Dan Jarvis neuer britischer Verteidigungsminister nach | nachrichten360
Dan Jarvis folgt auf John Healey als britischer Verteidigungsminister
London, 12. Juni 2026
Chris McAndrew / Wikimedia Commons / CC BY 3.0
Kurzfassung
Der britische Premierminister Keir Starmer hat Dan Jarvis zum neuen Verteidigungsminister ernannt. Der bisherige Amtsinhaber John Healey war zuvor wegen eines Streits über den Verteidigungsetat zurückgetreten. Die Personalentscheidung fällt in eine Phase wachsender politischer Spannungen in der Labour-Partei.
Der britische Premierminister Keir Starmer hat den Labour-Politiker Dan Jarvis zum neuen Verteidigungsminister ernannt und damit die Nachfolge von John Healey angetreten, der zuvor wegen eines Streits über den Verteidigungsetat zurückgetreten war.
Hintergrund des Rücktritts
Die britische Regierung gab die Ernennung am späten Donnerstagabend bekannt. Jarvis tritt damit die Leitung des Verteidigungsministeriums in einer Phase an, in der die britische Regierung nach eigenen Angaben seit mehreren Wochen in einer Krise steckt. Healey hatte sein Amt am Donnerstagmittag niedergelegt und seinen Rücktritt in einem Brief an den Premierminister begründet, den er auf der Plattform X veröffentlichte.
Healey war seit dem Amtsantritt der Labour-Regierung im Jahr 2024 Verteidigungsminister und galt in den vergangenen Wochen als loyaler Minister Starmer. In seinem Schreiben warf er dem Premierminister und dem Finanzministerium vor, nicht die nötigen Mittel für sein Ressort bereitgestellt zu haben. Verhandlungen über eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben liefen laut den vorliegenden Informationen seit Monaten ohne Einigung.
In dem Brief begründete Healey seinen Schritt mit den Haushaltsplänen des Premierministers für den Verteidigungsbereich. Diese lägen „weit unter dem, was für die Verteidigung und das Land in dieser gefährlichen Zeit notwendig ist“. Ohne einen Haushalt, der den Herausforderungen gerecht werde, sei er „gezwungen, Entscheidungen zu treffen, die die Bereitschaft unserer Streitkräfte verringern würden und das Risiko für Menschen im Einsatz erhöhen würden und das Land weniger sicher machen“. Healey erklärte zudem, die Investitionsplanung der Regierung sei bereits im Januar finalisiert worden. Seitdem seien der Premier und das Finanzministerium nicht in der Lage oder nicht willens gewesen, „die Mittel bereitzustellen, die das Land in dieser Zeit wachsender Bedrohungen zur Verteidigung benötigt“.
Starmers Antwort und die Verteidigung der Haushaltspläne
Premierminister Starmer wies die Vorwürfe in einem auf der Regierungswebsite veröffentlichten Brief zurück. Er schrieb, der Verteidigungshaushalt werde „auf nachhaltige Weise für einen beispiellosen Anstieg der Verteidigungsausgaben“ sorgen. Die britische Regierung habe „eine Situation vorgefunden, in der unsere Streitkräfte jahrelang unterfinanziert und vernachlässigt worden waren“ – eine Anspielung auf die vorherige konservative Regierung. Der Haushalt werde „die Ressourcen bereitstellen, die unser Militär benötigt, um uns zu schützen, und die Klarheit bieten, die die britische Verteidigungsindustrie für ihre Planung benötigt“.
Zugleich verwies Starmer auf die außenpolitischen Aktivitäten der Regierung. „Unsere Arbeit an der Spitze der Koalition der Willigen in der Ukraine, die Verteidigung unserer Verbündeten am Golf und die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Nationen an einem Plan für die Straße von Hormus haben dazu beigetragen, die Welt sicherer zu machen“, schrieb er. Er sei „fest entschlossen, das krisengebeutelte Großbritannien wieder aufzubauen“ und fügte hinzu: „Es tut mir leid, dass Du nicht an dieser Arbeit mitwirken wirst.“ Zugleich bekräftigte er: „Ich werde stets das Notwendige tun, um die Sicherheit unseres Landes zu gewährleisten.“
Der neue Mann im Verteidigungsministerium
Mit Dan Jarvis übernimmt ein profilierter Sicherheitspolitiker das Amt. Jarvis ist Absolvent der Militärakademie Sandhurst und wurde nach seiner Ausbildung als Offizier im Fallschirmjägerregiment in den Einsätzen in Kosovo, Nordirland, Irak und Afghanistan verwendet. Er studierte Internationale Politik und Strategische Studien an der walisischen Universität Aberystwyth. Nach seiner Zeit beim Militär trat er in die Politik ein und wurde laut eigener Darstellung auf seiner Website als erster Mensch seit dem Zweiten Weltkrieg entlassen, der seinen Offiziersrang aufgab, um bei einer Nachwahl für das Parlament zu kandidieren.
