Bugfahrwerk einer Lufthansa-Boeing 787-9 sackt am Frankfurter Flughafen ein – fünf Verletzte
Frankfurt, 05 Juni 2026
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Kurzfassung
Beim Wenden am Frankfurter Flughafen ist am Donnerstag das Bugfahrwerk einer Lufthansa-Boeing 787-9 eingeknickt, die Maschine sackte auf die Nase. Fünf Menschen wurden verletzt, Passagiere befanden sich noch nicht an Bord. Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung ermittelt.
Frankfurt, 05 Juni 2026
Am Donnerstag ist am Frankfurter Flughafen an der Parkposition A15 vor Terminal 1 das Bugfahrwerk einer Lufthansa-Boeing 787-9 eingeknickt, sodass die Maschine auf die Nase sackte; dabei wurden fünf Menschen verletzt, Passagiere waren noch nicht an Bord.
Was am Flughafen geschah
Der Vorfall ereignete sich am Donnerstag gegen 12:45 Uhr an der Parkposition A15 vor Terminal 1 des Frankfurter Flughafens. Nach Angaben aus der Luftfahrtbranche „klappte unerwartet das Bugfahrwerk des Flugzeugs ein“, als sich die Maschine auf der Parkposition befand. Die Boeing 787-9, die als Flug LH450 nach Los Angeles starten sollte, sackte daraufhin mit dem Bug auf den Boden.
Zum Zeitpunkt des Vorfalls befanden sich ausschließlich Beschäftigte an Bord: 13 Crewmitglieder der Lufthansa sowie mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Partnerunternehmen. Reisende warteten zu diesem Zeitpunkt noch auf das Boarding und hatten die Maschine noch nicht betreten. Der geplante Abflug war laut dpa-Informationen für 13:50 Uhr vorgesehen, das Boarding für Langstreckenflüge hätte demnach üblicherweise gegen 13:15 Uhr begonnen.
Verletzte und Sofortmaßnahmen
Durch den Vorfall wurden zwei Kabinencrewmitglieder der Lufthansa sowie mehrere Beschäftigte von Servicefirmen verletzt und zur medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Die Airline erklärte, die verletzten Mitglieder der 13-köpfigen Crew hätten das Krankenhaus im Laufe des Abends wieder verlassen können. „Alle anderen Mitglieder seien betreut und ihre Heimreise organisiert worden“, hieß es vonseiten des Unternehmens.
Die beschädigte Boeing 787-9 sollte am Abend in eine Wartungshalle geschoben werden, um die genauen Umstände zu untersuchen. Die Maschine soll zu einem späteren Zeitpunkt repariert werden. Das Bugfahrwerk muss nach Angaben aus der Branche komplett ersetzt werden, zudem soll die Rumpfstruktur aus Kohlefaserverbundwerkstoff auf Risse überprüft und etwaige Schäden behoben werden. Das Flugzeug werde voraussichtlich mehrere Monate ausfallen.
Ermittlungen und Parallelfälle
Insgesamt betreibt die Lufthansa nach eigenen Angaben 17 Maschinen vom Typ Boeing 787-9 Dreamliner. Die übrigen 16 Flugzeuge dürften weiterhin eingesetzt werden, erklärte die Airline. Bei der betroffenen Maschine handelt es sich nach Informationen des Senders hr-INFO um ein nahezu neuwertiges Flugzeug, das erst seit Kurzem im Liniendienst der Lufthansa steht.
Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) hat die Ermittlungen zur Ursache des Vorfalls aufgenommen. Behördenvertreter wiesen darauf hin, dass es Zeit brauchen werde, bis belastbare Erkenntnisse vorliegen. Ein Abschlussbericht werde erstellt, möglicherweise werden darin auch Anpassungen an Wartungsprozeduren empfohlen – etwa die verpflichtende Gegenprüfung eines Sicherungsbolzens durch eine zweite Fachkraft.
Experte Großbongardt zur möglichen Ursache
Heinrich Großbongardt, Luftfahrtexperter und ehemaliger Boeing-Sprecher, erklärte im Interview mit hr-INFO, geantwortet auf Fragen von Werner Schlierike, es sei denkbar, dass der Sicherungsbolzen bei Wartungsarbeiten vergessen oder nicht eingesetzt worden sei: „Das ist denkbar oder auch nicht auszuschließen, dass vergessen wurde, diesen Sicherungsbolzen, den man nur für bestimmte Wartungsarbeiten einsetzen muss, überhaupt einzusetzen.“ Ob diese Erklärung zutrifft, müsse die Unfalluntersuchung zeigen.
Großbongardt betonte zugleich, dass zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Passagiere bestanden habe. „Die waren zu keinem Zeitpunkt in Gefahr“, sagte er. Gefährdet gewesen seien ausschließlich Menschen, die sich in dem Moment um das Flugzeug herum aufgehalten hätten: „Das war nichts Gravierendes und da befanden sich nur die Menschen, die in dem Moment um das Flugzeug herum standen. Für die gab es ganz sicherlich eine Gefahr.“
Als Vergleichsfall wird ein ähnlicher Vorfall bei British Airways in Großbritannien vor fünf Jahren herangezogen. Dort war nach bisherigen Erkenntnissen ein Sicherungsbolzen, der das Einfahren des Bugfahrwerks verhindern soll, von Bodenpersonal falsch eingesetzt worden. In jenem Fall hatte laut Großbongardt eine Fehlermeldung angezeigt, dass eine Klappe des Bugfahrwerks nicht ordnungsgemäß geschlossen war, woraufhin eine Reparatur vor dem nächsten Flug entschieden wurde.
