Alexander Zverev gewinnt die French Open und vollendet sein jahrelanges Warten auf den ersten Grand-Slam-Titel
Paris, 08 Juni 2026
Keith Allison from Hanover, MD, USA / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.0
Kurzfassung
Alexander Zverev hat am Sonntag die French Open in Paris gewonnen und nach vier verlorenen Grand-Slam-Finals endlich seinen ersten Major-Titel geholt. Der Hamburger setzte sich im Finale gegen den Italiener Flavio Cobolli in fünf Sätzen durch und ist damit der erste deutsche Sieger in Roland Garros seit Beginn der Profi-Ära.
Paris, 08 Juni 2026
Alexander Zverev hat am Sonntag die French Open gewonnen und im Endspiel von Roland Garros den Italiener Flavio Cobolli mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 besiegt, womit der Hamburger aus Hamburg seinen ersten Grand-Slam-Titel holte.
Der historische Triumph in Roland Garros
Es war der Moment, auf den Alexander Zverev sein ganzes Tennisleben hingearbeitet hatte: Am späten Sonntagnachmittag verwandelte der Deutsche auf dem Court Philippe-Chatrier seinen zweiten Matchball gegen Flavio Cobolli und brach auf dem roten Pariser Sand in Tränen aus. "Jetzt ist es endlich ein Happy End", sagte er bei der Pokalübergabe. Der 29-Jährige lag auf dem Rücken im Sand, küsste anschließend die Coupe des Mousquetaires und hielt den Pokal wie ein Baby in den Armen. "Der Olympiasieger von 2021 gab im gesamten Turnierverlauf nur drei Sätze ab" und krönte damit eine außergewöhnliche Karriere mit dem fehlenden Titel.
Das Endspiel selbst war an Dramatik kaum zu überbieten. Über vier Stunden lang lieferten sich Zverev und der Weltranglisten-14. Cobolli einen offenen Schlagabtausch, in dem der Deutsche den ersten Satz klar mit 6:1 gewann, im zweiten Durchgang aber Probleme hatte. "Nicht zu glauben, wie Cobolli jetzt aufdreht", kommentierte Boris Becker bei Eurosport, als der Italiener zurückkam. Insgesamt "nach insgesamt vier Breaks musste die Entscheidung im Tiebreak fallen", ehe Zverev im fünften Satz mit 6:1 die Entscheidung erzwang. Bei einer Pause war er zuvor auf der Bank an den Oberschenkeln massiert worden, doch er kämpfte sich durch und beendete die Partie nach 4 Stunden und 16 Minuten.
Der Triumphess des Hamburgers ist in mehrfacher Hinsicht historisch. "Zverev ist damit der erste Major-Sieger seit den US Open 2023, der nicht Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz heisst", heißt es in einer Analyse. Zudem ist Zverev der erste deutsche Sieger bei den French Open seit Beginn der Profi-Ära im Jahr 1968. "Im 41. Anlauf hat es geklappt" – so viele Anläufe bei Grand-Slam-Turnieren hatte Zverev benötigt, um endlich ganz oben zu stehen. Der 29-Jährige ist nach Michael Stich, Steffi Graf, Boris Becker und Angelique Kerber der fünfte deutsche Grand-Slam-Champion.
Warmer Empfang von Politik und Weggefährten
Bereits im Vorfeld war Zverev als Favorit in das Turnier gegangen, nachdem die Konkurrenz reihenweise ausgeschieden war. Der Weltranglistenerste Jannik Sinner scheiterte bereits in der zweiten Runde, als er gegen Juan Manuel Cerundolo eine 2:0-Satzführung und 5:1-Vorsprung herschenkte. Novak Djokovic, 24-maliger Grand-Slam-Champion, erwischte es einen Tag später. Titelverteidiger Carlos Alcaraz sagte wegen einer Handgelenkverletzung gar nicht erst an. "Diese starke Leistung begeistert ein ganzes Land", schrieb Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Plattform X nach dem Finale.
Vom Pechvogel zum Champion
Für Zverev war der Weg zu diesem Titel von vielen Rückschlägen geprägt. "Dreimal war er auf teils dramatische Weise erst im Finale gescheitert": 2020 unterlag er in New York, 2024 in Paris und im Januar 2025 in Melbourne. Besonders schmerzhaft war das Halbfinale 2022 in Roland Garros, als er sich gegen Rafael Nadal schwer am Fuß verletzte und im Rollstuhl vom Platz gefahren werden musste. "Hier hatte er sich in Topform im Halbfinale 2022 gegen den Spanier Rafael Nadal schwer am Fuß verletzt und war als tragischer Verlierer mit einem Rollstuhl vom Platz gefahren worden." Genau vier Jahre später kehrte er an dieselbe Stätte zurück und vollendete sein Werk.
Auch psychologisch war der Sieg eine Erlösung. "Ich will nicht als der beste Spieler enden, der nie einen Grand Slam gewonnen hat", hatte Zverev nach der Niederlage in Melbourne gesagt. Diese Angst konnte er nun ablegen. "Wir waren eine Zeit lang auch Verlierer in den entscheidenden Momenten, aber am Ende des Tages sind wir jetzt Grand-Slam-Champions - und das ist das, was zählt." An der Seitenlinie feuerte ihn unter anderem Dominic Thiem an, der frühere US-Open-Sieger aus Niederösterreich, der 2020 selbst seinen ersten Major-Titel im fünften Satz geholt hatte. In dieselbe Kategorie passen auch Andre Agassi, Ivan Lendl, Andy Murray und Goran Ivanisevic – allesamt Spieler, die ihre ersten Grand-Slam-Endspiele verloren und dann im fünften Satz triumphierten.
