ADAC-Test: Fast jede zweite unbewirtschaftete Rastanlage schneidet mangelhaft ab
München, 14. Juli 2026
Carsten Wolff für das Bundesministerium der Finanzen und die Deutsche Post AG / Wikimedia Commons / Public domain
Kurzfassung
Beim aktuellen ADAC-Test der unbewirtschafteten Autobahnrastplätze in Deutschland haben 46 Prozent der 50 geprüften Anlagen die Noten „mangelhaft" oder „sehr mangelhaft" erhalten. Kein einziger Rastplatz bekam die Bestnote „sehr gut", nur 18 Prozent wurden mit „gut" bewertet – halb so viele wie noch 2022.
Der ADAC hat bei einer bundesweiten Stichprobe von 50 unbewirtschafteten Autobahnrastplätzen in Deutschland deutliche Mängel festgestellt: 46 Prozent der Anlagen erhielten die Noten „mangelhaft" oder „sehr mangelhaft", keiner schnitt mit „sehr gut" ab.
Im aktuellen Rastplatztest des ADAC, der am 14. Juli 2026 im Deutschlandfunk verbreitet wurde, haben die Tester 50 kleine Anlagen ohne Tankstelle oder Restaurant unter die Lupe genommen. Bei der aktuellen Stichprobe vergab der Verkehrsclub bei 46 Prozent der getesteten Anlagen die Noten „mangelhaft" oder „sehr mangelhaft". „Gut" war nicht einmal jeder Fünfte (18 Prozent). Damit erweist sich das Ergebnis als deutlich schlechter als beim vorangegangenen Test vor vier Jahren: Damals waren noch 40 Prozent gut bewertet worden, das waren nur noch halb so viele wie beim vorangegangenen Test vor vier Jahren.
Verantwortlich: Autobahn GmbH des Bundes
Zuständig für die unbewirtschafteten Rastplätze ist die Autobahn GmbH des Bundes. Deren regionale Niederlassungen kümmern sich um den Unterhalt, die Reinigung der sanitären Anlagen, die Müllentsorgung und den Grünschnitt. Der ADAC sieht die Autobahngesellschaft in der Pflicht: „Die Autobahn GmbH muss als Betreiber die unbewirtschafteten Rastplätze stärker ins Visier nehmen - entweder durch Modernisierung oder eine Erhöhung der Reinigungsintervalle", forderte Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen. Seiner Einschätzung nach müsse die Reinigung gründlicher erfolgen und dürfe sich nicht auf die Leerung der Mülltonnen und das oberflächliche Saubermachen der Toiletten begrenzen.
Beanstandet wurde vor allem der Zustand der Toiletten. Knapp zwei Drittel der Anlagen wurden für ihre Sanitäranlagen mit „mangelhaft" oder „sehr mangelhaft" bewertet. Damit erweisen sich die Sanitäranlagen als zentrale Schwachstelle unbewirtschafteter Rastplätze, sind aber gleichzeitig der häufigste Grund für deren Nutzung. Konkret fehlte häufig Toilettenpapier, oft fehlten Seifenspender und Handtrockner funktionierten nicht. „WC-Häuschen waren laut ADAC entweder verdreckt oder gleich ganz geschlossen, Toilettenpapier war nur selten vorhanden, oft fehlten Seifenspender und Handtrockner funktionierten nicht", fasst der ADAC zusammen.
Sanitäranlagen als zentrale Schwachstelle
Auch der bauliche Zustand und die Ausstattung der barrierefreien Toiletten entsprächen oft nicht den Erwartungen, heißt es vom ADAC. Zudem wurde das Fehlen von Behindertentoiletten moniert. Der ADAC kritisierte zudem die vielerorts mangelhafte Beleuchtung sowie fehlende Notrufeinrichtungen. Auf fast allen Rastplätzen (96 Prozent) fanden die Tester unterschiedliche Formen von Vandalismus: Von Graffiti über zerstörtes Inventar bis hin zu Schildern, die so mit Aufklebern zugepflastert waren, dass man sie nicht mehr lesen konnte.
Im Vergleich zu 2022 haben sich knapp zwei Drittel der Anlagen verschlechtert, nur acht Prozent konnten ihr Ergebnis verbessern. „Zwei Drittel der Anlagen verschlechterten sich" bilanziert der ADAC. Die jetzt getesteten Anlagen waren im Jahr 2022 schon einmal geprüft worden. Insgesamt spiegele das Ergebnis einen besorgniserregenden Trend wider: Der Anteil der guten Bewertungen hat sich halbiert, die Zahl der sehr mangelhaften Anlagen ist gestiegen.
