Demokratischer Senatskandidat Platner zieht sich in Maine zurück
Washington, 9. Juli 2026
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Kurzfassung
Der demokratische Senatskandidat Graham Platner hat nach einer Reihe von Skandalen seine Kampagne in Maine ausgesetzt. Die Demokraten verlieren damit eine ihrer besten Chancen auf einen Sitzwechsel im November.
Der demokratische Senatskandidat Graham Platner hat am Mittwoch nach einer Reihe von Skandalen seine Kampagne im US-Bundesstaat Maine ausgesetzt und damit den Republikanern eine ihrer umkämpftesten Senatssitze weitgehend überlassen.
Platner, der im Juni die demokratische Vorwahl in Maine deutlich gegen die amtierende Gouverneurin Janet Mills gewonnen hatte, verkündete seinen Schritt in einem Video auf der Plattform X. „Wir stellen den Wahlkampfbetrieb ein“, sagte der 41-Jährige, der als Austernzüchter und Marineinfanterist angetreten war. Die Entscheidung sei „unglaublich schwer“ gefallen, fügte er hinzu. Zugleich wies er die gegen ihn erhobenen Vorwürfe erneut zurück: „In den letzten Tagen wurden mir einige sehr schwerwiegende Vorwürfe gemacht, und ich möchte nur klarstellen, dass all das falsch ist – und das ist es ganz sicher nicht“, erklärte er mit Blick auf den möglichen Eindruck eines Schuldeingeständnisses.
Rückzug per Video auf X
Der Auslöser für den Rückzug waren Berichte von Politico und CNN, wonach eine Frau Platner vorwirft, sie vor fast fünf Jahren vergewaltigt zu haben. Die Frau schilderte gegenüber Politico, dass Platner im Jahr 2021 betrunken und uneingeladen in ihre Wohnung gekommen sei und sie dort zum Sex gezwungen habe. Sie legte dem Magazin alte E-Mails und Chatnachrichten vor, in denen sie den Vorfall mit ihrer Therapeutin und einer Bekannten besprochen hatte. Platner hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen.
Die „Washington Post“ berichtete zudem, eine frühere Freundin habe ausgesagt, Platner habe beim Sex wiederholt ohne ihre Zustimmung Kondome entfernt. Die „New York Times“ schrieb unter Berufung auf Platners Ehefrau Amy Gertner, dass ihr Mann an Dutzende Frauen anzügliche Nachrichten geschickt habe. Mindestens zwei Ex-Freundinnen warfen dem Kandidaten zudem gewalttätiges Verhalten vor. Platner wies die Vorwürfe entschieden zurück.
Vorgeschichte: Tätowierung und Online-Posts
Bereits vor den Vergewaltigungsvorwürfen war Platners Kampagne durch alte Onlinebeiträge auf der Plattform Reddit belastet, die als homophob und rassistisch kritisiert wurden, sowie durch eine Tätowierung, die einem Symbol der SS ähnelt. Platner erklärte, die Tätowierung während eines Einsatzes in Kroatien erhalten und die Bedeutung nicht gekannt zu haben. Sein Umfeld hatte zudem sein Fehlverhalten in der Vergangenheit eingeräumt und um Vergebung gebeten. Dies begründete er mit Alkoholmissbrauch und psychischen Problemen nach seinen Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan.
Druck aus der eigenen Partei
Führende Demokraten hatten ihn jedoch zum Rückzug aufgefordert und mit dem Entzug von Wahlkampfgeldern gedroht. Der Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, und die Vorsitzende des Senats-Wahlkampfausschusses, Kirsten Gillibrand, erklärten am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme, die Vorwürfe seien „unglaublich verstörend“ und forderten Platner zum Rückzug auf. Auch linke Verbündete wie Senator Bernie Sanders rieten dem Kandidaten zum Ausstieg. Der parteiinterne Druck war so groß, dass Platner, der am Montag offiziell als Kandidat hätte bestätigt werden sollen, nur wenige Tage blieb.
In seinem Video versuchte Platner, sich als Opfer des politischen Establishments darzustellen. „Diejenigen an der Macht haben die Vorwürfe gegen mich als Vorwand genutzt, um uns alles wegzunehmen, was wir für eine Wahlkampagne brauchen“, sagte er. Der 41-Jährige hatte sich in seiner Kampagne als Anti-Establishment-Kandidat positioniert und war wegen seines rasanten Aufstiegs und seiner scharfen Kritik an der politischen Klasse mit US-Präsident Donald Trump verglichen worden. Bei Wählerinnen und Wählern kam er insbesondere bei jungen Männern an – einer Gruppe, die die Demokraten in den vergangenen Wahlen wiederholt an Trump verloren hatten.
Strategische Bedeutung des Rennens
Mit Platners Ausscheiden verlieren die Demokraten eine ihrer realistischsten Chancen auf einen Sitzwechsel. Das Rennen in Maine galt als eine der besten Chancen für die Demokraten, einen Sitz zu gewinnen. Die Republikaner halten dort derzeit eine Mehrheit von 53 zu 47 Sitzen. Um die Senatsmehrheit zu erobern, müssten die Demokraten vier Sitze dazugewinnen. Die seit 1997 amtierende republikanische Senatorin Susan Collins, die als gemäßigt gilt, wurde in dieser Wahlperiode als verwundbar eingeschätzt.
