Brandanschläge auf alternatives Wohnprojekt in Cottbus – Ermittler prüfen versuchten Mord
Cottbus, 02. Juli 2026
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Kurzfassung
In Cottbus ist es in der Nacht zu zwei mutmaßlich rechtsextremen Brandanschlägen auf das alternative Wohnprojekt Zelle 79 gekommen. Staatsschutz und eine Mordkommission ermitteln wegen des Verdachts des versuchten Mordes, während in der Stadt eine Mahnwache stattfand.
In Cottbus haben Unbekannte in der Nacht zum 2. Juli 2026 einen Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt Zelle 79 verübt, wobei Staatsschutz und Mordkommission wegen des Verdachts des versuchten Mordes ermitteln.
Hintergrund der Tat
Bei dem Angriff auf das alternative Wohnprojekt Zelle 79 in Cottbus handelt es sich nach Angaben aus Ermittlerkreisen um eine mutmaßliche Brandstiftung mit politischem Hintergrund. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, übernahm der Staatsschutz gemeinsam mit einer Mordkommission die Ermittlungen, da der Verdacht des versuchten Mordes besteht. Zugleich werde ein versuchter weiterer Brandanschlag geprüft, weil in der Nähe des ebenfalls betroffenen Clubs Chekov ein Zaunlatte gebrannt habe.
Laut Polizei gehen die Ermittler davon aus, dass die beiden Tatverdächtigen dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen sind. Eine spezialisierte Ermittlungsgruppe sei eingesetzt, um die Strukturen des verantwortlichen Milieus aufzuklären, hieß es. Konkrete Festnahmen wurden zunächst nicht öffentlich gemacht. Die Ermittlungen laufen, Hintergründe und mögliche Verbindungen zwischen den beiden Taten werden geprüft.
Brandenburgs Innenminister Jan Redmann zeigte sich fassungslos über die Taten und verwies auf ein verschärftes Sicherheitsnetz. "Die beiden Brandanschläge von gestern Nacht machen mich wütend", sagte der CDU-Politiker. Er fügte hinzu: "Rechtsextremisten verätzen das Zusammenleben. Wer Molotov-Cocktails schmeißt, nimmt Opfer in Kauf. Das macht mich fassungslos." Zugleich betonte er, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht seien und die Polizei ihre Präsenz im Stadtgebiet auch im Zuge der CSD-Aktionswochen verstärkt habe.
Reaktionen aus der Politik
Cottbus' Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) forderte einen besseren Schutz für Betroffene solcher Angriffe. "Für die Opfer solcher Attacken seien zudem die notwendigen Strukturen und Finanzen nötig", sagte er. Schick mahnte zugleich, dass der Datenschutz den Schutz von Menschen nicht behindern dürfe: "Datenschutz darf den Schutz von Menschen nicht behindern."
Der Oberbürgermeister sprach sich zudem für klarere Regeln zum Einsatz von Videokameras im öffentlichen Raum aus. "Wir brauchen klare Regelungen, um den Einsatz von Kameras auch im öffentlichen Raum gezielt und rechtssicher zu gewährleisten, abzuschrecken und die Aufklärung von Straftaten zu unterstützen", sagte Schick. Damit solle es ermöglicht werden, Straftaten abzuschrecken und ihre Aufklärung zu erleichtern.
Am Abend des 2. Juli 2026 versammelten sich Anwohnerinnen und Anwohner sowie Unterstützerinnen und Unterstützer zu einer Mahnwache, um ein deutliches Zeichen gegen Rechtsextremismus zu setzen. Die Veranstalterinnen und Veranstalter wollten damit nach eigenem Bekunden Solidarität mit den Betroffenen zeigen und auf die Bedrohung durch rechtsextreme Gewalt in der Stadt aufmerksam machen. Die Polizei begleitete die Versammlung mit einem sichtbaren Aufgebot.
Mahnwache und zivilgesellschaftliches Engagement
Die Tat schlägt in eine Phase erhöhter Anspannung in Cottbus: Erst am Wochenende waren im Umfeld des Christopher Street Day (CSD) mehrere Aktionen geplant, zu deren Schutz die Polizei ihre Präsenz verstärkt hatte. Innenminister Redmann erklärte, die Sicherheitsmaßnahmen seien erhöht und die Polizeipräsenz im Stadtgebiet bereits ausgeweitet worden, gerade mit Blick auf die CSD-Aktionswochen. Damit rückt die Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen den Anschlägen und den CSD-Aktivitäten stärker in den Fokus.
