Anthropic IPO-Antrag: Börsengang vor OpenAI eingereicht | nachrichten360
Anthropic reicht vertraulichen IPO-Antrag ein und überholt OpenAI im Rennen um den Börsengang
Los Angeles, 02 Juni 2026
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Kurzfassung
Das KI-Unternehmen Anthropic hat am Montag einen vertraulichen Antrag auf einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und sichert sich damit einen Vorsprung vor Konkurrent OpenAI. Mit einer Bewertung von 965 Milliarden Dollar liegt Anthropic inzwischen vor OpenAI, dessen Börsengang ebenfalls erwartet wird.
Los Angeles, 02 Juni 2026
Das KI-Unternehmen Anthropic, Entwickler des Chatbots Claude, hat am Montag, den 1. Juni 2026, einen vertraulichen Antrag auf einen Börsengang (IPO) bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht und sichert sich damit einen zeitlichen Vorsprung vor dem Konkurrenten OpenAI.
Anthropic teilte am Montag mit, bei der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) Unterlagen für einen Börsengang eingereicht zu haben. Das Unternehmen wählte dabei das Verfahren der vertraulichen Einreichung, bei dem sensible Finanzdaten zunächst nicht öffentlich zugänglich sind. Ein konkreter Zeitplan wurde nicht genannt. Das Unternehmen erklärte, der Börsengang würde von «Marktumständen und anderen Faktoren abhängen».
Der Antrag erfolgte nach Angaben von Reuters nur rund zwei Wochen, nachdem SpaceX IPO-Dokumente bei der SEC eingereicht hatte. SpaceX plant seinen Börsengang eigenen Angaben zufolge für den 12. Juni und will dabei bis zu 80 Milliarden US-Dollar bei Investoren einsammeln. Der zeitliche Ablauf verdeutlicht, in welch rasantem Tempo große KI- und Technologieunternehmen derzeit den Schritt an die Börse vorbereiten.
Rennen mit OpenAI
Mit der vertraulichen Einreichung verschafft sich Anthropic nach Einschätzung von Beobachtern einen Startvorteil gegenüber dem Rivalen OpenAI. Insider berichten, OpenAI bereite ebenfalls eine vertrauliche Antragsstellung in den kommenden Wochen vor. Das Rennen der beiden führenden KI-Entwickler um den ersten großen Börsengang der Branche gilt damit als eröffnet.
Anthropic wurde im Januar 2021 in San Francisco gegründet. Gründer sind die Geschwister Dario und Daniela Amodei, die zuvor bei OpenAI tätig waren und das Unternehmen nach inhaltlichen Differenzen mit dem damaligen OpenAI-CEO Sam Altman verlassen hatten. Ein zentraler Streitpunkt war die Frage der KI-Sicherheit. Das Hauptquartier des Unternehmens befindet sich in einem Bürogebäude an der Market Street in San Francisco.
Bewertung übertrifft OpenAI
Die Bewertung von Anthropic ist in den vergangenen Monaten rasant gestiegen. Im Februar 2025 lag sie noch bei 380 Milliarden Dollar, im Mai 2026 erreichte sie nach einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar den Wert von 965 Milliarden Dollar. Das entspricht einer Vervielfachung um rund das Fünfzehnfache innerhalb von 14 Monaten. Damit übertrifft Anthropic nach Schätzungen auch die Bewertung von OpenAI, die zuletzt mit 852 Milliarden Dollar angegeben wurde.
Anthropic verfolgt eine andere Geschäftsstrategie als der Hauptkonkurrent. Während OpenAI mit dem Chatbot ChatGPT vor allem private Endnutzerinnen und Endnutzer anspricht, konzentriert sich Anthropic auf zahlende Geschäftskunden. Den größten Umsatz erzielt das Unternehmen mit KI-Software, die automatisch Computercode generiert. Das Tool «Claude Code» ermöglicht es Anwendern, ohne Programmierkenntnisse Software zu erstellen.
Geschäftsmodell: Fokus auf Unternehmen
Auch bei den Einnahmen zeigt sich der Abstand. Der annualisierte Umsatz von Anthropic wird derzeit auf 45 Milliarden Dollar geschätzt, der von OpenAI auf rund 30 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr 2024 erzielte Anthropic noch 10 Milliarden Dollar Umsatz, für 2026 werden Prognosen auf Basis der aktuellen Entwicklung von 47 Milliarden Dollar gehandelt. Das Unternehmen rechnet damit, im zweiten Quartal 2026 erstmals profitabel zu werden, nachdem es zuvor frühestens 2028 erwartet hatte.
Die Investorenbasis von Anthropic ist breit aufgestellt. Zu den frühen Geldgebern gehörten der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt, der Skype-Mitgründer Jaan Tallinn und der IT-Unternehmer Dustin Moskovitz. Seitdem hat das Unternehmen rund acht Finanzierungsrunden absolviert. Amazon und Google halten laut Schätzungen jeweils rund 15 Prozent der Anteile und liefern dem Unternehmen zugleich Rechenleistung. Auch Microsoft zählt zu den Compute-Zulieferern, wenn auch in geringerem Umfang.
