Bonn/Frankfurt, 21. Juli 2026

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat eine Prüfung des Halbjahresabschlusses 2025 des Hamburger Gabelstaplerherstellers Jungheinrich eingeleitet, weil es konkrete Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Rechnungslegungsvorschriften gebe.

Hintergrund der Prüfung

Die BaFin habe die Untersuchung bereits am 13. Juli 2025 gestartet, teilte die Behörde mit. "Es lägen konkrete Anhaltspunkte dafür vor, dass die Jungheinrich Aktiengesellschaft gegen Rechnungslegungsvorschriften verstoßen hat", hieß es. Geprüft werden den Angaben zufolge der veröffentlichte verkürzte Abschluss zum 30. Juni 2025 und der zugehörige Zwischenlagebericht für das erste Halbjahr 2025.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht nach Informationen der Finanzaufsicht die Bewertung von Vermögenswerten im Zusammenhang mit der geplanten Veräußerung des Russland-Geschäfts des Konzerns. "Die Bewertung sei möglicherweise fehlerhaft gewesen", erklärte die BaFin. Die ehemalige russische Tochtergesellschaft sei seit Februar 2026 vollständig entkonsolidiert.

Jungheinrich teilte mit, die Veräußerungsabsicht könnte zu einem Wertminderungsbedarf geführt haben. "Ohne diesen zu berücksichtigen, könnten vor allem Mietgeräte und Vorräte zu hoch bewertet worden sein", erklärte das Hamburger Unternehmen. Der Konzern habe die Wertminderung im Juli 2025 vollständig erfasst. "Bei der Prüfung der Behörde gehe es ausschließlich darum, wann Jungheinrich die Wertminderung hätte erfassen müssen", sagte das Unternehmen.

Reaktion des Unternehmens

Jungheinrich steht nach eigenen Angaben im Austausch mit der Behörde und begleitet die Prüfung "konstruktiv" mit. Gleichzeitig stellte der Konzern klar: "Umsatz und Ergebnis im Konzernabschluss der Geschäftsjahre 2025 und 2026 seien von der Prüfung nicht betroffen."

Kursreaktion und Analysteneinschätzungen

Die Nachricht von der BaFin-Prüfung schlug an den Märkten zunächst deutlich auf die Aktie durch. Am Dienstag sackte der Kurs vorbörslich auf der Handelsplattform Tradegate im Vergleich zum XETRA-Schluss um 4,36 Prozent auf 23,70 Euro ab. Tagsüber gab der Titel im Handelsverlauf weiter nach.

Ungeachtet des kurzfristigen Kursrückgangs stufen mehrere Analysten den Konzern weiterhin positiv ein. Lucas Ferhani, Analyst bei Jefferies, rechnet damit, dass die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2025 möglicherweise angepasst werden müssen, um eine Wertminderung vorzeitig zu berücksichtigen. Zugleich schätzt er die finanziellen Auswirkungen aber als recht begrenzt ein, "da Bußgelder dieser Art – insbesondere angesichts der Größe des Unternehmens – in der Regel geringfügig seien". Jefferies hatte die Aktie am 10. Juli 2026 mit "Buy" eingestuft.

Auch andere Häuser sehen Jungheinrich weiterhin positiv: Barclays Capital bewertete das Papier am 8. Mai 2026 mit "Overweight", Bernstein Research am 19. Mai 2026 mit "Outperform", und Warburg Research stufte die Aktie am 30. Juni 2026 mit "Buy" ein. Die BaFin wies zudem darauf hin, dass ähnliche Prüfungen in der Vergangenheit mehrere Wochen gedauert hätten und nur in einer Minderheit der Fälle zu Feststellungen von Fehlern geführt hätten.

BaFin-Reihe von Bilanzprüfungen

Die Untersuchung reiht sich in eine Serie von BaFin-Verfahren wegen möglicher Bilanzierungsfehler ein. So habe die Behörde jüngst Fehler in Jahresabschlüssen des IT-Dienstleisters Nagarro festgestellt. Derzeit untersucht die Behörde zudem den Jahresabschluss 2025 des Arzneimittelherstellers Dermapharm. Hinter dem BaFin-Vorgehen steht ein gestiegenes Augenmerk auf die Einhaltung der Bilanzierungsregeln, nachdem in den vergangenen Monaten wegen möglicher Bilanzierungsfehler eine Reihe von Unternehmen näher unter die Lupe genommen wurde.

Jungheinrich hat den Angaben zufolge das Russland-Geschäft zwischenzeitlich vollständig eingestellt. Die russische Gesellschaft gehöre seit Februar nicht mehr zu Jungheinrich, hieß es aus dem Konzern. Damit sind Geschäftstätigkeit und Tochtergesellschaft nicht mehr Teil des Konzerns.

Die BaFin erklärte, sie werde den Vorgang weiter prüfen. Wann mit einem Abschluss des Verfahrens zu rechnen ist, blieb zunächst offen. Die Behörde verwies darauf, dass vergleichbare Verfahren mehrere Wochen beanspruchten, wollte sich aber nicht zu einzelnen Schritten äußern.

Marktteilnehmer beobachten den Fortgang vor allem mit Blick auf die Frage, ob die Prüfung über den Zeitpunkt der Wertminderungserfassung hinaus weitere Korrekturen am Halbjahresabschluss nach sich zieht. Solange die BaFin-Ergebnisse nicht vorliegen, rechnen Beobachter mit einer erhöhten Nervosität – insbesondere bei Anlegern, die auf eine zügige Klarheit über die Bilanzierung des Russland-Engagements setzen.

Mit Blick auf die Bewertungsexperten bleibt das Bild gespalten: Während die kurzfristige Reaktion des Kurses den Druck auf das Papier zeigt, sehen die von Bloomberg genannten Analysten fundamentalen Handlungsbedarf eher begrenzt. Die endgültige Einschätzung hängt nun davon ab, wie die BaFin die Bewertungsfrage beantwortet und ob sich aus dem Verfahren materielle Konsequenzen für die Bilanzierung ergeben.