Airbus hebt Mittelfristziele deutlich an und kündigt milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm an
London, 22. Juli 2026
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Kurzfassung
Der Flugzeugbauer Airbus hat am Dienstagabend vor einer Investorenveranstaltung in London ehrgeizige Mittelfristziele bis 2029 vorgelegt und zugleich ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm angekündigt. Die Aktie legte im nachbörslichen Handel deutlich zu, am Mittwochmittag führte sie den DAX an.
Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbus hat am Dienstagabend vor einer Investorenveranstaltung in London seine Mittelfristziele deutlich angehoben und will das bereinigte operative Ergebnis bis 2029 auf 12 bis 13 Milliarden Euro steigern.
Airbus teilte die neuen Zielmarken am Dienstagabend vor einer Investorenveranstaltung in London mit, wie der im deutschen Aktienleitindex DAX notierte Konzern mitteilte. Demnach soll der bereinigte operative Gewinn (EBIT) von zuletzt 7,1 Milliarden Euro auf 12 bis 13 Milliarden Euro im Jahr 2029 wachsen. Für 2026 peilt Vorstandschef Guillaume Faury bereits rund 7,5 Milliarden Euro an.
Kursreaktion an den Börsen
Die Airbus-Aktie legte im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs um mehr als zwei Prozent zu. Am Mittwoch zur Mittagszeit stieg das Papier sogar um mehr als sechs Prozent und führte damit den DAX an, der insgesamt um 0,7 Prozent zulegte und sich trotz der Iran-Krise auf hohem Niveau stabil hielt.
Parallel zum Gewinnziel kündigte Airbus ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm an. So will Airbus binnen drei Jahren fünf Milliarden Euro für den Rückkauf eigener Aktien ausgeben. „Der Verwaltungsrat plant ein Aktienrückkaufprogramm über 5 Mrd. Euro", heißt es in der Mitteilung des Unternehmens, „das über drei Jahre laufen soll".
Bewertung der Analysten
An der Börse sorgten die Nachrichten für Erleichterung. Holger Schmidt von DZ Bank erklärte, die Mittelfristziele implizierten attraktive Wachstumsraten und steigende Profitabilität. Auch Ian Douglas-Pennant von UBS betonte, Anleger hätten das milliardenschwere Rückkaufprogramm in dieser Größenordnung vermutlich nicht erwartet. Zudem verwies der UBS-Analyst darauf, dass das EBIT-Ziel für 2029 vermutlich auf konservativen Annahmen beruhe.
Vertreter der Research-Häuser zeigten sich ebenfalls positiv. David Perry von JP Morgan erklärte, die Airbus-Ankündigung habe alles enthalten, was nötig sei, um den Aktienkurs nach oben zu treiben. „Airbus hat erstmals seit 2013 Mittelfristziele ausgegeben und diese liegen über den Erwartungen", sagte Perry. Allerdings bewertete er die Größe des Rückkaufprogramms als etwas kleiner als erwartet, wenngleich grundsätzlich positiv.
Auch George McWhirter von der Berenberg Bank äußerte sich: Das Gewinnziel liege in der erwarteten Spanne, der zugrundeliegende Ton klinge aber optimistischer. McWhirter hob zudem hervor, dass er seine Schätzungen zum Ergebnis je Aktie anhebe, da das Rückkaufprogramm die Anzahl der ausstehenden Aktien reduziere.
Produktionsziele für A350 und A320neo
Im Mittelpunkt der Präsentation stand auch das Kerngeschäft mit Passagierflugzeugen. Lars Wagner, neuer Chef der Passagierflugzeugsparte und frühere Vorstandschef des Triebwerksbauers MTU Aero Engines, nannte konkrete Zahlen: Binnen drei Jahren soll er den bereinigten operativen Gewinn der Sparte auf etwa zehn Milliarden Euro nach oben treiben. Das wäre fast doppelt so viel wie noch 2025.
Für den Airbus A350 sieht Wagner weiteres Potenzial: „Gerade für den Airbus A350 sehe er die Chance, die Produktion künftig weit über die für 2028 geplanten 12 Maschinen pro Monat zu steigern". Es gebe eine große Nachfrage nach diesen Maschinen, sagte Wagner. „Wir müssen in der Lage sein, den Kunden frühere Slots anzubieten."
Bei der A320neo-Reihe plant das Unternehmen zunächst eine verhaltenere Steigerung. So will Airbus die Produktion der Reihe bis 2027 auf monatlich 70 bis 75 Maschinen steigern. Danach solle sie erst einmal bei 75 bleiben, bevor man über weitere Steigerungen nachdenke, sagte Wagner. Im Auftragsbestand der A320neo-Reihe entfielen inzwischen 75 Prozent des Auftragsbestands auf die Langversion A321neo.
Der kleinere Airbus A220 soll im Jahr 2028 mit einer Produktion von dann 13 Stück pro Monat die Gewinnschwelle erreichen. Auch insgesamt zeigt sich Airbus zuversichtlich bei den Auslieferungen: So soll Airbus in diesem Jahr etwa 870 Verkehrsflugzeuge ausliefern und damit den bisherigen Rekord von 863 Maschinen aus dem Jahr 2019 übertreffen.
