Backhaus stellt Tracker-Daten zu Wal "Timmy" vor – ein Monat nach dem Tod des Tieres
Schwerin, 12. Juni 2026
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Kurzfassung
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) will an diesem Freitag die Auswertung der Senderdaten des im Mai gestorbenen Buckelwals "Timmy" vorstellen. Das Tier war wochenlang in der Ostsee gestrandet, bevor eine private Initiative es in die Nordsee transportierte; die Todesursache blieb auch nach einer Obduktion unklar.
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) will am Freitag die Ergebnisse der Auswertung des Senders präsentieren, den der im Mai gestorbene Buckelwal "Timmy" trug.
Eine Odyssee durch die Ostsee
Rund einen Monat nach "Timmys" Tod veröffentlicht Landesumweltminister Till Backhaus heute die Tracker-Daten des Wals. Das Ministerium kündigte an, die Sendereinblicke in die Bewegungen des Wals nach der Freisetzung am 2. Mai ermöglichten einen Einblick in das Verhalten des Tieres und lieferten wichtige Erkenntnisse für die Gesamtbewertung des Falls. ZDFheute live übertrug die Pressekonferenz ab 09:55 Uhr; Moderator Christopher Wehrmann sprach unter anderem mit der Umweltwissenschaftlerin und Greenpeace-Meeresschutzexpertin Daniela von Schaper sowie mit ZDF-Reporterin Anne Stadtfeld.
Der Buckelwal hatte eine wochenlange Odyssee durch die Ostsee hinter sich, bevor er am 2. Mai von einer Barge in die Nordsee entlassen wurde. Zunächst war er am 3. März im Hafen von Wismar aufgetaucht und hatte Schaulustige an die Kaikante gelockt. Einsatzkräfte entfernten damals Netzreste vom Tier, allerdings nicht komplett. Auch in den folgenden Tagen und Wochen kämpften Helfer wiederholt darum, den Wal von Resten von Fischernetzen und Leinen zu befreien – etwa am 7. März vor Boltenhagen, am 20. März vor Haffkrug und Scharbeutz sowie am 23. März auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand, wo er tagelang im flachen Wasser festsaß.
Backhaus selbst hatte den Wal als "schwerstkrank" beschrieben und gewarnt, bei einer Rettungsaktion könne das Tier am Stress sterben. Am 1. April gaben die Verantwortlichen bekannt, dass es keine weiteren Rettungsversuche geben solle, um dem geschwächten Wal Ruhe zu gönnen. Ein Vermessungsboot begann am 2. April, die Umgebung des Tieres zu erkunden, um eine spätere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten. Am 7. April stellten Experten gemeinsam mit Backhaus Erkenntnisse eines Gutachtens zum Zustand des Wals vor. Ein erneuter Versuch am 11. April, das Tier mit Unterwassergesängen von Walen zu mobilisieren, blieb allerdings ohne Erfolg.
Kurswechsel im April: Ministerium duldet den Transport
Mitte April kippte die Haltung des Ministeriums: Am 15. April kündigte Backhaus überraschend an, die Behörden würden das Transportkonzept einer privaten Initiative dulden. Danach sollte das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik gebracht werden. Die am 16. April gestartete Aktion wurde von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz finanziert. Ein Lkw-Konvoi mit Mobilkränen, Schwimmpontons und Rohren traf am Hafen von Kirchdorf ein. Am 17. April reagierte der Buckelwal nach der Annäherung durch einen Taucher heftig mit starken Bewegungen. Am 20. April schwamm das Tier morgens von selbst los; Helfer versuchten von Booten aus, es Richtung offene Ostsee zu treiben, doch nach zwei Stunden strandete der Wal erneut im Flachwasser, diesmal am Übergang des Kirchsees zur Wismarbucht.
Am 27. April traf eine 50 Meter lange und 13 Meter breite Barge in Wismar ein, die zuvor über den Nord-Ostsee-Kanal herangeführt worden war. Am 28. April übernahm ein Schlepper den motorlosen Lastkahn mit dem Wal und zog ihn Richtung Nordsee. Am 30. April warnten Experten des Meeresmuseums Stralsund davor, das Tier im Meer abzulassen – es könnte unmittelbar ertrinken. Am 2. Mai wurde der Buckelwal dann etwa 70 Kilometer von Skagen entfernt im Skagerrak ausgesetzt. Am 3. Mai jedoch gab es keine Daten vom Sender, der Verbleib des Wals war unklar.
