CDU-Kandidat Marcus Hoffmann gewinnt Oberbürgermeisterwahl in Aue-Bad Schlema
Aue-Bad Schlema, 08. Juni 2026
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Kurzfassung
Marcus Hoffmann (CDU) hat die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Aue-Bad Schlema gegen den Kandidaten der rechtsextremen Partei Freie Sachsen, Stefan Hartung, gewonnen. Hoffmann erreichte 5.007 Stimmen, Hartung kam auf 4.499 Stimmen – bei einer Wahlbeteiligung von 62 Prozent.
Der CDU-Kandidat Marcus Hoffmann hat die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt in Aue-Bad Schlema am Sonntag mit 5.007 zu 4.499 Stimmen gegen den Kandidaten der rechtsextremen Partei Freie Sachsen, Stefan Hartung, gewonnen.
Wahlausgang und Stimmenverteilung
Marcus Hoffmann (41), der im Bauamt der Stadt arbeitet, setzte sich in der Stichwahl am Sonntag mit 5.007 Stimmen gegen Stefan Hartung (37) durch, der auf 4.499 Stimmen kam. Das vorläufige Ergebnis wurde am Abend von der Stadt bekanntgegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 62 Prozent und damit leicht höher als vier Wochen zuvor im ersten Wahlgang. Zur Wahl aufgerufen waren rund 15.400 Einwohnerinnen und Einwohner der sogenannten Großen Kreisstadt im Südwesten Sachsens.
Am Wahlabend führte zunächst Hartung, bis die Briefwahlstimmen ausgezählt waren und Hoffmann ihn überholte. Im ersten Wahlgang am 10. Mai hatte keiner der insgesamt fünf Kandidaten die erforderliche Mehrheit erreicht. Damals lag Hartung mit 29,0 Prozent vorn, Hoffmann folgte mit 23,6 Prozent. Danny Weber von der Freien Wählervereinigung erhielt 22,5 Prozent, der AfD-Kandidat Lars Bochmann kam auf 18,5 Prozent und Tony Neuß von Die Linke auf 6,4 Prozent.
Erster Wahlgang und Ausgangslage
Vor der Stichwahl zogen Weber, Bochmann und Neuß ihre Kandidaturen zurück. Damit stand am Sonntag nur noch das Duell zwischen Hoffmann und Hartung zur Wahl. Beobachterinnen und Beobachter sahen die Ausgangslage mit Spannung, da in Aue-Bad Schlema erstmals ein früheres NPD-Mitglied Chancen auf ein Oberbürgermeisteramt hatte. Auch überregional sorgte die Wahl für Aufmerksamkeit, unter anderem berichtete die New York Times.
Profil der Freien Sachsen
Hartung ist Mitgründer und Landesvize der Partei Freie Sachsen, die sowohl vom sächsischen Landesamt für Verfassungsschutz als auch vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird. Das sächsische Landesamt beschreibt die Partei in seinem Jahresbericht für 2024 als „Partei organisierte Gruppierung von Neonationalsozialisten, Die-Heimat-Funktionären und weiteren Szeneangehörigen oder -sympathisanten“. Unter anderem strebe die Partei mehr Autonomie für den Freistaat Sachsen oder sogar einen „Säxit“ an.
Laut Bundesamt für Verfassungsschutz sehen die Freien Sachsen „die politischen Prozesse in erster Linie als nützliches Werkzeug zur Vorbereitung eines Systemwechsels“. Die Partei hat nach eigenen Angaben rund 1.200 Mitglieder und organisiert wiederkehrende öffentliche Proteste, darunter Fackelmärsche gegen Asylbewerberunterkünfte. Ihr Konzept von Sachsen geht über die heutigen Landesgrenzen hinaus und orientiert sich an den Grenzen des früheren Königreichs Sachsen.
