Bugfahrwerk eines Lufthansa-Dreamliners am Frankfurter Flughafen eingeknickt – Ursache unklar
Frankfurt, 05 Juni 2026
TJDarmstadt / Wikimedia Commons / CC BY 2.0
Kurzfassung
Am Frankfurter Flughafen ist am Donnerstag das Bugfahrwerk eines Lufthansa-Boeing 787-9 auf einer Parkposition eingeknickt. Fünf Menschen wurden verletzt, die Ursache ist noch unklar und wird von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung geprüft.
Frankfurt, 05 Juni 2026
Am Donnerstag ist am Frankfurter Flughafen auf der Parkposition A15 vor Terminal 1 das Bugfahrwerk eines Lufthansa-Boeing 787-9 Dreamliner unerwartet eingeknickt, wobei fünf Beschäftigte verletzt wurden.
Hergang des Vorfalls
Der Vorfall ereignete sich nach dpa-Informationen gegen 12:45 Uhr am Donnerstagmittag am Flugsteig A15 vor Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Das betroffene Flugzeug mit der Flugnummer LH450 stand für einen geplanten Flug nach Los Angeles am Gate. Zur Unfallzeit befand sich das Flugzeug auf der Parkposition und wurde für den Abflug vorbereitet.
Wie ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport erklärte, klappte „auf einer Parkposition unerwartet das Bugfahrwerk des Flugzeugs ein“. Die Crew-Mitglieder und Bodenmitarbeiter befanden sich zu diesem Zeitpunkt an Bord, weil sie das Flugzeug für den Abflug vorbereiteten. Passagiere warteten noch im Terminal und hatten die Maschine noch nicht betreten.
Nach Angaben von Lufthansa waren zum Zeitpunkt des Vorfalls 13 Kabinenbeschafter der Airline sowie Mitarbeiter von Partnerfirmen an Bord. Die Fluggastbrücke war zu diesem Zeitpunkt bereits an das Flugzeug angeschlossen. In sozialen Netzwerken verbreitete Videos zeigen demnach, wie die Nase des Flugzeugs plötzlich nach unten sackte und die Bugfahrwerksräder nach vorn einknickten. Auf dem Material ist zudem zu sehen, dass ein Gepäckförderfahrzeug unter dem Flugzeug eingeklemmt wurde.
Fünf Beschäftigte – zwei Kabinenbesatzungsmitglieder von Lufthansa und mehrere Mitarbeiter von Servicefirmen – wurden in ein Krankenhaus gebracht. Wie die Airline am Abend mitteilte, konnten die verletzten Crew-Mitglieder das Krankenhaus bis zum Abend wieder verlassen. „Alle anderen Mitglieder seien betreut und ihre Heimreise organisiert worden“, hieß es von Lufthansa.
Verletzte und betroffene Personen
Der geplante Abflug des Fluges LH450 war nach dpa-Informationen für 13:50 Uhr angesetzt. Da das Boarding für Langstreckenflüge in der Regel etwa 30 Minuten dauert, hätten die ersten Passagiere gegen 13:15 Uhr an Bord gehen können. Wäre der Vorfall nur wenig später passiert, wären vermutlich bereits Fluggäste in der Maschine gewesen.
Die betroffene Maschine mit dem Taufnamen „Herne“ gehört zu den neueren Flugzeugen der Lufthansa-Flotte. Insgesamt betreibt die Airline nach Unternehmensangaben 17 Dreamliner vom Typ Boeing 787-9. Das beschädigte Flugzeug sollte noch am Abend nach Freigabe durch die Behörden in eine Wartungshalle geschleppt werden, um dort weiter untersucht und anschließend repariert zu werden.
Ermittlungen und Krisenreaktion
Nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport hatte der Vorfall keine größeren Auswirkungen auf den Flugbetrieb. Der reguläre Betrieb am größten deutschen Flughafen lief demnach weitgehend weiter. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat Ermittlungen zur Ursache des Vorfalls aufgenommen.
Lufthansa richtete nach dem Vorfall ein Krisenteam ein und untersucht den Fall gemeinsam mit den zuständigen Behörden. Wie Fraport mitteilte, werde es „Zeit brauchen, bis Erkenntnisse vorliegen“. Die genaue Ursache für das plötzliche Einknicken des Bugfahrwerks ist bislang unklar.
Wie ein Fraport-Sprecher erläuterte, handelt es sich bei einem sogenannten „Turnaround“ um „fein aufeinander abgestimmte Prozesse, die durch verschiedene Partner durchgeführt werden“. Dabei werden ankommende und abfliegende Flugzeuge zwischen Landung und nächstem Start umfangreich versorgt und vorbereitet. Die Bodenteams sichern die Maschine demnach mit Bremsklötzen und Pylonen, schließen die Stromversorgung am Boden an und stellen Treppen oder Fluggastbrücken bereit.