Rechenleistung als Engpass
Ein Hinweis auf den Fachkräftebedarf: Anthropic beschäftigt nach Schätzungen zwischen 3.000 und 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Erst kürzlich wechselte Andrej Karpathy, Mitgründer von OpenAI, zu Anthropic. Das Unternehmen unterhält zudem ein eigenes Beratungsunternehmen, das Drittfirmen im Umgang mit KI-Software schult.
Anthropic betreibt ein neues KI-Modell namens «Mythos», das Sicherheitslücken in Computersystemen aufspüren soll. Die Kosten für die Nutzung von Mythos liegen nach Unternehmensangaben sechsmal höher als beim zuvor fortschrittlichsten Modell. Das System ist nicht frei zugänglich, sondern steht nur einem ausgewählten Nutzerkreis zur Verfügung. Sowohl US-Behörden als auch die EU haben Interesse an Testzugängen angemeldet, um mögliche Risiken zu bewerten.
Auch in puncto Rechenleistung geht Anthropic ungewöhnliche Wege. Wegen der enormen Nachfrage musste das Unternehmen Kontingente für Kundinnen und Kunden zeitweise drosseln. Vor wenigen Wochen unterzeichnete Anthropic eine Vereinbarung mit SpaceX und dessen KI-Tochter xAI, um ungenutzte Kapazitäten der zugehörigen Rechenzentren zu nutzen. Diese Rechenzentren waren in Medienberichten in die Kritik geraten, weil sie zur Stromerzeugung Gasturbinen ohne ausreichende Rücksicht auf die Anwohner einsetzen.
Risiken und Bewertungssorgen
Trotz der starken Geschäftsentwicklung stehen nicht alle Beobachter dem Börsengang optimistisch gegenüber. Einige Experten äußern Zweifel, ob sich die Hunderte Milliarden Dollar, die derzeit in KI-Infrastruktur investiert werden, langfristig wieder einspielen lassen. Zudem gibt es derzeit keine echte Bindung von Unternehmen an einzelne KI-Anbieter: Firmen können kurzfristig zu einem anderen Anbieter wechseln, wenn dieser bessere Ergebnisse liefert.
Beobachter sind sich uneins, welche strategische Bedeutung der Schritt von Anthropic hat. Eine Analystengruppe sieht das Unternehmen im Vorteil, weil es mit der früheren Einreichung die Deutungshoheit darüber gewinnt, welches Unternehmen die bessere Marktposition besitzt. Die andere Gruppe argumentiert, OpenAI profitiere, weil es abwarten kann, wie institutionelle Investoren auf die Zahlen eines führenden KI-Unternehmens reagieren.
Berichten zufolge könnte der Börsengang von Anthropic im Herbst dieses Jahres stattfinden, frühestens jedoch nach Abschluss der SEC-Prüfung. Bis dahin bleiben sowohl die Größe der Anteilsausgabe als auch die konkreten Konditionen offen. Die Berichterstattung stützt sich unter anderem auf Recherchen von Nils Dampz vom ARD-Studio Los Angeles.
Ausblick auf den Herbst
Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens gilt die Einreichung als Signal für den beginnenden Reifeprozess der KI-Branche. Zum ersten Mal könnten Anlegerinnen und Anleger direkt am wirtschaftlichen Erfolg eines reinen KI-Entwicklers partizipieren, der in direktem Wettbewerb mit dem bislang dominierenden Anbieter OpenAI steht. Die kommenden Monate werden zeigen, ob das hohe Bewertungsniveau am Kapitalmarkt Bestand hat und ob die Investitionszyklen der Branche tatsächlich Früchte tragen.
Fragen & Antworten
Wer hat den IPO-Antrag bei Anthropic gestellt und wann?
Anthropic, das KI-Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, reichte am Montag, den 1. Juni 2026, einen vertraulichen Antrag auf einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Das Unternehmen begründete den Schritt mit «Marktumständen und anderen Faktoren».
Warum übertrifft Anthropics Bewertung die von OpenAI?
Nach einer Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Dollar im Mai 2026 wurde Anthropic mit 965 Milliarden Dollar bewertet, während OpenAI zuletzt mit 852 Milliarden Dollar veranschlagt wurde. Der annualisierte Umsatz von Anthropic liegt Schätzungen zufolge bei 45 Milliarden Dollar, der von OpenAI bei 30 Milliarden Dollar.
Wann könnte der Anthropic-Börsengang tatsächlich stattfinden?
Der Börsengang kann frühestens nach Abschluss der SEC-Prüfung erfolgen, die frühestens im Herbst 2025 abgeschlossen sein wird. Insider rechnen mit einem möglichen Termin im Herbst dieses Jahres, abhängig von den Marktbedingungen.