Jarvis zog 2011 erstmals als Abgeordneter für den Wahlkreis Barnsley Central in das britische Unterhaus ein. Zwischen 2011 und 2015 bekleidete er verschiedene Positionen innerhalb der Fraktion. 2018 wurde er zum ersten Bürgermeister von South Yorkshire gewählt. Von 2017 bis 2019 gehörte er dem Gemeinsamen Ausschuss für die nationale Sicherheitsstrategie an. Bei der Wahl 2024 errang er das Mandat im Wahlkreis Barnsley North. Vor seiner Ernennung zum Verteidigungsminister war er als Minister of State im Innenministerium und im Kabinettsministerium tätig. In politischen Analysen wird er als Sicherheitsexperte mit militärischer Erfahrung beschrieben.
Politische Krise in der Labour-Partei
Die Personalentscheidung fällt in eine politisch angespannte Phase für Premier Starmer. Nach dem Debakel seiner Labour-Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai sieht er sich mit Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen konfrontiert. Beobachtern zufolge schwinden seine Chancen, im Amt zu bleiben, durch den Rücktritt Healeys weiter. Bereits Mitte Mai war Gesundheitsminister Wes Streeting zurückgetreten, der ebenfalls angekündigt hat, Starmer als Parteichef und Regierungschef herauszufordern.
Auch John Healey war in den vergangenen Wochen als möglicher Herausforderer Starmers gehandelt worden. Viele Beobachter in Großbritannien hielten allerdings einen Zusammenhang zwischen seinem Rücktritt und möglichen Ambitionen auf den Parteivorsitz für unwahrscheinlich. Healey selbst begründete seinen Schritt ausschließlich mit der unzureichenden Mittelausstattung für den Verteidigungshaushalt.
Der Streit um den Wehretat
Die Labour-Politiker Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester, bereitet derweil eigenen Angaben zufolge den Einzug ins Unterhaus vor, um Starmer als Parteichef und Regierungschef herauszufordern. Im Wahlkreis Makerfield findet am kommenden Donnerstag eine Nachwahl statt, bei der Burnham einen Sitz im House of Commons erlangen könnte. Beobachter sehen darin eine Möglichkeit, Starmers Position weiter zu schwächen. Der Politologe und Politikwissenschaftler von Ondarza erklärte, in Großbritannien bestehe ein parteiübergreifender Konsens zur Unterstützung der Ukraine; Starmer habe das Land zudem pro-europäisch positioniert.
Hintergrund des Konflikts ist das von der britische Regierung ausgegebene Ziel, die Verteidigungsausgaben bis 2030 auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Starmer hatte zudem versprochen, bis 2027 eine Schwelle von 2,5 Prozent des BIP zu erreichen. Healey erklärte, dieses Ziel werde mit den bisherigen Plänen klar verfehlt. Viele im britischen Militär halten den geplanten Zeitrahmen für die Steigerung der Verteidigungsausgaben für zu langsam.
Die Nachricht über die Ernennung von Jarvis wurde am 12. Juni 2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die britische Regierung kündigte die Personalie am Abend an, einen Tag nach Healeys Rücktritt. Der Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums gilt Beobachtern zufolge als weiterer Rückschlag für Premierminister Starmer in einer ohnehin krisengebeugten Regierungsphase.
Ausblick auf die kommenden Tage
Beobachter werten die Berufung von Jarvis als Signal der Kontinuität in der Sicherheitspolitik. Mit seiner militärischen Laufbahn und seiner Erfahrung im Bereich nationale Sicherheit bringe er die fachlichen Voraussetzungen mit, um das Ressort in einer Phase wachsender Bedrohungen zu führen. Offen bleibt, ob es Jarvis gelingt, die seit Monaten festgefahrenen Verhandlungen über den Verteidigungshaushalt mit dem Finanzministerium wieder in Gang zu bringen. Damit hängt auch die Frage zusammen, ob die Streitkräfte die für 2030 angekündigte Schwelle von drei Prozent des BIP tatsächlich erreichen können.
Fragen & Antworten
Wer ist Dan Jarvis und welche Erfahrung bringt er mit?
Dan Jarvis ist ein britischer Labour-Politiker und Absolvent der Militärakademie Sandhurst, der als Offizier im Fallschirmjägerregiment in Kosovo, Nordirland, Irak und Afghanistan diente. Er war Minister of State im Innen- und im Kabinettsministerium und gehört seit 2011 dem Unterhaus an, zunächst für Barnsley Central und seit 2024 für Barnsley North.
Warum ist John Healey als Verteidigungsminister zurückgetreten?
John Healey erklärte seinen Rücktritt mit den Verteidigungshaushaltsplänen von Premier Starmer, die er als unzureichend für die aktuellen Bedrohungen bezeichnete. Er warf dem Premier und dem Finanzministerium vor, nicht die nötigen Mittel für die Landesverteidigung bereitgestellt zu haben.
Welche Folgen hat der Rücktritt für Premierminister Starmer?
Beobachter werten den Rücktritt als weiteren Rückschlag für Starmer, der bereits nach den schlechten Wahlergebnissen seiner Partei im Mai und nach dem Rücktritt von Gesundheitsminister Wes Streeting unter Druck steht. Beobachtern zufolge schwinden seine Chancen, im Amt zu bleiben, durch den Verlust Healeys weiter.