Abläufe am Flughafen: Was ein „Turnaround“ bedeutet
Bei der Vorbereitung eines abfliegenden Flugzeugs steigen Passagiere zu, das Gepäck wird verladen, Catering wird an Bord gebracht und Frischwasser aufgefüllt. Im Winter werde das Flugzeug bei Bedarf enteist, so Fraport. Beim Pushback schiebe ein spezielles Fahrzeug die Maschine aus der Parkposition.
Die verfügbare Turnaround-Zeit hänge laut Fraport vom Flugzeugtyp und vertraglichen Vereinbarungen ab. „Ein Richtwert seien aber 45 bis 90 Minuten“, erklärte der Sprecher. Die Gruppengröße an einer Flugzeugposition umfasse in der Regel vier bis sechs Personen, viele weitere Mitarbeiter seien im Hintergrund tätig, etwa beim Beladen oder im Busverkehr. Zusätzlich führe die Airline weitere Tätigkeiten zur Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit durch.
Bei dem Frankfurter Vorfall handelte es sich nach den vorliegenden Informationen um eine ähnliche Begebenheit wie einen Vorfall in London vor etwa fünf Jahren, bei dem ebenfalls ein Flugzeug vom Typ Boeing betroffen gewesen sein soll. Damals war nach Angaben aus den vorliegenden Quellen ein Sicherungsbolzen, der das Einklappen des Bugfahrwerks verhindern soll, von Bodenpersonal fehlerhaft eingesetzt worden. Der Vorfall wurde auf menschliches Versagen zurückgeführt. Ob es einen Zusammenhang mit dem Frankfurter Ereignis gibt, ist Gegenstand der laufenden Untersuchungen.
Vergleich mit einem früheren Vorfall in London
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig ist die zuständige deutsche Behörde für die Untersuchung von Flugunfällen und schweren Störungen. Sie nimmt in der Regel keine schnellen Schuldzuweisungen vor, sondern analysiert den Hergang und veröffentlicht nach Abschluss der Ermittlungen einen Untersuchungsbericht mit Sicherheitsempfehlungen.
Lufthansa und die Aufsichtsbehörden betonten, dass Passagiere zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht an Bord waren. Damit waren nach derzeitigem Stand keine Reisenden von der Verletzung oder der Sachschädigung direkt betroffen. Der Vorfall verdeutlicht zugleich, welche komplexen Abläufe auf einer Flughafen-Parkposition aufeinander abgestimmt werden müssen – und welche Folgen ein technisches oder menschliches Versagen in dieser Kette haben kann.
Der Dreamliner vom Typ Boeing 787-9 ist ein modernes Langstreckenflugzeug, das in der zivilen Luftfahrt weltweit im Einsatz ist. Vorfälle dieser Art werden von den Aufsichtsbehörden besonders sorgfältig untersucht, weil sie Rückschlüsse auf mögliche konstruktive oder betriebliche Schwachstellen liefern können.
Rolle der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung
Bis zur Veröffentlichung des abschließenden Untersuchungsberichts bleiben Spekulationen über die konkrete Ursache des Vorfalls in Frankfurt Spekulation. Die zuständigen Stellen bitten darum, von voreiligen Schlüssen abzusehen, bis die Ergebnisse vorliegen.
Die Airline steht in engem Austausch mit dem Flughafenbetreiber Fraport und den Behörden, um den Vorfall aufzuklären und die Betriebsabläufe am Flughafen Frankfurt weiterhin sicher zu gestalten.
Fluggäste, deren Flüge am Donnerstag über Frankfurt abgewickelt wurden, mussten laut Fraport keine größeren Beeinträchtigungen hinnehmen. Der Flughafen ist mit Abstand das größte deutsche Luftverkehrsdrehkreuz und gilt als eines der wichtigsten in Europa. Auch in den Folgetagen dürften die Ermittlungen zur genauen Ursache des Vorfalls im Mittelpunkt stehen.
Fragen & Antworten
Was genau ist am Frankfurter Flughafen mit dem Lufthansa-Dreamliner passiert?
Am Donnerstag gegen 12:45 Uhr knickte auf der Parkposition A15 vor Terminal 1 das Bugfahrwerk eines Lufthansa-Boeing 787-9 unerwartet ein, sodass die Nase der Maschine nach unten sackte. An Bord befanden sich 13 Kabinenbesatzungsmitglieder und Mitarbeiter von Servicefirmen, Passagiere waren noch nicht eingestiegen.
Wie viele Menschen wurden verletzt und wie geht es ihnen?
Fünf Beschäftigte – zwei Lufthansa-Kabinenbesatzungsmitglieder und mehrere Mitarbeiter von Servicefirmen – wurden in ein Krankenhaus gebracht. Nach Airline-Angaben konnten die verletzten Crew-Mitglieder das Krankenhaus bis zum Abend wieder verlassen, die übrigen Crew-Mitglieder wurden betreut und ihre Heimreise organisiert.
Wer untersucht die Ursache des Vorfalls?
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat die Ermittlungen aufgenommen, Lufthansa hat ein Krisenteam eingesetzt und untersucht den Fall gemeinsam mit den zuständigen Behörden. Mit Ergebnissen sei laut Fraport erst in einiger Zeit zu rechnen.