So läuft ein Turnaround am Flughafen Frankfurt
Das Bugfahrwerk von Flugzeugen fährt konstruktionsbedingt nach vorne gegen die Flugrichtung ein. Diese Bauweise sorgt nach Angaben des Experten dafür, dass das Fahrwerk bei einem technischen Problem im Notfall durch die Schwerkraft und mit Unterstützung des Fahrtwinds ausfahren kann. Das eingeknickte Fahrwerk im Frankfurter Fall deutet darauf hin, dass ein solcher Sicherungsmechanismus in der Parkposition versagt haben könnte.
Am Frankfurter Flughafen laufen die Vorgänge rund um ein ankommendes und anschließend wieder abfliegendes Flugzeug – der sogenannte „Turnaround“ – in eng getakteten Schritten ab. Ein Fraport-Sprecher erklärte: „Ein sogenannter 'Turnaround' beinhaltet fein aufeinander abgestimmte Prozesse, die durch verschiedene Partner durchgeführt werden.“ Zunächst werde die Position zum Einrollen geprüft und freigegeben.
Im Anschluss sichere die Bodencrew das Flugzeug mit Bremsklötzen und Pylonen, es werde mit Bodenstrom versorgt und Treppen sowie Fluggastbrücken würden angesetzt, damit Passagiere aussteigen könnten. Die Kabine werde gereinigt, Brauchwasser entsorgt und das Flugzeug mit Koffern und Gepäck beladen, ergänzt durch Catering und Frischwasser, hieß es von Fraport. Bei Bedarf werde im Winter zudem enteist.
Folgen für die Lufthansa-Flotte
Für den Abflug steigen demnach die Passagiere ein, die Maschine werde betankt, und im sogenannten Pushback schiebe ein spezielles Fahrzeug die Maschine aus der Parkposition. Fraport wies darauf hin, dass die Airline darüber hinaus weitere Tätigkeiten zur Flugtauglichkeit des Flugzeugs übernehme. Der Zeitrahmen für einen Turnaround hänge vom Flugzeugtyp und vertraglichen Regelungen ab, als Richtwert nannte Fraport 45 bis 90 Minuten.
An der jeweiligen Flugzeugposition sind laut Fraport in der Regel vier bis sechs Personen im Einsatz. Hinzu kämen viele weitere operative Mitarbeitende im Hintergrund, etwa beim Beladen oder beim Busfahren. Angesichts dieser Vielzahl parallel laufender Arbeitsschritte gewinnt die Frage nach Wartungsfehlern und Kontrollmechanismen an Gewicht.
Der Vorfall an der Parkposition A15 wirft zugleich ein Schlaglicht auf die Belastung des Bodens am Drehkreuz Frankfurt, dem größten deutschen Flughafen. Sollte der Abschlussbericht der BFU tatsächlich Empfehlungen wie eine verpflichtende Gegenprüfung des Sicherungsbolzens durch eine zweite Fachkraft enthalten, könnten die Ergebnisse über den konkreten Fall hinaus Bedeutung für die Wartungspraxis der gesamten Branche haben. Bis dahin bleiben die genauen Umstände, die am Donnerstagmittag zum Einknicken des Bugfahrwerks der LH450 führten, Gegenstand der laufenden Untersuchung.
Fragen & Antworten
Was genau ist am Frankfurter Flughafen mit der Lufthansa-Boeing passiert?
Beim Wenden an der Parkposition A15 vor Terminal 1 knickte am Donnerstag gegen 12:45 Uhr das Bugfahrwerk einer Lufthansa-Boeing 787-9 ein, sodass die Maschine mit dem Bug auf dem Boden aufschlug. Fünf Menschen wurden verletzt; Passagiere waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht an Bord.
Was sagt der Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt zur Ursache?
Großbongardt hält es im Interview mit hr-INFO für denkbar, dass ein Sicherungsbolzen bei Wartungsarbeiten vergessen oder nicht eingesetzt wurde; ein ähnlicher Fall habe sich vor fünf Jahren bei British Airways in Großbritannien ereignet. Die endgültige Ursache müsse die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung feststellen.
Welche Folgen hat der Vorfall für die Lufthansa-Flotte?
Das beschädigte Flugzeug fällt für mehrere Monate aus und muss unter anderem ein neues Bugfahrwerk sowie eine Inspektion der Kohlefaserrumpfstruktur erhalten. Die übrigen 16 Boeing 787-9 der Lufthansa dürfen laut Airline weiterhin fliegen.
Lufthansa 787-9 Bugfahrwerk Frankfurt: fünf Verletzte | nachrichten360