Wehr- und Raumfahrt sowie Hubschrauber
Neben dem Passagiergeschäft legte Airbus auch Ziele für die Wehr- und Raumfahrttochter sowie für die Hubschraubersparte vor. Für 2029 setzt Faury ihnen einen bereinigten operativen Gewinn von 1,3 und 1,2 Milliarden Euro zum Ziel. Defence & Space sowie Helicopters sollen zusammen auf etwa 2,5 Milliarden Euro bereinigtes EBIT bis 2029 kommen.
Der Airbus-Chef betonte zudem die konzernweite Ausweitung der Fertigung: „Airbus fahre in allen Geschäftsbereichen die Produktion hoch, um der starken Nachfrage gerecht zu werden, sagte Faury am Dienstagabend in London. Gerade die Auftragsbücher im Passagierfluggeschäft sind nach Unternehmensangaben voll; gebremst wird das Wachstum derzeit durch Lieferengpässe bei Zulieferern, insbesondere bei Triebwerksherstellern.
Bereits in der Vergangenheit hatte Konzernchef Faury die Produktionsziele für die A320neo-Reihe wegen Engpässen bei Zulieferern mehrfach verschoben. Der Konkurrent Boeing belegt unterdessen den Markt für Großraumlangstreckenflugzeuge – zumindest aus Sicht von Airbus ein zunehmend angeschlagener Wettbewerber, der mit eigenen Lieferproblemen zu kämpfen hat.
Zudem prüfe Airbus die Entwicklung einer verlängerten Version der A350 – noch länger als das derzeit größte Modell A350-1000. „Es gibt aber noch keine Entscheidung über den Stretch", stellte Finanzvorstand Thomas Toepfer klar. Eine endgültige Entscheidung über das zusätzliche Modell stehe noch aus.
Marktumfeld und Konkurrenz
Branchenexperten ordneten die neuen Mittelfristziele auch vor dem Hintergrund militärischer Aufrüstung in Europa ein. Europäische Staaten erhöhen angesichts der Bedrohung durch Russland und unsicherer US-Unterstützung ihre Verteidigungsausgaben, wovon Airbus im Rüstungssegment profitieren könnte.
Anlass für die Präsentation war die laufende Farnborough Airshow nahe der britischen Hauptstadt, auf der Airbus wie andere Flugzeughersteller und Zulieferer seine Produkte zeigt. Auch die MTU-Aktie legte am Mittwoch zeitweise um rund 2,3 Prozent zu und beendete damit eine Anfang Juli begonnene Talfahrt im DAX.
Ausblick und Risiken
Zwischenzeitlich hatten 2026 der Iran-Krieg und der hohe Ölpreis die Papiere von Airbus, MTU sowie andere Aktien aus der Luftfahrtbranche abwärts geschickt. Mit den neuen Mittelfristzielen und dem groß angelegten Rückkaufprogramm versucht Airbus nun, den Anlegern wieder einen klaren Wachstumskurs zu signalisi
Anleger und Analysten werten die Kombination aus höheren Gewinnzielen, wachsender Produktion und milliardenschwerem Rückkauf als Zeichen einer grundsoliden Aufstellung des europäischen Flugzeugbauers. Die endgültige Aufnahme der Zuwächse hängt allerdings weiterhin davon ab, ob es Airbus gelingt, die Engpässe in der Lieferkette zu lösen und die ambitionierten Produktionsraten tatsächlich zu erreichen.
Insgesamt verdeutlicht der Auftritt in London, dass Airbus den momentan wichtigsten Wettbewerbsvorteil – volle Auftragsbücher – in konkrete Margensteigerungen ummünzen will. Sollte das gelingen, wäre der Konzern dem angeschlagenen US-Rivalen Boeing in der mittelfristigen Perspektive noch deutlicher überlegen.
Fragen & Antworten
Welche neuen Mittelfristziele hat Airbus bis 2029 vorgelegt?
Airbus will sein bereinigtes operatives Ergebnis (EBIT) von zuletzt 7,1 Milliarden Euro auf 12 bis 13 Milliarden Euro im Jahr 2029 steigern. Für 2026 peilt der Konzern bereits rund 7,5 Milliarden Euro an.
Wie reagierten Anleger auf den Airbus-Aktienrückkauf von fünf Milliarden Euro?
Die Airbus-Aktie stieg im nachbörslichen Handel auf Tradegate um mehr als zwei Prozent gegenüber dem Xetra-Schlusskurs und gehörte am Mittwoch mit einem Plus von über sechs Prozent zu den stärksten DAX-Werten. Analysten wie Ian Douglas-Pennant zeigten sich überrascht von der Größenordnung des Programms.
Welche Produktionsziele nannte Spartenchef Lars Wagner für die A320neo-Reihe?
Die Produktion der A320neo-Reihe soll bis 2027 auf 70 bis 75 Maschinen pro Monat steigen und dann zunächst bei 75 verharren, bevor Airbus mögliche weitere Steigerungen prüft. Beim A350 sieht Wagner sogar Chancen, künftig deutlich über die für 2028 geplanten zwölf Flugzeuge pro Monat hinaus zu gehen.
Airbus: Mittelfristziele 2029 und 5-Mrd-Euro-Aktienrückkauf | nachrichten360