Anschlag auf Außenstelle des Landratsamts Finsterwalde: 35-Jähriger festgenommen, vier Verletzte im Krankenhaus
Finsterwalde, 16 Juli 2026
Alter Fritz / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0
Kurzfassung
In Finsterwalde hat ein 35-Jähriger am Donnerstagmorgen in einer Außenstelle des Landratsamts Elbe-Elster eine Mitarbeiterin angegriffen und anschließend Feuer gelegt. Vier Personen kamen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus; die Polizei nahm den Tatverdächtigen fest.
Finsterwalde, 16 Juli 2026
Ein 35 Jahre alter Mann hat am Donnerstagmorgen in einer Außenstelle des Landratsamts Elbe-Elster im brandenburgischen Finsterwalde eine Mitarbeiterin angegriffen und in deren Büro ein Feuer gelegt, vier Menschen wurden mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus gebracht.
Den Vorfall bestätigte die Polizei auf Nachfrage der Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN). Zuvor hatte der RBB berichtet. Nach Angaben der Polizei kamen vier Personen ins Krankenhaus. „Im Süden Brandenburgs hat ein Mann in einem Büro der Ortsstelle des Landratsamts Finsterwalde ein Feuer gelegt“, hieß es von den Ermittlern.
Der Angriff ereignete sich am Donnerstagmorgen in der Außenstelle der Kreisverwaltung in Finsterwalde im Landkreis Elbe-Elster. Wie aus den bisherigen Erkenntnissen hervorgeht, betrat der Mann das Büro einer weiblichen Beschäftigten, bedrohte die Frau und entzündete anschließend ein Feuer. „Die Mitarbeiterin habe sich in Sicherheit bringen können“, teilte die Polizei mit. Ein 35-jähriges Opfer des Angriffs wurde ärztlich versorgt.
Ablauf des Angriffs
Die starke Rauchentwicklung breitete sich nach Angaben der Polizei in dem Büro und den angrenzenden Bereichen der Behörde aus. Durch den Rauch seien mehrere Mitarbeiter verletzt worden. Die Rettungskräfte brachten insgesamt vier Personen zur stationären Behandlung in Krankenhäuser, wie die Polizei weiter mitteilte. Der Tatverdächtige wurde noch am Donnerstagvormittag festgenommen. „Ein Verdächtiger im Alter von 35 Jahren sei gefasst worden“, hieß es weiter.
Die Freiwillige Feuerwehr und die Berufsfeuerwehr Finsterwalde rückten zur Brandbekämpfung an und konnten den Brand löschen. Die Rauchentwicklung wurde mit Lüftungsmaßnahmen und Überdruckbelüftung eingedämmt. Anschließend kontrollierten die Einsatzkräfte das Gebäude auf mögliche Glutnester. Die Höhe des Sachschadens war zunächst unklar, da der Brandort noch von Spurensicherern untersucht wurde.
Folgen für die Beschäftigten
Für den laufenden Donnerstag stellte die Kreisverwaltung den Betrieb an der Außenstelle Finsterwalde vollständig ein. „Bis einschließlich Montag (20. Juli) entfallen laut Kreisverwaltung sämtliche Sprechzeiten und vereinbarten Termine“, hieß es in einer Mitteilung. Bürgerinnen und Bürger, die in dieser Woche einen Termin in der Behörde geplant hatten, wurden gebeten, sich erst nach dem Wochenende erneut an die Verwaltung zu wenden. Ein konkreter Termin für die Wiedereröffnung der Außenstelle stand zunächst nicht fest.
Wie die Kreisverwaltung mitteilte, kümmerten sich Führungskräfte gemeinsam mit den zuständigen Fachbereichen um die Betreuung der Beschäftigten. Neben medizinischer Versorgung wurde den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern psychologische Hilfe angeboten. Auch die Polizei und der Notfallseelsorgedienst des Landkreises Elbe-Elster waren im Einsatz. „Wie die Kreisverwaltung mitteilte, kümmerten sich Führungskräfte gemeinsam mit den zuständigen Fachbereichen um die Betreuung der Beschäftigten“, hieß es dazu.
Die Kriminalpolizei übernahm noch am Donnerstag die Ermittlungen zu Ablauf und Hintergrund der Tat. Beamte des Kriminaldauerdienstes sicherten Spuren am Tatort und befragten Zeugen. Nach Angaben der Polizei dauern die Untersuchungen an, ein Tatmotiv war zunächst nicht bekannt. Auch zu möglichen Vorerkenntnissen über den Verdächtigen oder vorangegangene Kontakte zum Landratsamt äußerten sich die Ermittler zunächst nicht.
Politische Reaktionen
Landrat Christian Jaschinski zeigte sich am Donnerstag bestürzt über den Vorfall und sprach den Verletzten sein Mitgefühl aus. Er dankte zugleich den Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst für ihren schnellen Einsatz. Die Kreisverwaltung werde alles tun, um die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterstützen und den Dienstbetrieb an den übrigen Standorten aufrechtzuerhalten. „Die Sicherheit unserer Beschäftigten hat oberste Priorität“, betonte Jaschinski in einer ersten Stellungnahme.
