 Deschamps als Frankreich-Trainer ablösen?
Nach dieser WM wird er es abgeben – dem Vernehmen nach an Zinédine Zidane. Eine offizielle Bestätigung des französischen Verbands steht aus.