ASML hebt Umsatzprognose für 2026 erneut an und profitiert vom KI-Boom
Veldhoven, 15. Juli 2026
A ansems / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Der niederländische Chiphersteller ASML hat seine Umsatzprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben und rechnet nun mit 43 bis 45 Milliarden Euro. Grund ist die starke Nachfrage aus dem KI-Sektor, die Unsicherheiten im China-Geschäft mehr als ausgleicht.
Der niederländische Chipausrüster ASML hat am Mittwoch in Veldhoven seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 erneut angehoben und rechnet nun mit Erlösen von 43 bis 45 Milliarden Euro, angetrieben vom Boom Künstlicher Intelligenz.
Der Chipausrüster ASML rechnet dank des Booms Künstlicher Intelligenz mit noch besseren Geschäften im laufenden Jahr. Nach einem überraschend guten Quartal hob Konzernchef Christophe Fouquet sein Umsatzziel für 2026 am Mittwoch zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Für 2026 rechnet die ASML-Spitze jetzt mit einem Umsatz von 43 bis 45 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch im niederländischen Veldhoven mitteilte. Erst im April hatte Fouquet seine Prognose auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben.
In den drei Monaten bis Ende Juni steigerte ASML seinen Umsatz überraschend stark auf gut 9,3 Milliarden Euro nach knapp 8,8 Milliarden im ersten Quartal. Analysten hatten nur eine geringe Steigerung erwartet. Die Bruttomarge stieg von 53 auf 54 Prozent und übertraf ebenfalls die Erwartungen von Experten.
An der Börse sorgten die Zahlen für Begeisterung. Kurz nach Handelsbeginn schnellte der ASML-Aktienkurs in Amsterdam bis auf 1.678 Euro nach oben. Zuletzt waren die Aktien mit einem Plus von noch 5,7 Prozent auf 1.644,40 Spitzenreiter im Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50. Das Rekordhoch von 1.741 Euro von Ende Juni ist jedoch noch ein Stück entfernt.
Börse reagiert mit Kurssprung
Für das laufende dritte Quartal stellte Fouquet einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro und eine Bruttomarge zwischen 55 und 57 Prozent in Aussicht. In der ersten Jahreshälfte sei der Auftragseingang "äußerst stark" geblieben, sagte Fouquet. Die starke Nachfrage aus dem KI-Sektor habe Unsicherheiten im China-Geschäft mehr als ausgeglichen.
Hintergrund des Booms sind massive Investitionen der Tech-Industrie. IT-Unternehmen wie Microsoft und die Google-Mutter Alphabet investieren hunderte Milliarden Dollar in den Ausbau ihrer Rechenkapazitäten. Und Chiphersteller wie der Marktführer Nvidia bauen ihre Produktionskapazitäten aus. Die Investitionen und die Fortschritte rund um Künstliche Intelligenz trieben die Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips an, sagte Fouquet.
KI-Boom treibt die Nachfrage
ASML baut Maschinen zur Chip-Produktion. Als einziges Unternehmen der Welt stellt es hochentwickelte Lithographiemaschinen zur Fertigung fortschrittlicher Chips für das Training von KI-Modellen her. Das Unternehmen ist der weltweit einzige Anbieter von Anlagen mit ultravioletter Lithografie (EUV), die zur Herstellung von KI-Halbleitern benötigt werden.
Kunden wie TSMC, Samsung und Micron rüsten ihre Fertigung auf, um den Bedarf für KI-Anwendungen zu decken. Fouquet erklärte: "Unsere Kunden beschleunigen ihre Pläne zum Kapazitätsausbau, was ASML eine bessere Planbarkeit der längerfristigen Nachfrage verschafft."
Kapazitätsausbau und Kunden
Im kommenden Jahr will ASML die Kapazität für Standard-Ultraviolett-Lithografie-Anlagen (low NA EUV) von derzeit 65 Stück um 30 Prozent ausbauen und prüft für 2028 eine Ausweitung um noch mal 30 Prozent. Branchenexperte Simon Coles von der britischen Bank Barclays zeigte sich von den Geschäftszahlen begeistert. Der Spezialist für Lithografiesysteme habe mit einem starken Quartal seine eigenen Ziele übertroffen. Zudem dürfte der Auftragseingang für EUV-Lithografiesysteme im ersten Halbjahr ein Rekordniveau erreicht haben.
