New York, 28 Juli 2026
Der Technologiekonzern Apple ist am Dienstag an der Börse zeitweise erstmals mehr als fünf Billionen US-Dollar wert gewesen und hat damit seinen Spitzenplatz als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen der Welt gefestigt.
Der Kurs der Aktie stieg am Dienstag um bis zu knapp zwei Prozent auf das Rekordhoch von 342,89 Dollar, womit die Marktkapitalisierung des iPhone-Herstellers die Fünf-Billionen-Schwelle erstmals in der Firmengeschichte überschritt. Inzwischen liegt der Kurs mit rund 338 Dollar nur leicht über dem Wert vom Montagabend und auch die Marktkapitalisierung lag wieder etwas unter der runden Marke. Damit schloss Apple letztlich mit einem Plus von rund 0,4 Prozent knapp unterhalb der symbolischen Grenze.
Apple verdrängt NVIDIA von der Spitze
Damit hat Apple den Konkurrenten NVIDIA als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen abgelöst. Bereits am Montag hatte Apple NVIDIA erstmals seit Mai des Vorjahres wieder an der Spitze verdrängt. Während Apple seit dem Jahreswechsel rund ein Viertel hinzugewann, legten NVIDIA-Aktien im selben Zeitraum nur etwa sieben Prozent zu und verloren zuletzt rund ein Prozent – getrieben von einer breiten Schwäche bei Halbleiterwerten.
Kapitalrotation weg von KI- und Chipwerten
Hintergrund der Verschiebung ist nach Einschätzung von Marktbeobachtern eine Rotation: Investoren schichten Kapital aus dem KI- und Chipsegment zugunsten defensiverer Positionen um. Innerhalb des Technologiesektors gilt Apple als vergleichsweise sicherer Hafen. Hinzu kommt, dass Apple anders als Microsoft, Amazon, Alphabet und Meta nicht in großem Stil in KI-Infrastruktur investiert und damit die entsprechenden Abschreibungen und Mittelabflüsse scheut. Das Unternehmen verdient sein Geld weiterhin vor allem mit Hardware und Diensten.
NVIDIA verliert – und bleibt allein mit der Fünf-Billionen-Marke
NVIDIA kommt nach dem Kursrückgang in den vergangenen Tagen auf einen Börsenwert von 4,7 Billionen Dollar. Mitte Mai war NVIDIA noch rund 5,7 Billionen Dollar wert gewesen. NVIDIA war zuvor das einzige andere Unternehmen, das überhaupt jemals die Marke von fünf Billionen Dollar erreicht hatte.
Unterstützt wird die Apple-Rallye auch von Fortschritten beim Sprachassistenten Siri. Eine überarbeitete Version von Siri hat in ersten Tests überwiegend positives Feedback erhalten; der vollständige Rollout wird noch im laufenden Jahr erwartet. Diese legten in diesem Jahr um rund ein Viertel zu und sind damit der mit Abstand beste Wert unter den sogenannten Glorreichen Sieben. Zu diesen zählen neben Apple und NVIDIA noch die Papiere der Google-Mutter Alphabet, Amazon, Meta Platforms (Facebook, Instagram, WhatsApp), Microsoft und Tesla.
Allerdings stehen am Ende derselben Woche die jüngsten Quartalszahlen Apples an, gemeinsam mit weiteren Berichten anderer großer Tech-Konzerne. Deren Ergebnisse dürften zeigen, ob die jüngste Rotation Bestand hat oder ob die KI-Investitionswelle wieder an Dynamik gewinnt.
Geteilte Analystenstimmen und bevorstehende Quartalszahlen
Die Analysten sind bei Apple derzeit gespalten. Bernstein Research stufte die Aktie am 8. Juli 2026 mit "Outperform" ein, JP Morgan Chase & Co. am 7. Juli 2026 mit "Overweight". UBS AG bewertete das Papier am 7. Juli 2026 mit "Neutral", Jefferies & Company Inc. am 27. Juli 2026 mit "Hold".
Apples Sonderweg im KI-Wettlauf
Zum Kontext: Seit der Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 liefern sich die großen Cloud-Anbieter Microsoft, Amazon, Google und Meta einen Investitionswettlauf in KI-Infrastruktur mit Milliardenbeträgen. Alphabet, die Google-Mutter, kündigte an, die Investitionsausgaben in diesem Jahr auf bis zu 205 Milliarden US-Dollar zu erhöhen – und wies zuletzt einen negativen freien Cashflow von 5,9 Milliarden Dollar aus. Apple hat sich an diesem Wettlauf bislang kaum beteiligt und investiert nicht in vergleichbarer Größenordnung in Rechenzentren und Beschleuniger.
Der Mechanismus, der Apple derzeit hilft, ist somit auch ein Mechanismus, der das Unternehmen verwundbar machen könnte: Sollte die Nachfrage nach KI-gestützten Diensten Apples Geschäftsmodell unter Druck setzen, müsste der Konzern entweder nachziehen oder Marktanteile abgeben. Bis dahin aber zahlt sich die Defensive aus – nicht zuletzt, weil das Unternehmen von steigenden Bewertungen im Technologiesektor mitgetragen wird, ohne deren Risiken zu tragen.