Collins hatte bereits 2020 und 2022 die Wiederwahl geschafft, galt in diesem Zyklus aber laut Beobachtern als anfälliger als sonst. Kamala Harris hatte Maine bei der Präsidentschaftswahl 2024 gegen Donald Trump gewonnen, was den Demokraten zusätzlich Hoffnung gemacht hatte. Ohne einen Sieg in Maine werde es für die Demokraten schwierig, bei den Kongresswahlen im November sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat zu erobern, hieß es in US-Medien.
Suche nach einem Nachfolgekandidaten
Nach dem Landesrecht hat die Demokratische Partei in Maine noch bis zum 27. Juli Zeit, einen neuen Kandidaten zu nominieren. Die Parteiführung kündigte einen Nominierungsparteitag an, ließ aber zunächst offen, wer teilnehmen kann und welche Hürden der oder die designierte Kandidatin überwinden muss. Als mögliche Anwärter werden Shenna Bellows, der ehemalige Gesundheitskommissar Nirav Shah sowie der frühere Senatspräsident des Bundesstaates, Troy Jackson, gehandelt. Auch Dan Kleban, Gründer der Maine Beer Company, gilt als möglicher Kandidat. Jackson, ein ehemaliger Holzfäller, wird politisch als der Platner am nächsten stehende Bewerber eingeschätzt. Gouverneurin Janet Mills, die bereits in der Vorwahl gegen Platner verloren hatte, kommt als Ersatzkandidatin nicht mehr in Frage.
Die Vorgeschichte erinnert an das Jahr 2024, als Joe Biden seine Kandidatur in letzter Minute zurückzog und die Partei anschließend Kamala Harris ohne parteiinterne Vorwahl als Nachfolgerin aufstellte. Damals wie jetzt standen die Demokraten unter Zeitdruck, einen Ersatz zu finden, der die Wählerinnen und Wähler überzeugen kann.
Platners Verteidigung und Vergangenheit
Platner hatte in seiner Kampagne seine Vergangenheit als Soldat betont und offen über psychische Probleme nach seinen Einsätzen gesprochen. In einer Stellungnahme gegenüber der „New York Times“ sagte er, er habe sich „viel zu oft mit Alkohol selbst behandelt“ und sei „weit davon entfernt, ein perfekter Freund“. Sein Team erklärte zudem, die Zahl der betroffenen Frauen sei geringer als berichtet, und die Nachrichten stammten aus der Zeit vor seinem politischen Aufstieg; die Probleme seien mit professioneller Hilfe gelöst worden.
Mit dem Rückzug endet eine der ungewöhnlichsten politischen Aufstiegsgeschichten des aktuellen Wahlzyklus in den USA. Platner, der ohne politisches Amt und ohne vorherige politische Erfahrung als linkspopulistischer Außenseiter angetreten war, hatte in der Vorwahl im Juni ein klares Mandat der demokratischen Basis erhalten. Die schnelle Folge von Skandalen habe ihn letztlich eingeholt, kommentierten US-Medien. In seiner Videobotschaft kündigte Platner an, er werde die Unterlagen für seinen Rückzug einreichen und sich nun Zeit nehmen, um zu überlegen, was das Beste für Maine sei.
Die kommenden Wochen gelten als entscheidend dafür, ob die Demokraten in Maine noch einen schlagkräftigen Kandidaten ins Rennen schicken können. Die kurze Frist bis zum Nominierungsparteitag und die unklare Kandidatenlage erhöhen den Druck auf die Parteiführung. Beobachter werten den Fall als warnendes Beispiel dafür, wie rasch ein vermeintlicher Vorteil im Wahlkampf durch persönliche Skandale zunichtegemacht werden kann.
Fragen & Antworten
Wer ist Graham Platner?
Graham Platner ist 41 Jahre alt, Marineinfanterist und Austernzüchter aus Maine, der im Juni die demokratische Vorwahl für den US-Senat gewann und als linkspopulistischer Außenseiter gegen die republikanische Senatorin Susan Collins antreten wollte.
Warum hat Platner seine Kandidatur zurückgezogen?
Platner zog seine Kandidatur nach Berichten über Vergewaltigungsvorwürfe und Vorwürfe wegen gewalttätigen Verhaltens durch mehrere Ex-Freundinnen zurück, nachdem führende Demokraten ihm mit dem Entzug von Wahlkampfgeldern gedroht hatten.
Wie geht es für die Demokraten in Maine nun weiter?
Die Demokratische Partei in Maine kann laut Landesrecht bis zum 27. Juli einen neuen Kandidaten auf einem Nominierungsparteitag bestimmen; im Gespräch sind unter anderem Shenna Bellows, Nirav Shah, Troy Jackson und Dan Kleban.
Platner Rückzug Maine: Demokratischer Senatskandidat gibt | nachrichten360