Beckers besondere Worte
Boris Becker, der als Eurosport-Experte das Match kommentierte, zeigte sich tief bewegt. "Er hat das mehr als verdient. Das ist unglaublich, ich bin sehr stolz auf ihn." Der Leimener ist mit sechs Major-Titeln der letzte deutsche Grand-Slam-Champion vor Zverev gewesen, gewann 1996 die Australian Open. "Ich bin sehr stolz auf ihn. Ein Lebenstraum geht in Erfüllung. Dafür hat er und seine ganze Familie so hart gearbeitet. Und das mit seiner Diabetes-Erkrankung." Damit spielte Becker auf Zverevs bekannte Diabetes-Diagnose an, die den Sportler seit Jahren begleitet.
Zverev selbst gestand auf der Pressekonferenz, "Ehrlich gesagt bin ich schon etwas angetrunken, deshalb wiederhole ich mich etwas öfter als sonst" – er hatte den Titel mit ein paar Gläsern vor der offiziellen Party gefeiert. "Ich hoffe, dass auch mental bei mir irgendwas aufgeplatzt ist. Das ist schon etwas Besonderes, hier mit so einem Pokal zu sitzen." Auf die Frage, wie er den Druck der vielen verlorenen Finals verarbeitet habe, sagte er: "Denn hätte ich auch diesen Kampf verloren, wäre mein Selbstvertrauen stark gesunken. Aber jetzt, wo ich gewonnen habe, habe ich das Gefühl, dass ich es wieder schaffen kann."
Cobolli als würdiger Herausforderer
Sein Gegner Cobolli erwies sich als würdiger Finalist, auch wenn er am Ende deutlich unterlag. Der 24 Jahre alte Römer, der im Halbfinale kampflos gegen den erkrankten Matteo Arnaldi weitergekommen war, hatte zu Beginn Nerven gezeigt, kämpfte sich aber zurück ins Match. Im Tiebreak des vierten Satzes wehrte er sogar zwei Satzbälle ab und nutzte seine Chance, als Zverev eine 3:1-Führung herschenkte und Cobolli mit einem Vorhand-Winner die Linie entlang den Satz holte. "Sascha, wenn mich jemand gefragt hat, wer diesen Titel am meisten verdient, habe ich immer gesagt, dass du es bist", sagte der Italiener bei der Pokalübergabe. Im fünften Satz brach er dann zweimal früh Zverevs Aufschlag, doch der Deutsche konterte und zog davon.
Die italienische Sportzeitung La Gazzetta dello Sport feierte die Leistung Cobollis, auch wenn der Titel nach Deutschland ging: "Ein großartiger Cobolli reicht nicht, Roland Garros gehört Zverev!" Die französische Sporttageszeitung L'Équipe forderte ihre Leser auf, Zverev nicht länger als den besten Spieler ohne Grand-Slam-Titel zu bezeichnen. Die Zeitung Le Figaro sprach davon, dass Zverev seine "Dämonen" besiegt habe. Im Stadion selbst war auf den Rängen des Court Philippe-Chatrier die Inschrift zu lesen: 'Victory belongs to the most tenacious.'
Neben dem Herren-Finale wurde am Samstag auch das Damen-Endspiel entschieden. Mirra Andreeva, Russin, gewann gegen die polnische Überraschungsfinalistin Maja Chwalinska, die als Nummer 114 der Welt sensationell ins Endspiel eingezogen war, klar in zwei Sätzen. Andreeva kletterte durch den Titel auf Platz sechs der Weltrangliste, Chwalinska immerhin auf Rang 21. Chwalinska strich dabei rund 1,4 Millionen Euro an Preisgeld ein.
Ausblick auf Wimbledon und die weitere Saison
Für Zverev geht die Saison direkt weiter. In drei Wochen beginnt Wimbledon, wo er als Nummer zwei der Setzliste hinter dem verletzten Sinner gesetzt ist. Sein bestes Resultat auf Church Road war bislang der Einzug ins Achtelfinale. Danach stehen die Erste Bank Open in Wien im Oktober und die Generali Open in Kitzbühel im Juli an – letztere mit Cobolli im Feld. Bei der kommenden Hartplatzsaison wird Carlos Alcaraz, der an einer Handgelenksverletzung laboriert, nach eigenen Angaben erst zu den US Open im September zurück erwartet. Für Zverev ist nach diesem emotionalen Triumphess nun der Weg frei für mehr: "Wenn ich jetzt im Finale stehe, werde ich wissen: Auch wenn ich das Finale verliere, bin ich ein Grand-Slam-Champion."
Fragen & Antworten
Wer ist Alexander Zverev?
Alexander Zverev ist ein 29 Jahre alter deutscher Tennisspieler aus Hamburg, derzeit die Nummer drei der Weltrangliste. Er gewann 2021 in Tokio die olympische Goldmedaille und holte 2026 in Paris seinen ersten Grand-Slam-Titel bei den French Open.
Warum galt der French-Open-Sieg als historisch?
Zverev ist der erste deutsche Sieger bei den French Open seit Beginn der Profi-Ära 1968. Zudem ist er der erste Major-Champion seit den US Open 2023, der nicht Jannik Sinner oder Carlos Alcaraz heißt, und erst der fünfte deutsche Grand-Slam-Gewinner insgesamt.
Wie lief das Finale gegen Flavio Cobolli?
Zverev besiegte den 24-jährigen Italiener Flavio Cobolli, die Nummer 14 der Welt, mit 6:1, 4:6, 6:4, 6:7 (5:7), 6:1 in 4 Stunden und 16 Minuten. Nach einer 3:1-Führung im Tiebreak des vierten Satzes kämpfte sich Zverev trotz muskulärer Probleme zurück und entschied den fünften Satz klar.
Zverev gewinnt French Open: Erster Grand-Slam-Titel in Paris | nachrichten360