Der Chef der irischen Fluggesellschaft Ryanair, Michael O'Leary, hat am Montag bei der Vorlage von Quartalszahlen erklärt, dass ein am 10. Juli an Bord einer Boeing 737 aufgetretener Kabinenschaden vermutlich durch einen Fremdkörper beim Start in Thessaloniki verursacht wurde.
Erste Erkenntnisse aus der Untersuchung
Die ersten Anzeichen deuteten auf einen Fremdkörperschaden am Triebwerk beim Start in Thessaloniki hin, sagte O'Leary vor Analysten. Wörtlich erklärte er: "Die ersten Anzeichen deuten auf einen Fremdkörperschaden am Triebwerk beim Start in Thessaloniki hin, aber wir können das noch nicht definitiv sagen". Eine erste Untersuchung habe ergeben, dass weder das Alter noch der Wartungszustand der betroffenen Maschine für den Vorfall verantwortlich seien, so der Ryanair-Chef weiter.
Bei dem Vorfall auf einem Flug nach Memmingen kurz nach dem Start im griechischen Thessaloniki war ein Teil des Triebwerks abgebrochen und hatte das Fenster zertrümmert. Durch den Druckverlust wurde ein Passagier teilweise aus dem zerbrochenen Kabinenfenster gesaugt. Die Maschine musste daraufhin notlanden. Über den Gesundheitszustand der betroffenen Person wurde in den Ryanair-Angaben am Montag keine aktualisierte Erklärung abgegeben.
Was am 10. Juli geschah
Das betroffene Flugzeug ist nach Angaben von O'Leary eine Boeing 737, die 18 Jahre alt ist. Das Triebwerk sei in den vergangenen zwei Jahren vollständig gewartet und überholt worden. Damit schloss der Manager zwei Erklärungsansätze aus, die in der öffentlichen Debatte um Flugzeugzwischenfälle häufig eine Rolle spielen: technische Ermüdung durch hohes Alter sowie eine unzureichende Instandhaltung.
O'Leary verwies zugleich darauf, dass eine Bestätigung der Fremdkörper-Ursache die Haftung von Boeing und Ryanair verringern würde. Der irische Billigflieger gehört zu den größten Bestellern von Boeing-Flugzeugen in Europa und ist damit unmittelbar von möglichen Konstruktions- oder Herstellungsfragen betroffen, die parallel zu der laufenden Untersuchung geprüft werden.
Rolle der US-Behörde NTSB
Die für Boeing zuständige US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB untersucht den Vorfall. Die NTSB ist die nationale Behörde der Vereinigten Staaten für die Untersuchung von Unfällen im Luft-, Straßen- und Schienenverkehr sowie in der Seefahrt und ist damit international auch für Vorfälle mit US-amerikanischen Flugzeugtypen zuständig. Ein erster Berichtsentwurf soll in etwa 28 Tagen vorliegen.
Bis zum Vorliegen dieses Entwurfs bleibt die genaue Ursache offiziell unbestätigt. Ryanair betonte, der Vorfall werde weiter untersucht. O'Leary sprach von vorläufigen Erkenntnissen und warnte davor, aus den ersten Indizien bereits endgültige Schlüsse zu ziehen. Die endgültige Einordnung bleibt damit den Behörden vorbehalten.
Der Zwischenfall hatte unmittelbar nach dem 10. Juli für Aufsehen gesorgt, weil Videoaufnahmen aus der Kabine die dramatischen Sekunden des Druckabfalls dokumentierten. Solche Szenen sind in der zivilen Luftfahrt selten, da Kabinenfenster mehrfach gesichert sind und ein Herauslösen eines Passagierteils durch ein zerbrechendes Fenster eine Ausnahme darstellt.