Aussetzung im Skagerrak und Suche nach dem Tier
Erst am 15. Mai wurde ein toter Wal vor der dänischen Insel Anholt entdeckt. Am 16. Mai bestätigte die Seriennummer des Senders, dass es sich um jenes Tier handelte, um dessen Rettung Helfer seit März gerungen hatten. Am 19. Mai kündigten die dänischen Behörden an, den Kadaver bergen und obduzieren zu lassen. Am 4. Juni wurde der tote Buckelwal am Strand der dänischen Insel öffentlich obduziert. Eine klare Todesursache konnte das Expertenteam zunächst nicht feststellen. Klar wurde aber: Der Wal mit dem männlichen Namen "Timmy" ist, wie inzwischen klar ist, ein Weibchen. Die Überreste des Tieres sollten in Dänemark unter anderem zu Biodiesel verwertet werden.
Was der Sender leisten konnte – und was nicht
Im Zentrum der nun vorgestellten Daten steht der Sender, den das Tier trug. Nach Verlautbarung der Initiative waren anfangs zumindest einige Bewegungsdaten wie Tauchtiefen erfasst worden – die allerdings auch nicht ans Ministerium geschickt wurden. Ortsdaten hatte das Gerät demnach nie geschickt. Die Initiative hatte als Begründung angegeben, es habe Probleme mit dem Sender gegeben. Vitalzeichen im medizinischen Sinne wie Herz- oder Atemfrequenz erfasste der Sender gar nicht, dafür wäre spezielle Sensorik nötig gewesen.
Eine Übertragung von Daten ist nur an der Wasseroberfläche möglich, also wenn das jeweilige Tier auftaucht und die Antenne ausreichend lange aus dem Wasser ragt. Die Geräte verfügen aber auch über einen Speicher, der sich nachträglich auslesen lässt. Von Trackern erfasste Positionen und Messdaten werden via Satellit – vielfach über das Argos-System – übertragen und sind für den Nutzer online einsehbar. Experten hatten einhellig kritisiert, dass der Tracker vor dem Freisetzen nicht getestet und initialisiert wurde, obwohl das bei gängigen Wal-Satellitensendern etwa von Wildlife Computers wichtig und üblich sei. Das schon stark verweste Kadaver des Wals wurde nach der Strandung auf der dänischen Insel Anholt obduziert, zunächst ohne konkrete Ergebnisse zur Todesursache. Warum "Timmy" starb, konnte bislang nicht geklärt werden – auch nicht durch eine Obduktion.
Die Rettungsaktion ist weiterhin umstritten. Schon vor dem Transport hatte der damalige Verlauf Kritiker und Befürworter gespalten: Während Naturschutzorganisationen wie Sea Shepherd wiederholt Netzreste von dem Tier entfernten, stellten andere Experten den Nutzen einer Verlegung in Frage. Auch der zeitliche Ablauf bleibt in der Diskussion: Zwischen März und Anfang Mai hatte sich der Zustand des Tieres nach Einschätzung von Fachleuten immer wieder verschlechtert, was die Entscheidung der Behörden, das Tier wochenlang vor Poel liegen zu lassen, nachträglich in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Chronologie einer wochenlangen Rettung
Der Minister selbst hatte das Tier zuvor wochenlang vor der mecklenburgischen Insel Poel gesehen, bis die Initiative – nach viel täglichem Trubel um den Wal – am 28. April mit ihm Richtung Nordsee startete. Eine Privatinitiative transportierte ihn mit einem Lastkahn Richtung Nordsee, bevor es schließlich an die Küste der dänischen Insel Anholt gespült wurde. Am 23. März war er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt worden, schwamm einige Tage später weg und strandete mehrfach erneut. Am 27. März lag er am frühen Morgen nicht mehr im Uferbereich vor Timmendorfer Strand, sondern schwamm in der Lübecker Bucht. Am 28. März verharrte er auf einer Sandbank in der Wismarbucht südlich der Insel Walfisch. Am 30. März schwamm er am späten Abend wieder, nachdem Experten versucht hatten, ihn mit Lärm zu animieren; er wurde am Hafen von Wismar gesehen und war später seewärts Richtung Seebrücke unterwegs. Am 31. März wurde der Buckelwal erneut vor Wismar gesichtet und verharrte schließlich im Kirchsee vor der Insel Poel.