Für Sandeep Deshpande von der Bank JPMorgan signalisieren die Kapazitätspläne indes, dass die Gewinnerwartungen des Marktes für 2028 sich als viel zu niedrig erweisen könnten. Analyst Janardan Menon vom Analysehaus Jefferies zeigte sich von den Plänen für die EUV-Anlagen enttäuscht. Am Markt sei zuletzt ein stärkerer Kapazitätsausbau erwartet worden.
China-Risiko und Exportkontrollen
Zudem kündigte ASML an, dass der US-Konzern Intel als erster Kunde die neue, noch leistungsfähigere Anlagengeneration von ASML einsetzen werde. Experten zufolge könnten die Produktionskapazitäten von ASML bis Ende 2027 ausgebucht sein.
Ein Unsicherheitsfaktor bleibt jedoch das Geschäft mit China. Die USA planen schärfere Exportkontrollen, die den Verkauf von Hochtechnologie an die Volksrepublik einschränken sollen. ASML ist das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas.
Analystenstimmen zur Aktie
Die Bank Barclays stufte die ASML-Aktie am Mittwoch mit "Overweight" ein, nachdem bereits JPMorgan am 7. Juli 2026 die Bewertung "Overweight" vergeben hatte. Beide Häuser sehen damit weiteres Kurspotenzial für den Chipausrüster.
Mit der erneuten Prognoseanhebung unterstreicht ASML seine Schlüsselrolle in der globalen Halbleiter-Lieferkette. Da das Unternehmen der weltweit einzige Anbieter von EUV-Lithografieanlagen ist, hängt der Fortschritt bei der Produktion modernster KI-Chips eng an der Produktionskapazität von ASML. Das Unternehmen sitzt damit an einem strategischen Knotenpunkt der Tech-Industrie.
Bedeutung für den Halbleitermarkt
Für Anleger bleibt die Aktie trotz des Rekordhochs Ende Juni von 1.741 Euro ein Schwergewicht im EuroStoxx 50. Die Kombination aus steigender Nachfrage, begrenztem Wettbewerb und staatlich flankierten Exportkontrollen macht ASML nach Einschätzung von Analysten zu einem zentralen Profiteur des KI-Zyklus.
Mit der Anhebung auf bis zu 45 Milliarden Euro Umsatz für 2026 liegt ASML deutlich über der ursprünglichen Jahresprognose. Sollte das Unternehmen die obere Spanne erreichen, wäre dies ein weiterer Meilenstein in der bisherigen Wachstumsgeschichte des niederländischen Konzerns.
Fragen & Antworten
Wer ist Christophe Fouquet?
Christophe Fouquet ist der Konzernchef (CEO) des niederländischen Chipausrüsters ASML. Er gab am Mittwoch in Veldhoven die angehobene Umsatzprognose für 2026 bekannt und erläuterte die starke Nachfrage aus dem KI-Sektor.
Warum hat ASML die Umsatzprognose für 2026 erneut angehoben?
ASML profitiert vom Boom Künstlicher Intelligenz, der die Nachfrage nach fortschrittlichen Logik- und Speicherchips erhöht. Laut Konzernchef Fouquet beschleunigen Kunden wie TSMC, Samsung und Micron ihre Kapazitätsausbaupläne, was die Nachfrage nach EUV-Lithografieanlagen weiter steigert.
Was bedeutet die EUV-Lithografie für die Chipproduktion?
EUV steht für ultraviolette Lithografie und ist eine Technologie, die zur Herstellung modernster KI-Halbleiter benötigt wird. ASML ist weltweit das einzige Unternehmen, das solche Anlagen herstellt, und gilt deshalb als das wertvollste börsennotierte Unternehmen Europas.