Bundeswehr zieht erste Bilanz des neuen Wehrdienstes: 298.200 Anschreiben, 530 Freiwillige
Berlin, 25 Juni 2026
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Kurzfassung
Fünf Monate nach Start der neuen Wehrerfassung hat das Verteidigungsministerium eine erste Zwischenbilanz gezogen: Rund 298.200 Fragebögen wurden an junge Menschen verschickt, etwa 530 Freiwillige sollen 2026 ihren Dienst antreten. Die Zahl der Bewerbungen stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp 24 Prozent.
Berlin, 25 Juni 2026
Das Bundesverteidigungsministerium hat fünf Monate nach Beginn der neuen Wehrerfassung eine erste Zwischenbilanz vorgelegt und dabei rund 298.200 versendete Fragebögen, etwa 1.500 Musterungen und etwa 530 feste Einstellungszusagen für den Wehrdienst im Jahr 2026 gemeldet.
Wehrerfassung seit Januar 2026
Seit Januar 2026 werden in Deutschland junge Menschen, die im Laufe des Jahres volljährig werden, von der Bundeswehr angeschrieben und nach ihrer Bereitschaft für einen möglichen Wehrdienst befragt. Das Bundesverteidigungsministerium veröffentlichte am Mittwoch eine erste Auswertung dieser sogenannten Wehrerfassung, die als Grundlage für den neuen Wehrdienst dient.
Bis Mitte Juni seien insgesamt rund 298.200 Fragebögen an junge Männer und Frauen verschickt worden, wie aus der Mitteilung hervorgeht. Gut die Hälfte der Anschreiben richtete sich demnach an volljährig werdende Männer. Für die etwa 153.000 angeschriebenen Männer war die Beantwortung des Fragebogens verpflichtend.
Nach Angaben des Ministeriums schickten rund 96 Prozent der angeschriebenen Männer den Fragebogen fristgerecht zurück. Erst nach einer Mahnung erreichte die Rücklaufquote nach früheren Angaben den Wert von 96 Prozent; ohne Mahnung lag sie demnach zunächst bei etwa 90 Prozent. Aus dieser Gruppe hätten etwa 25 Prozent ein erstes Interesse an einem Dienst bei der Bundeswehr bekundet.
Hohe Rücklaufquote bei Männern
Auf Grundlage der Rückmeldungen wurden laut Ministerium "rund 1500 Musterungen bzw." durchgeführt. Von den Gemusterten seien etwa 80 Prozent als wehrdienstfähig eingestuft worden. Am Ende erhielten etwa 530 junge Männer eine feste Einstellungszusage für den Wehrdienst im laufenden Jahr.
Das Verteidigungsministerium betonte zugleich, dass viele der angeschriebenen 18-Jährigen noch in Schule oder Ausbildung steckten und daher derzeit nicht für einen Dienst zur Verfügung stünden. Eine telefonische Kontaktaufnahme mit Interessenten habe zudem gezeigt, dass danach nur noch 12,5 Prozent weiterhin Interesse bekundeten.
Bewerbungen steigen um ein Viertel
Unabhängig von den Fragebögen gingen im laufenden Jahr rund 38.500 Bewerbungen für den neuen Wehrdienst ein. Das entspricht einem Plus von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Neueinstellungen stieg laut Ministerium um 13 Prozent auf rund 11.000.
Für 2026 plant das Ministerium unabhängig von den Fragebögen rund 10.000 Interessierte für den neuen Wehrdienst ein – rund acht Prozent mehr als im Vorjahr. Aus diesem Pool hätten sich im ersten Halbjahr insgesamt rund 10.000 Interessenten anderer Altersgruppen zum Freiwilligen Wehrdienst gemeldet.
Ministerium spricht von Rekordjahr
Mit Blick auf das laufende Jahr heißt es in einer Mitteilung des Hauses, die Personalgewinnung der Bundeswehr liege insgesamt zehn Prozent über dem Vorjahresschnitt, man erwarte wieder ein "Rekordjahr". Beim "Tag der Bundeswehr" solle gezeigt werden, was den Dienst ausmache – und neue Interessierte gewonnen werden.
Personalziel: 255.000 bis 270.000 Soldaten
Rechtliche Grundlage ist das Gesetz über den freiwilligen Wehrdienst, das für jedes Jahr bis 2035 einen Zielkorridor bei den Personalzahlen vorsieht. Bis Mitte der 2030er Jahre soll die Zahl der aktiven Soldatinnen und Soldaten von derzeit gut 184.000 auf 255.000 bis 270.000 steigen. Hintergrund sind unter anderem die Anforderungen der Nato an die Streitkräfte.
Seit diesem Jahr muss Verteidigungsminister Boris Pistorius dem Bundestag halbjährlich Zahlen zum Personalgewinn der Bundeswehr vorlegen. Die nun vorgelegte Bilanz ist die erste größere Zwischenbilanz des seit Jahresbeginn laufenden Verfahrens.
Pflicht-Musterung ab 2027
Parallel zur Wehrerfassung läuft der Countdown für die verpflichtende Musterung aller 18-jährigen Männer: Sie soll laut dem neuen Wehrdienstgesetz ab Juli 2027 flächendeckend greifen. Bis dahin werden weiterhin vor allem Freiwillige für den Dienst bei der Bundeswehr geworben.
In der politischen Debatte ist die Auswertung des Ministeriums allerdings nicht unumstritten. Während Befürworter den Anstieg der Bewerbungen um 24 Prozent als positives Signal werten, verweisen Kritiker darauf, dass der bisherige Personalzuwachs deutlich unter dem jährlichen Bedarf liege, der zur Erreichung des Nato-Ziels bis 2035 erforderlich sei.
Das Ministerium verwies zudem darauf, dass die bisherige Zwischenbilanz nur einen Ausschnitt abbildet. Erst mit der flächendeckenden Musterung ab 2027 werde sich zeigen, wie viele junge Männer tatsächlich für einen Wehrdienst zur Verfügung stehen.
Insgesamt zeigt die erste Zwischenbilanz des Verteidigungsministeriums: Die Wehrerfassung erreicht die Zielgruppe, die Rücklaufquoten sind hoch, und die Bewerbungszahlen steigen. Ob diese Dynamik ausreicht, um die ehrgeizigen Personalziele bis 2035 zu erreichen, bleibt jedoch offen.
Fragen & Antworten
Wie viele Fragebögen hat die Bundeswehr bisher verschickt?
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden bis Mitte Juni 2026 rund 298.200 Fragebögen an junge Menschen verschickt, die im Laufe des Jahres volljährig werden. Gut die Hälfte davon ging an junge Männer.
Wie viele Freiwillige haben sich bisher für den Wehrdienst entschieden?
Rund 530 junge Männer haben nach den bisherigen Musterungen eine feste Einstellungszusage für 2026 erhalten. Insgesamt rund 10.000 Interessierte sind für den neuen Wehrdienst im laufenden Jahr eingeplant.
Wann beginnt die verpflichtende Musterung aller jungen Männer?
Laut dem neuen Wehrdienstgesetz beginnt die flächendeckende und verpflichtende Musterung aller 18-jährigen Männer ab Juli 2027.