Am 4. März wurde der Wal erneut in der Lübecker Bucht gesehen, vor Brook westlich von Wismar. Am 10. März verfing sich das Tier laut Wasserschutzpolizei vor der Küste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg in einem Fischernetz; ein örtlicher Fischer holte das Netz ein und durchtrennte es dabei. Am 19. März beobachtete Sea Shepherd von der "Triton" aus, wie der Wal vor Travemünde in die Trave schwamm.
Die Auswertung der nachträglich ausgelesenen Sendespeichers soll laut Ministerium zeigen, wie sich das Tier nach der Freisetzung am 2. Mai bewegt hat. Damit liegt der letzte dokumentierte Lebensabschnitt des Wals nun zumindest in Grundzügen vor. Zuschauerinnen und Zuschauer konnten im Laufe des Tages Fragen und Kommentare in die Kommentarspalte oder per E-Mail an zdfheute-live@zdf.de schicken. Mit der Pressekonferenz endet vorerst die öffentliche Aufarbeitung jener Wochen, in denen ein einzelner kranker Buckelwal bundesweit für Aufmerksamkeit sorgte – ohne dass die zentrale Frage bislang beantwortet werden konnte: warum "Timmy" starb.
Eine Bilanz ohne klare Todesursache
Die Initiative steht seit dem Tod des Tieres in der Kritik, weil sie den Wal überhaupt auf eine mehrtägige Reise verfrachtet hatte. Auch die ministerielle Duldung der Aktion steht zur Diskussion. Backhaus hatte die Duldung des Transports am 15. April mit der Aussicht begründet, das Tier könne im Atlantik bessere Überlebenschancen haben als im flachen Ostseewasser. Tatsächlich verendete das Tier knapp zwei Wochen später tot vor Anholt. Die genauen Bewegungsdaten aus dem Speicher des Senders sollen nun helfen, den Fall in der Gesamtschau zu bewerten – als einer der ungewöhnlichsten Rettungsversuche, die es in deutschen Gewässern je gegeben hat.
Fest steht bislang nur: Der Wal, der Anfang März die Menschen an der Ostseeküste in Atem hielt, hat den Weg in den Atlantik nicht geschafft. Ob die Verlegung in die Nordsee sein Schicksal besiegelt hat oder ob das Tier ohnehin kaum Überlebenschancen gehabt hätte, ist auch nach der Vorstellung der Tracker-Daten offen. Eine Antwort auf die Frage nach der Todesursache bleibt damit vorerst aus.
Die Privatinitiative, die den Wal letztlich in die Nordsee brachte, war bereits vor und während der Aktion umstritten. Beobachter hatten wiederholt darauf hingewiesen, dass ein kranker Buckelwal den Stress einer solchen Verlegung möglicherweise nicht überlebt. Backhaus selbst hatte dies in einem früheren Statement eingeräumt. Die nun vorliegenden Daten werden zeigen müssen, ob die Bewegungen des Tieres nach der Freisetzung Rückschlüsse auf seinen Zustand in den letzten Lebenstagen zulassen.
Mit der Veröffentlichung der Tracker-Auswertung schließt sich für die Behörden in Mecklenburg-Vorpommern zumindest ein Kapitel der medialen Begleitung. Ob zugleich ein Kapitel der wissenschaftlichen Aufarbeitung beginnt, werden die kommenden Wochen zeigen – insbesondere, ob die im Speicher des Senders gesicherten Bewegungsdaten doch noch Hinweise auf den Verlauf der letzten Tage des Tieres liefern. Klar ist, dass der Name "Timmy" über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus mit der Frage verbunden bleiben wird, wie Deutschland mit einem gestrandeten, kranken Großwal umgeht.
Fragen & Antworten
Wer ist Till Backhaus in diesem Fall?
Till Backhaus ist Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern (SPD); er hatte den Rettungstransport des Wals in die Nordsee geduldet und will nun persönlich die Tracker-Daten vorstellen.
Warum konnte die Todesursache des Wals nicht geklärt werden?
Die Obduktion des bereits stark verwesten Kadavers auf der dänischen Insel Anholt am 4. Juni ergab zunächst keine konkrete Todesursache; auch die Sendespeicher-Auswertung liefert laut Ministerium vor allem Bewegungsdaten, nicht aber medizinische Vitalzeichen.
Welche Funktion hatte der Sender an dem Wal?
Der Sender sollte per Satellit vor allem Ortsdaten übertragen; tatsächlich schickte er jedoch nie Standortdaten an das Ministerium. Die nachträglich ausgelesenen Daten sollen nun zeigen, wie sich das Tier nach der Freisetzung am 2. Mai bewegt hat.