Das Projekt Zelle 79 versteht sich nach eigener Darstellung als alternatives Wohn- und Kulturprojekt und war nach Angaben von Unterstützerinnen und Unterstützern bereits in der Vergangenheit Ziel rechtsextremer Anfeindungen. Auch der Club Chekov, in dessen Nähe eine Zaunlatte Feuer fing, ist Teil der linksalternativen Szene der Stadt. Die genauen Tatabläufe, mögliche Verletzte und die Höhe des Sachschadens wurden von Polizei und Staatsanwaltschaft zunächst nicht im Detail beziffert.
Ermittlungsstand und mögliche Hintergründe
Ermittelt wird in mehrere Richtungen: Neben dem Staatsschutz, der den politischen Hintergrund prüft, ist eine Mordkommission wegen des Verdachts des versuchten Mordes eingebunden. Zusätzlich werde der versuchte Brandanschlag an der Zaunlatte geprüft, hieß es. Die Polizei bat zugleich um Hinweise aus der Bevölkerung.
Ministerpräsident Dietmar Woidke wurde in der Berichterstattung als Reaktionsträger genannt. Details zu seinen Äußerungen wurden in den vorliegenden Quellen nicht ausgeführt. Auch die Rolle des Brandenburger Landtags und mögliche Sondersitzungen wurden in den verfügbaren Meldungen nicht konkretisiert.
Sicherheitsbehörden verwiesen darauf, dass die Angriffe in einen bundesweiten Trend rechtsextremer Gewalt einzuordnen seien. Brandenburg zähle seit längerem zu den Bundesländern, in denen die Zahl politisch motivierter Straftaten aus dem rechten Spektrum hoch ausfalle. Konkrete Vergleichszahlen oder Lagebilder wurden in den vorliegenden Quellen nicht genannt.
Die Stadt Cottbus kündigte an, die Anwohnerinnen und Anwohner des Wohnprojekts in den kommenden Tagen psychosozial zu begleiten und den Sicherheitsschutz rund um alternative Einrichtungen zu überprüfen. Einzelheiten zu konkreten Maßnahmen wurden noch nicht veröffentlicht.
Ausblick und Sicherheitsmaßnahmen
Rechtliche Konsequenzen zeichnen sich ab: Sollte sich der Verdacht des versuchten Mordes erhärten, drohen den Tatverdächtigen langjährige Freiheitsstrafen. Die Einordnung als politisch motivierte Straftat hätte zudem Auswirkungen auf die spätere Strafzumessung und mögliche Sicherungsverwahrung.
Überregionale Aufmerksamkeit erhielten die Vorfälle unter anderem durch die Berichterstattung der Deutschen Presse-Agentur. Die Meldungen wurden von mehreren regionalen und überregionalen Medien aufgegriffen, was die politische Dimension des Geschehens unterstrich.
Am Rande der Mahnwache kam es nach Angaben der Polizei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen. Die Stimmung unter den Teilnehmenden sei überwiegend entschlossen und friedlich gewesen, hieß es. Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft riefen dazu auf, die Wachsamkeit gegenüber rechtsextremen Umtrieben in der Region nicht sinken zu lassen.
Die Ermittlerinnen und Ermittler setzen nach eigenen Angaben auf Hinweise aus der Bevölkerung. Ein Hinweistelefon sei eingerichtet worden, über das Zeuginnen und Zeugen verdächtige Beobachtungen aus der Tatnacht melden könnten. Die Auswertung von Spuren am Tatort und digitale Ermittlungen liefen parallel.
Mit Blick auf die laufenden CSD-Aktionswochen kündigte die Polizei an, ihre Präsenz in der Innenstadt sowie an bekannten Treffpunkten der queeren Szene weiter zu erhöhen. Auch Schutzkonzepte für weitere alternative Einrichtungen in Cottbus würden derzeit überprüft, hieß es aus Sicherheitskreisen.
Fragen & Antworten
Was ist über den Anschlag auf Zelle 79 in Cottbus bekannt?
In der Nacht zum 2. Juli 2026 verübten Unbekannte einen Brandanschlag auf das alternative Wohnprojekt Zelle 79 in Cottbus. Staatsschutz und Mordkommission ermitteln wegen des Verdachts des versuchten Mordes; die Polizei geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus.
Wie reagieren Politik und Behörden?
Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von Wut und Fassungslosigkeit und verwies auf erhöhte Sicherheitsmaßnahmen während der CSD-Aktionswochen. Oberbürgermeister Tobias Schick (SPD) forderte bessere Schutzstrukturen, Finanzierung und klarere Regeln für Videoüberwachung im öffentlichen Raum.
Welche Rolle spielt die CSD-Aktionswoche im Kontext der Anschläge?
Die Polizei hatte ihre Präsenz im Stadtgebiet bereits mit Blick auf die CSD-Aktionswochen in Cottbus verstärkt. Innenminister Redmann erklärte ausdrücklich, dass die Sicherheitsmaßnahmen erhöht seien und Schutzmaßnahmen für die Aktionswochen ausgeweitet wurden.