Brückenexperten aus Deutschland warnen vor einer wachsenden Welle stark beschädigter Brücken und halten die dadurch entstehenden Kosten durch unnötige Neubauten vielfach für vermeidbar.
Mehrfach wurden zuletzt wichtige Brücken plötzlich wegen Einsturzgefahr gesperrt, oft für Monate oder gar Jahre. Ob die Bonner Nordbrücke, die Rahmede-Talbrücke der A45 oder die Ringbahnbrücke in Berlin: Immer wieder wurden zuletzt zentrale Verkehrsbrücken plötzlich gesperrt oder stürzten im Fall der Carolabrücke in Dresden sogar ein. Die Carolabrücke sei seit dem Zweiten Weltkrieg aber die erste Brücke, die im laufenden Betrieb eingestürzt sei.
Aktueller Zustand vieler Bauwerke kritisch
"Der Zustand vieler vielbefahrener Brücken in Deutschland ist kritisch", sagte Martin Claßen von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH). Das gelte insbesondere im Autobahnnetz. "Die aktuelle Situation ist kein plötzliches Problem, sondern das Ergebnis einer langfristigen Entwicklung."
Viele Brücken seien nach dem Zweiten Weltkrieg gebaut worden und auf eine Nutzungsdauer von 80 Jahren ausgelegt, sagte Steffen Marx, Direktor am Institut für Massivbau der Technischen Universität Dresden. "Deshalb kommt nun eine große Welle von Brücken in schlechtem Zustand auf uns zu." Danach sei auf eine Erhaltungsstrategie gesetzt worden, die man "build and forget" ("bau es und vergiss es") nennen könne, meinte Marx. "Die Brücken werden gebaut, aber dann nicht gepflegt." Es fänden lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen Inspektionen alle sechs Jahre statt.