Innenstaatssekretärin Katrin Lange zeigte sich am Donnerstag ebenfalls erschüttert. „Ein solcher Angriff auf Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist absolut inakzeptabel und muss mit aller Härte des Rechtsstaates verfolgt werden“, erklärte Lange in einer Mitteilung des Innenministeriums. Die Staatssekretärin kündigte an, dass das Ministerium die Ermittlungen eng begleiten und die Behörden vor Ort bei der Bewertung der Sicherheitslage unterstützen werde. Sollten die Ermittlungen Hinweise auf eine politische Motivation liefern, werde der Staatsschutz eingebunden, hieß es weiter.
Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger
Die Stadt Finsterwalde sicherte der Kreisverwaltung umgehend Unterstützung zu. Bürgermeister Jörg Gampe sprach von einem „tiefen Einschnitt für die ganze Stadt“. Die Außenstelle des Landratsamts ist seit vielen Jahren Anlaufpunkt für viele Bürgerinnen und Bürger aus Finsterwalde und Umgebung. Viele Menschen aus der Region reagierten am Donnerstag bestürzt auf den Vorfall und bekundeten den Beschäftigten ihre Solidarität, unter anderem über soziale Netzwerke und lokale Vereine.
Die Polizei richtete für Hinweise aus der Bevölkerung eine eigene Telefonhotline ein und bat insbesondere Augenzeugen, die am Donnerstagmorgen im Bereich der Behörde Beobachtungen gemacht hatten, sich zu melden. Auch Anwohner, die möglicherweise Foto- oder Videoaufnahmen aus der Umgebung haben, wurden gebeten, diese der Polizei zur Verfügung zu stellen. Die Beamten sicherten zudem Aufnahmen einer in der Nähe des Tatorts installierten Überwachungskamera, die Hinweise zum Tathergang liefern könnten.
Die Versorgung der Bevölkerung mit Verwaltungsleistungen wurde in der Zwischenzeit über die übrigen Standorte des Landratsamts in Elbe-Elster sowie über das digitale Bürgerportal sichergestellt. Für dringende Anliegen konnten sich Bürgerinnen und Bürger an die zentrale Rufnummer der Kreisverwaltung wenden, wie die Behörde mitteilte. Der Regelbetrieb an der Hauptstelle in Herzberg werde am Freitag planmäßig wieder aufgenommen.
Ermittlungen und Staatsschutz
Die Staatsanwaltschaft Cottbus prüft unterdessen, welche Straftatbestände auf den Fall anwendbar sind. Im Raum stehen unter anderem ein versuchtes Tötungsdelikt, schwere Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung. Die Behörde werde nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen über die Erhebung einer Anklage entscheiden, hieß es.
Aus Sicht von Sicherheitsexperten verdeutlicht der Vorfall die wachsende Gewalt gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Vergleichbare Fälle aus den vergangenen Jahren – etwa Angriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jobcentern, Bürgerämtern und Gesundheitsämtern – hatten bereits Diskussionen über zusätzliche Schutzmaßnahmen ausgelöst. Der Deutsche Städtetag hatte wiederholt gefordert, dass der Bund die Länder und Kommunen bei der Sicherheit öffentlicher Gebäude stärker unterstützt.
Konsequenzen für die Sicherheit von Behörden
In den kommenden Tagen will die Kreisverwaltung gemeinsam mit der Polizei das Sicherheitskonzept für die Außenstelle in Finsterwalde überprüfen. Geplant seien unter anderem eine Verstärkung des Wachdienstes, die Nachrüstung von Videokameras im Eingangsbereich und eine Überarbeitung des Zutrittskonzepts. Auch Schulungen für Beschäftigte zum Verhalten in Bedrohungslagen sollen ausgeweitet werden. Die Ergebnisse sollen in eine landesweite Handreichung einfließen, die das Innenministerium für alle brandenburgischen Behörden erarbeitet.
Bis Redaktionsschluss am Donnerstagnachmittag dauerten die Ermittlungen der Kriminalpolizei an. Weitere Details zum Tathergang, zum Motiv und zum genauen Ablauf der Festnahme wollten Polizei und Staatsanwaltschaft im Laufe des Abends in einer gemeinsamen Pressekonferenz im Polizeirevier Finsterwalde mitteilen. Die Behörden baten die Bevölkerung, Spekulationen zu unterlassen und keine Fotos oder Videos des Tatorts in sozialen Medien zu verbreiten.
Fragen & Antworten
Was genau ist am Donnerstag in der Außenstelle des Landratsamts Finsterwalde passiert?
Ein 35 Jahre alter Mann betrat am Morgen das Büro einer Mitarbeiterin des Landratsamts Elbe-Elster in Finsterwalde, bedrohte die Frau und legte anschließend ein Feuer. Die Mitarbeiterin konnte sich nach Angaben der Polizei in Sicherheit bringen, vier Menschen wurden jedoch mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung in Krankenhäuser gebracht.
Wer wurde bei dem Brand verletzt und wie geht es den Betroffenen?
Nach Angaben der Polizei wurden vier Personen mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung stationär in Krankenhäusern aufgenommen. Die Kreisverwaltung teilte mit, dass Führungskräfte und Fachbereiche sich um die medizinische und psychologische Betreuung der betroffenen Beschäftigten kümmern.
Was geschieht mit dem Tatverdächtigen und wie geht die Polizei weiter vor?
Die Polizei nahm den 35-jährigen Tatverdächtigen noch am Donnerstagvormittag fest. Die Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Cottbus ermitteln zum Ablauf der Tat und zum Hintergrund; geprüft werden unter anderem ein versuchtes Tötungsdelikt, schwere Brandstiftung und gefährliche Körperverletzung.
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