Reaktionen am Wahlabend
Am Wahlabend zeigte sich Hoffmann erleichtert. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte er: „Nach den anstrengenden Wochen ist jetzt schon ein Stein vom Herzen gefallen, dass es jetzt erst mal vorbei ist. Mit dem positiven Ende ist es natürlich noch schöner.“ Er kündigte an, nun Sekt und Bier trinken zu wollen. Hoffmann ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Gleichzeitig signalisierte der Sieger Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem unterlegenen Kandidaten. Auf die Frage, ob er auch auf Hartung zugehen werde, sagte Hoffmann: „Ja natürlich, wir müssen zusammenarbeiten. Konkret im Stadtrat.“ Er werde die Hand ausstrecken, betonte der neue Oberbürgermeister.
Hartungs Einordnung der Niederlage
Hartung gehört dem Stadtrat und dem Kreistag an und kündigte ebenfalls an, im Sinne der Stadt mit dem neuen Rathauschef kooperieren zu wollen. Er wünschte Hoffmann „im Sinne unserer Stadt ein glückliches Händchen“. Zugleich äußerte er die Überzeugung, dass viele Wählerinnen und Wähler nicht Hoffmanns Programm, sondern das Ziel unterstützt hätten, ihn selbst zu verhindern. „Also er ist nicht für sich und sein Programm gewählt worden von vielen, sondern man hat ihn aus der Not heraus gewählt, würde ich jetzt mal sagen. Das ist leider dann auch kein gutes Omen“, sagte Hartung.
Der unterlegene Kandidat zeigte sich traurig über die Niederlage, verwies aber darauf: „aber andererseits ist man mit so einem Ergebnis gemessen daran, was einem für eine politische Übermacht gegenüberstand, auch kein Verlierer“. Hartung war jahrelang Funktionär der NPD, die inzwischen Die Heimat heißt.
Ausblick auf die Amtszeit
Der bisherige Amtsinhaber Heinrich Kohl (CDU) stand altersbedingt nicht erneut zur Wahl. Kohl ist seit 1999 Oberbürgermeister der Stadt Aue, die 2019 mit Bad Schlema zur heutigen Großen Kreisstadt Aue-Bad Schlema fusionierte. Mit dem Sieg von Hoffmann bleibt die Stadt in CDU-Hand. Aue-Bad Schlema hat rund 19.000 Einwohnerinnen und Einwohner und liegt im Erzgebirge, einer Region, die bundesweit für ihre Bergbautradition, das Handwerk und den Wintersport bekannt ist.
Im kommenden Jahr richtet Aue-Bad Schlema die Sächsische Landesgartenschau aus, die als eines der größten Projekte der kommenden Jahre gilt. Hoffmann steht damit vor der Aufgabe, die Stadt auf dieses Großereignis vorzubereiten. Er wird sein Amt als Oberbürgermeister antreten, sobald das amtliche Endergebnis festgestellt ist. Weitere Informationen folgen.
Diese Nachricht wurde am 07.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet. Die Stadt Aue-Bad Schlema kündigte an, das amtliche Endergebnis in den kommenden Tagen offiziell festzustellen. Bis dahin gilt das vorläufige Ergebnis.
Fragen & Antworten
Wer ist Marcus Hoffmann?
Marcus Hoffmann ist 41 Jahre alt, arbeitet im Bauamt der Stadt Aue-Bad Schlema und ist Mitglied der CDU. Er hat die Stichwahl am Sonntag mit 5.007 Stimmen gegen den Kandidaten der Freien Sachsen gewonnen.
Wer ist Stefan Hartung?
Stefan Hartung (37) ist Mitgründer und Landesvize der rechtsextrem eingestuften Partei Freie Sachsen, war früher NPD-Funktionär und sitzt im Stadtrat sowie im Kreistag. Er erreichte in der Stichwahl 4.499 Stimmen.
Was ist das Besondere an dieser Wahl in Aue-Bad Schlema?
Zum ersten Mal hatte in der Großen Kreisstadt ein Kandidat mit NPD-Vergangenheit und Funktionärsrolle bei einer vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei Chancen auf das Oberbürgermeisteramt. Die Wahl wurde auch überregional, unter anderem von der New York Times, aufgegriffen.
OB-Wahl Aue-Bad Schlema: CDU siegt knapp gegen Freie Sachsen | nachrichten360