Trend: Deutliche Verschlechterung seit 2022
Die meisten Rastplätze seien verkehrssicher angelegt, es gebe aber Verbesserungsbedarf bei Stellplätzen für Autos mit Anhängern, Gespanne und Wohnmobile, urteilten die Tester. So fehlten an vielen Anlagen Parkplätze für Fahrzeuggespanne, zudem gab es kaum Frischwasserversorgung für Wohnmobile. Keine der 50 getesteten Anlagen bietet eine Frischwasserversorgung für Wohnmobile an. Die Außenanlagen erreichten laut ADAC ein „mittleres Niveau". Positiv fiel immerhin auf, dass die Parksituation bei den meisten Anlagen relativ gut bewertet wurde.
Spazierwege, Bewegungs- oder Spielflächen sowie ausreichender Lärmschutz fehlten auf vielen Anlagen. Nur zwei der 50 getesteten Rastplätze verfügten über einen Spielplatz. Auch hinsichtlich der persönlichen Sicherheit sah der ADAC Mängel: So sei die Beleuchtung der Parkplätze teils unzureichend, die Toilettengebäude schlecht einsehbar und Notrufeinrichtungen fehlten teilweise.
Hessen als Schlusslicht
Hessen schnitt im Test besonders schlecht ab. Von elf Anlagen, die mit der schlechtesten Note bewertet wurden, liegen vier in Hessen. Schlusslicht im Test: Hessen. Dazu zählt etwa die Rastanlage „Am Pommer" an der A7 Kassel in Richtung Fulda, die auf Platz 44 von 50 landete und mit „sehr mangelhaft" bewertet wurde. Bei „Am Pommer" sind im Testbericht erkennbare Sauberkeitsmängel in den Unisex-Toiletten beschrieben, die Toiletten sind schlecht beleuchtet, der gesamte Toiletteninnenbereich ist in schlechtem Zustand und der Notruf ist nicht in zentraler Lage.
Noch schlechter schnitt die Anlage „Brühlgraben" an der A5 Frankfurt in Richtung Darmstadt ab, die auf Platz 46 von 50 kam. Aktuell ist der Rastplatz gesperrt, doch zum Zeitpunkt der Testbegehung waren die Toiletten noch geöffnet, die Herren-Toilette hatte erkennbare Sauberkeitsmängel. Es gibt keine Behinderten-Parkplätze, die Grünflächen sind verschmutzt, es gibt keinen Lärmschutz und die Toiletten sind schlecht beleuchtet. Auf Platz 48 von 50 landete der Rastplatz „Nadelöhr" an der A4 Bad Hersfeld in Richtung Eisenach. Die schlechte Bewertung bekommt der Platz wegen der gesperrten Behinderten-Toilette; dieser Umstand wird an der Autobahn nicht angezeigt. Hinzu kommen verschmutzte Grünflächen, Parkplätze für Gespanne fehlen und auf der Anlage war ein Schrottauto abgestellt. Kleiner Pluspunkt: Es gibt Superschnellladesäulen für E-Autos.
„Am Stadtwald" – schlechtester Rastplatz im Test
Der schlechteste Rastplatz im gesamten Test ist „Am Stadtwald" an der A3 bei Frankfurt. Im Test spricht der ADAC von einem „stark verdreckten Gesamtzustand" und überquellenden Mülltonnen. Auf dem Gehweg sei benutztes Spritzbesteck gefunden worden. Bereits vor vier Jahren war das WC-Häuschen geschlossen, mittlerweile gibt es dort nicht einmal mehr mobile Toiletten.
Auch in Nordrhein-Westfalen ist das Bild düster. Die A4 ist eine der Hauptrouten von NRW in Richtung Belgien und Niederlande. An der A4 zwischen den Anschlussstellen Düren und Weisweiler liegt der Rastplatz „Rur-Scholle", der im aktuellen Test die Note „mangelhaft" erhielt. Vier Jahre zuvor hatte er noch besser abgeschnitten. Gelobt wurde die räumliche Trennung von Lkw und Pkw: So müssen Busreisende nicht zwischen rangierenden Lastwagen ein- und aussteigen, und Autofahrer mit Anhängern oder Wohnmobilen müssen nicht zwischen Trucks nach Stellplätzen suchen. Allerdings fehlt eine Notrufeinrichtung, und der ADAC kritisierte nicht abgesenkte Bordsteine an den Behindertenparkplätzen sowie den Zustand der sanitären Anlagen. In NRW schnitten 5 der 8 untersuchten Rastplätze schlechter ab als vor vier Jahren.
Ergebnisse in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen
In Sachsen-Anhalt steht der Rastplatz Wüstenforst an der A2 im Landkreis Jerichower Land mit der Note „sehr mangelhaft" ganz unten. Der Rastplatz Wüstenforst erhielt laut ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt sowohl bei den Toilettenanlagen als auch bei der persönlichen Sicherheit die schlechteste Bewertung. Besser schnitt die Anlage Saaleeue Süd an der A14 ab, die mit „gut" bewertet wurde. Der Rastplatz Kapellenberg liegt ebenfalls in Sachsen-Anhalt. In Thüringen erhielt der Rastplatz Rodablick an der A4 bei Laasdorf die Note „mangelhaft". In Sachsen bekam die Anlage Rödertal an der A4 bei Ohorn ein „ausreichend".
In Rheinland-Pfalz fielen zwei Rastplätze durch, darunter der Rastplatz Hundsheide an der A61 im Hunsrück, der ebenfalls die Note „sehr mangelhaft" erhielt. Damit reiht sich die Anlage in das insgesamt schlechte Abschneiden der westdeutschen Rastplätze ein. Die ADAC-Testerinnen und -Tester waren an Wochenenden und Freitagen zwischen 8 und 18 Uhr unterwegs. Getestet wurden unbewirtschaftete Rastplätze mit Sanitäranlagen, also keine bewirtschafteten Raststätten oder Autobahn-Tankstellen.
Unbewirtschaftete Rastplätze sind öffentliche Haltepunkte an Autobahnen oder Fernstraßen ohne Tankstellen, Restaurants oder andere Servicebetriebe. Sie dienen vor allem als Pause- und Toilettenstation für Fernfahrer, Reisende und Familien auf längeren Fahrten. Umso schwerer wiegt das Ergebnis des aktuellen Tests, denn viele der Anlagen genügen weder bei der Sauberkeit noch bei der Sicherheit den Anforderungen, die Reisende an einen kurzen Stopp stellen.
Der ADAC erneuert mit dem Test seine seit Jahren geäußerte Kritik an der Infrastruktur der kleinen Autobahnrastplätze und fordert von der Autobahn GmbH des Bundes ein entschiedeneres Handeln. Die Veröffentlichung der Ergebnisse erfolgte über eine ADAC-Pressemitteilung sowie über die ADAC-Landesverbände, die Berichterstattung stammt von Martin Nass, Dirk Jacobs und Felix Fahnert (MDR) sowie von dpa. Angesichts der deutlichen Verschlechterung gegenüber 2022 dürfte der Druck auf den Betreiber wachsen, die Reinigungsintervalle zu erhöhen und in die Modernisierung der Anlagen zu investieren.
Fragen & Antworten
Wie viele Rastplätze hat der ADAC getestet und wie ist das Gesamtergebnis?
Der ADAC hat 50 unbewirtschaftete Autobahnrastplätze in Deutschland getestet. 46 Prozent erhielten die Noten „mangelhaft" oder „sehr mangelhaft", nur 18 Prozent wurden mit „gut" bewertet, keiner bekam „sehr gut".
Warum schneiden so viele Rastplätze schlecht ab?
Vor allem die Sanitäranlagen ziehen die Bewertung nach unten: Toiletten waren verdreckt oder geschlossen, Toilettenpapier und Seifenspender fehlten häufig, Handtrockner funktionierten oft nicht. Hinzu kommen Vandalismus auf 96 Prozent der Anlagen sowie mangelhafte Beleuchtung und fehlende Notrufeinrichtungen.
Was fordert der ADAC vom Betreiber?
Der ADAC fordert die Autobahn GmbH des Bundes auf, die unbewirtschafteten Rastplätze entweder zu modernisieren oder die Reinigungsintervalle zu erhöhen. Die Reinigung müsse gründlicher erfolgen und dürfe sich nicht auf Mülltonnenleerung und oberflächliches Saubermachen beschränken.